Ich hab ja schon viel erlebt in der App-Werbewelt. Push-Benachrichtigungen, die mich mitten in der Nacht fragen, ob ich nicht noch schnell einen ETF besparen will. Newsletter, die so tun, als wären sie ein Liebesbrief. Aber was Trade Republic für ihre Kinderdepots gerade abzieht, ist eine neue Kategorie:
Kinder für Cash.

Jeden Tag ploppt mir dieser 100-Euro-Kinderbonus ins Gesicht. „Nur bis 19. August!“ – als wäre ich beim Teppichhändler, der mir schwört, dass das persische Meisterwerk heute 90 % billiger ist. Morgen ist’s dann trotzdem noch da. Nur eben mit einem „verlängert bis“ Stempel drüber.

Ich hab kein Kind.
Und jetzt mal ganz ehrlich: Wäre ich nicht eh schon raus aus der Nummer, hätte mich diese Kampagne spätestens jetzt überzeugt – überzeugt, das Konto zu kündigen.

Die neue Dating-App für Broker

Ich seh schon, wie die nächsten App-Updates aussehen:

  • „Finde Singles in deiner Nähe, die auch ein Kinderdepot eröffnen wollen.“
  • „Match des Tages: 28, mag ETFs, hasst TER.“
  • „Achtung, Fruchtbarkeitsphase – jetzt zuschlagen und 100 € sichern!“

In den Reddit-Kommentaren gibt’s dazu die besten Perlen:

  • „TR animiert dich zum Nachwuchs machen.“
  • „Hat schon mehr getan als die Bundesregierung.“
  • „Wenn 1 Frau 9 Monate für 1 Kind braucht, dann brauchen 39 Frauen nur eine Woche.“

Und irgendwo dazwischen Leute wie ich, die jeden Tag denselben Push wegklicken und überlegen, ob’s nicht einfacher wäre, ein Kind zu adoptieren, nur um endlich Ruhe zu haben.


Das perfide an der Sache

Diese Kombi aus Geldlocken und Zeitdruck ist genau die Mechanik, mit der auch Phishing-Mails arbeiten: „Schnell klicken, bevor’s zu spät ist!“ – nur dass hier eben keine Fakebank dahintersteckt, sondern die echte App, in der mein Depot liegt.
Kleiner Reminder: Wer kein Kind hat, kriegt auch keinen Bonus. Aber die Werbung läuft trotzdem fröhlich weiter, als würde sich das durch pure Willenskraft ändern.

Und für alle, die tatsächlich Kinder haben, gibt’s dann noch die Extra-Hürde: Beide Elternteile müssen bei TR mitmachen. Ein User schrieb: „Meine Frau müsste auch ein Konto erstellen. Will sie nicht. Sehr nervig gelöst.“
Also ja, Glückwunsch – sogar die, die mitmachen würden, werden hier eher vergrault.


Mein Fazit

Trade Republic, ich mag euch für eure günstigen Gebühren. Aber wenn ich noch einmal diese Kinderdepot-Anzeige sehe, adoptiere ich vielleicht wirklich eins – aber nur, um das Konto danach bei der Konkurrenz zu eröffnen.

Bis dahin gilt: Push weg, Augen verdrehen, und daran denken – die nächste „Nur bis…“-Kampagne kommt bestimmt. Vielleicht fürs „Enkeldepot“. Oder gleich für den „Generationen-ETF“.

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2 Kommentare

  1. Stimme total zu – finde diese Werbung auch super unangenehm, mit E-Mails und Push. Ich brauche ja auch keine Autoversicherung, wenn ich kein Auto habe. Und auch ein sehr sensibles Thema: Was ist mit Menschen, die gerne Eltern wären, aber denen das Glück verwehrt wurde? Super drei Mal von TR an den Schmerz erinnert zu werden.

    • TR übertreibt es in der letzten Zeit sowieso mit Werbung und Popups in der App. Während die „normalen“ Funktion extrem rudimentär sind, ist man bei Werbung immer kreativ…