Viele neue Mobile-RPG-Titel erscheinen nicht mehr nur als einfache Smartphone-Ableger, sondern als vollwertige Online-Rollenspiele mit offener Welt, Koop-Systemen, Anime-Inszenierung, Crossplay und teils parallelen Versionen für PC oder Konsole. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Einige Namen klingen auf dem Papier spektakulär, sind aber noch nicht offiziell verfügbar, nur regional gestartet oder bisher vor allem als Ankündigung sichtbar.

Für deutsche Spielerinnen und Spieler sind vor allem die Titel interessant, die tatsächlich im App Store oder bei Google Play auftauchen, offiziell für Europa vorgesehen sind oder zumindest klar als globaler Mobile-Release kommuniziert wurden. Aus einer langen Liste bleiben dadurch weniger Spiele übrig, aber die Auswahl wird belastbarer. Entscheidend ist nicht, wie groß ein Trailer wirkt, sondern ob das Spiel hierzulande wirklich spielbar ist oder zumindest konkret vor dem Start steht.

Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die neuen Kandidaten auftreten. Neverness to Everness setzt auf eine moderne Stadt mit übernatürlichen Fällen. The Seven Deadly Sins: Origin nutzt eine bekannte Anime-Welt für ein großes Open-World-RPG. StarSavior bleibt näher am klassischen rundenbasierten JRPG. HellGuard stellt manuelle Action gegen das übliche Autoplay vieler Mobile-MMORPGs. Silver and Blood verkauft sich über Gothic-Stil und düstere Anime-Atmosphäre. Und mit Monster Hunter Outlanders steht ein Titel im Raum, der aus einer der stärksten Action-RPG-Reihen überhaupt ein echtes Mobile-Spiel machen soll.

Genau dadurch wird 2026 für RPG-Apps interessant. Nicht, weil plötzlich jedes neue Spiel wichtig wäre. Sondern weil das Genre gerade mehrere Richtungen gleichzeitig ausprobiert: offene Stadt, Anime-Lizenz, Koop-Jagd, Dungeon-Action, klassisches Team-RPG und düstere Sammelstrategie. Für Spieler ist das gut, solange man nicht nur auf Screenshots schaut. Die eigentliche Frage bleibt bei jedem dieser Spiele dieselbe: Wie viel Rollenspiel steckt wirklich drin, wenn der Einstieg vorbei ist?

Neverness to Everness setzt auf Stadt, Action und offene Welt

Neverness to Everness, kurz NTE, ist einer der auffälligsten neuen Kandidaten. Das Spiel stammt von Hotta Studio und erscheint für Android, iOS, PC, Mac und PlayStation 5. Damit ist NTE kein klassisches Mobile-RPG, das nebenbei noch eine Smartphone-Version bekommt, sondern ein Cross-Plattform-Projekt mit deutlich größerem Anspruch.

Der Schauplatz unterscheidet sich angenehm von vielen Fantasy-RPGs. Statt Wald, Tempel und Drachenkulisse steht eine moderne Stadt im Mittelpunkt, in der übernatürliche Anomalien auftauchen. Spieler übernehmen die Rolle eines Anomaly Hunters, erkunden Hethereau, fahren Fahrzeuge, kämpfen gegen ungewöhnliche Gegner und bauen ein Team mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf.

Spannend ist NTE vor allem wegen dieser Mischung. Es will nicht nur Anime-Action liefern, sondern auch Stadtleben, Erkundung und Rollenspielsysteme verbinden. Das kann funktionieren, wenn die offene Welt mehr ist als eine hübsche Kulisse für tägliche Aufgaben. Die größte offene Frage bleibt die Monetarisierung. Sobald ein Spiel dieser Art auf Charaktere, Fortschritt und Gacha-Systeme setzt, entscheidet sich nach einigen Stunden, ob die Freiheit wirklich trägt oder ob man nur dem nächsten Ressourcenlimit hinterherläuft.

The Seven Deadly Sins: Origin bringt eine bekannte Anime-Welt auf Mobile

The Seven Deadly Sins: Origin ist einer der prominentesten Namen unter den neuen Mobile-RPGs. Netmarble nutzt die bekannte Anime- und Manga-Lizenz, erzählt aber keine reine Nacherzählung der Vorlage. Stattdessen folgt das Spiel Tristan Liones in einer neuen Geschichte, die nach dem Heiligen Krieg ansetzt und mit einer verzerrten Multiversum-Struktur arbeitet.

Der Reiz liegt klar in der Kombination aus Lizenz, offener Welt und Action-RPG-Kämpfen. Spieler können bekannte Figuren treffen, neue Gebiete erkunden, Kämpfe in Echtzeit austragen und gemeinsam mit anderen Spielern Herausforderungen angehen. Für Fans der Vorlage ist das deutlich interessanter als ein reines Menü-RPG, bei dem Figuren nur gesammelt und in Arenen geschickt werden.

Trotzdem muss sich The Seven Deadly Sins: Origin an mehr messen lassen als an hübschen Animationen. Anime-Lizenzen tragen ein Spiel nur bis zu einem gewissen Punkt. Entscheidend wird, wie viel echte Erkundung, wie viel sinnvolle Charakterentwicklung und wie viel spielerische Freiheit nach dem Einstieg übrig bleibt. Wenn Netmarble hier zu stark auf typische Free-to-play-Routinen setzt, kann der große Open-World-Anspruch schnell kleiner wirken.

StarSavior richtet sich an Fans klassischer JRPG-Strukturen

StarSavior ist deutlich klassischer aufgebaut. Statt offener Stadt oder riesiger Action-Welt setzt das Spiel auf ein rundenbasiertes Anime-JRPG mit Heldinnen, Klassenrollen und stark inszenierten Spezialangriffen. Die Geschichte dreht sich um sogenannte Saviors, die eine alte Macht erben und sich einer neuen Bedrohung stellen müssen.

Das Spiel dürfte vor allem Nutzer ansprechen, die Teamaufbau und taktische Kämpfe mögen. Jede Figur erfüllt eine bestimmte Rolle, etwa als Angreifer, Unterstützer, Verteidiger oder Magier. Dadurch wird die Zusammenstellung der Gruppe wichtiger als reine Reaktionsgeschwindigkeit. Wer Mobile-RPGs weniger wegen offener Welten spielt, sondern wegen Charakterentwicklung, Story und Kampfsystem, findet hier den passendsten Kandidaten.

Die kritische Frage ist auch hier der Langzeitaufbau. Rundenbasierte Mobile-JRPGs starten oft stark, weil neue Figuren, Fähigkeiten und Storyabschnitte schnell freigeschaltet werden. Nach einigen Tagen zeigt sich dann, ob das Spiel faire Progression bietet oder ob seltene Charaktere und Ressourcen den eigentlichen Takt bestimmen.

HellGuard will Action-RPG ohne Autoplay sein

HellGuard: Online Action RPG fällt auf, weil es sich bewusst gegen einen der größten Schwachpunkte vieler Mobile-MMORPGs stellt: Autoplay. Viele Genrevertreter sehen im Store beeindruckend aus, lassen den Spieler aber nach kurzer Zeit nur noch Quests anklicken, Wege automatisch laufen und Kämpfe fast selbstständig abspulen. HellGuard bewirbt sich dagegen als dunkles Fantasy-Action-RPG mit manuellen Kämpfen.

Das macht den Titel zumindest konzeptionell interessant. Statt passivem Fortschritt stehen Timing, Ausweichen, Positionierung und aktives Kämpfen im Vordergrund. Dazu kommen Dungeons, Bosskämpfe, Ausrüstung und Online-Elemente. Das klingt näher an einem klassischen Hack-and-Slash-RPG als an einem typischen Mobile-MMORPG mit endlosen roten Benachrichtigungspunkten.

Ob HellGuard langfristig genug Tiefe bietet, muss ein längerer Test zeigen. Der Ansatz ist aber sauber: weniger automatisierte Beschäftigung, mehr direktes Spielgefühl. Gerade auf dem Smartphone ist das riskant, weil Touch-Steuerung bei schnellen Action-RPGs präzise funktionieren muss. Wenn die Steuerung sitzt, könnte HellGuard eine interessante Alternative für Spieler werden, die keine Lust auf selbstlaufende Fantasy-Fassaden haben.

Silver and Blood punktet mit Gothic-Stil und düsterer Atmosphäre

Silver and Blood schlägt optisch eine andere Richtung ein. Das Spiel setzt auf Gothic-Anime, Vampire, düstere Kulissen und eine stärker inszenierte Erzählung. Zwischen vielen sehr bunten Fantasy- und Sci-Fi-RPGs ist das ein erkennbarer Stilvorteil. Schon die Präsentation wirkt weniger generisch als bei vielen Titeln, die sich in Engelsflügeln, Leuchteffekten und überladenen Startbildschirmen verlieren.

Spielerisch bleibt Silver and Blood näher an bekannten Mobile-RPG-Strukturen. Es geht um Charaktere, Fähigkeiten, Teamaufbau und Fortschritt. Die besondere Stärke liegt daher weniger in einer komplett neuen Spielmechanik, sondern in der Atmosphäre. Wer Gothic-Ästhetik, Anime-Inszenierung und düstere Fantasy mag, sollte den Titel im Blick behalten.

Der Haken ist offensichtlich: Stil allein reicht nicht. Wenn Progression und Monetarisierung zu eng geführt werden, nutzt auch die schönste Präsentation wenig. Gerade bei Sammel-RPGs entscheidet sich der echte Wert nicht im ersten Kapitel, sondern nach mehreren Spielsessions, wenn Belohnungen langsamer werden und das System zeigt, wie stark es auf Geduld oder Geld setzt.

Monster Hunter Outlanders ist der wichtigste kommende Kandidat

Monster Hunter Outlanders ist noch kein fertiger Tipp für den App-Download, aber der wohl wichtigste kommende Titel dieser Auswahl. Das Spiel wird von TiMi Studio Group entwickelt und basiert offiziell auf Capcoms Monster Hunter-Lizenz. Geplant ist ein Mobile-Spiel mit offenen Gebieten, Koop-Jagden, Crafting, großen Monstern und Ausrüstungsfortschritt.

Die Grundlage passt erstaunlich gut zu Mobile. Monster Hunter lebt seit jeher von wiederholbaren Jagden, Materialsuche, Ausrüstung und dem Gefühl, nach jedem Kampf ein Stück besser vorbereitet zu sein. Genau diese Struktur funktioniert auf dem Smartphone grundsätzlich gut, wenn Missionen sinnvoll portioniert sind und die Steuerung nicht gegen das Spiel arbeitet.

Gleichzeitig ist Monster Hunter Outlanders der Titel, bei dem man am vorsichtigsten sein sollte. Mobile-Live-Service kann aus Jagd schnell Routine machen. Wenn zu viele Tagesaufgaben, zu viele künstliche Limits oder zu aggressive Monetarisierung eingebaut werden, verliert die Reihe ihren Kern. Deshalb bleibt Outlanders aktuell vor allem ein Vormerk-Titel. Sobald der globale Start näher rückt, lohnt sich ein genauer Blick.

Phantom Edge: Oath und Astral: New Fantasy wirken austauschbarer

Phantom Edge: Oath und Astral: New Fantasy sind ebenfalls auffindbar, wirken aber weniger stark als die wichtigsten Kandidaten dieser Auswahl. Beide bedienen bekannte Mobile-MMORPG-Muster: Fantasy-Welt, schnelle Progression, viele Effekte, Klassen, Bosse, Ausrüstung und regelmäßige Belohnungen.

Das muss nicht automatisch schlecht sein. Viele Spieler mögen genau diese Form von Fortschritt, weil sie schnell Erfolgserlebnisse liefert und sich gut nebenbei spielen lässt. Das Problem ist die Austauschbarkeit. Wenn ein RPG nach kurzer Zeit vor allem aus Autopathing, Upgrade-Ketten, täglichen Aufgaben und Menüs besteht, bleibt vom eigentlichen Rollenspiel wenig übrig.

Deshalb gehören diese Titel eher an den Rand der Auswahl. Sie können für Fans schneller Mobile-MMORPGs interessant sein, sind aber nicht die Spiele, die den Jahrgang 2026 besonders prägen. Dafür fehlt bislang ein klarer eigener Ansatz.

Mobile-RPGs werden größer, aber nicht automatisch besser

Die spannendsten Mobile-RPGs 2026 zeigen, wie breit das Genre inzwischen geworden ist. Neverness to Everness versucht sich an einer modernen offenen Stadt. The Seven Deadly Sins: Origin verbindet Anime-Lizenz und Open World. StarSavior setzt auf klassisches JRPG-Gefühl. HellGuard will manuelle Action statt Autoplay. Silver and Blood verkauft sich über Gothic-Stil und Atmosphäre. Monster Hunter Outlanders könnte einer der wichtigsten Mobile-Starts der nächsten Monate werden, ist aber noch nicht als fertiges Spiel zu bewerten.

Auffällig ist dabei, wie stark sich Mobile-RPGs von einfachen Smartphone-Spielen entfernen. Viele neue Titel denken größer, sehen teurer aus und erscheinen parallel auf mehreren Plattformen. Das macht sie interessanter, aber auch schwerer einzuordnen. Ein hübscher Start reicht nicht mehr. Entscheidend ist, ob Steuerung, Progression, Monetarisierung und Langzeitmotivation zusammenpassen.

Gerade bei Free-to-play-RPGs sollte man deshalb nicht nur auf Trailer, Lizenzen oder Store-Bilder achten. Die ersten Stunden zeigen meist nur den besten Teil. Spannend wird es danach: wenn Belohnungen langsamer kommen, Bosse härter werden, neue Figuren wichtiger erscheinen und das Spiel seine eigentliche Struktur offenlegt. Genau dort trennt sich 2026 wieder das gute Mobile-RPG vom nächsten schön verpackten Zeitfresser.

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