Als wir 2023 erstmals über die Zendure App geschrieben haben, lag sie im Google Play Store bei 2,7 Sternen. Damals war das bereits ein auffälliger Wert, weil die App bei einem Energiesystem keine Nebensache ist. Wer Zendure-Hardware nutzt, steuert darüber Speicher, Stromflüsse, Automatikfunktionen und Auswertungen. Die App ist damit ein zentraler Teil des Produkts. 2025 sah es kurz etwas besser aus. Die Bewertung war zwischenzeitlich auf 3,0 Sterne gestiegen, die Downloadzahlen wuchsen, Zendure baute neue Funktionen ein. Wir haben damals trotzdem gefragt, ob mehr Funktionen wirklich mehr Zufriedenheit bedeuten. Die Zendure App steht wieder bei 2,7 Sternen. Inzwischen bei über 100.000 Downloads und mehreren hundert Rezensionen. Das ist kein kleiner Randfall mehr. Die App ist sichtbar, die Nutzerbasis ist größer geworden, und unsere früheren Beiträge zu diesem Thema werden weiterhin gefunden, gelesen und als Orientierung genutzt. Genau deshalb schauen wir erneut hin.
Update vom 28. Juli 2026: Zendure hat nach Veröffentlichung des Beitrags auf unsere Anfrage reagiert. Das Unternehmen nimmt die Kritik an der App und an HEMS 2.0 nach eigener Aussage ernst, kündigt bessere Kommunikation bei größeren Updates an und nennt einen erweiterten benutzerdefinierten Modus, der derzeit für Ende 2026 geplant ist. Wir haben die Stellungnahme im unteren Teil des Artikels ergänzt und ordnen sie dort ein.
Die App bleibt der wunde Punkt im Zendure-System
Zendure verkauft technisch interessante Produkte. Balkonkraftwerke, Speicherlösungen, SolarFlow-Systeme, Smart-Home-Anbindung und Home Energy Management sind Themen, die viele Nutzer gerade sehr konkret beschäftigen. Der Markt wächst, die Erwartungen wachsen mit.
Umso auffälliger ist, dass die App-Bewertung wieder dort angekommen ist, wo sie schon 2023 stand. Drei Jahre später sollte man eigentlich erwarten, dass sich die Software stabilisiert hat. Stattdessen tauchen im Play Store weiterhin Beschwerden auf, die sehr grundsätzlich klingen.

Ein Nutzer schreibt etwa: „Super genervt!“ Ein anderer fordert: „GRUNDLAST Einstellung zurück“. Wieder jemand fasst seine Erfahrung mit „Nach Update Probleme“ zusammen. Besonders hart ist der Satz: „mit jedem Update schlechter.“
Das sind kurze Zitate, aber sie reichen, um die Stimmung zu verstehen. Es geht nicht nur um eine fehlende Komfortfunktion oder eine Geschmacksfrage beim Design. Viele Beschwerden betreffen Steuerung, Verbindung, Automatik, Verbrauchsdaten und Funktionen, die vorher offenbar anders genutzt werden konnten.
HEMS 2.0 sorgt nicht nur für Klarheit
Zendure beschreibt die App als Anwendung zur Verwaltung der Energieversorgung im Haushalt. Sie soll Smart-Geräte verbinden, historische Daten analysieren, automatisierte Strompläne ermöglichen und das System intelligenter machen. Auf dem Papier passt das zu einem modernen Energiesystem.
In den aktuellen Bewertungen wirkt HEMS 2.0 aber nicht für alle Nutzer wie ein Fortschritt. Es geht um veränderte Modi, eingeschränkte Einstellungen, Probleme mit Smart Plugs, fehlende Übersicht und Geräte, die nach Updates nicht mehr so arbeiten wie erwartet. Ein Nutzer nennt das Ergebnis „krasse Lebenszeit vergeudung“. Ein anderer schreibt: „User wird als Betatester mißbraucht.“
Solche Formulierungen sind hart. Man muss sie nicht eins zu eins übernehmen, um das Problem zu erkennen. Aber sie zeigen, wie viel Frust sich aufbaut, wenn ein System im Alltag nicht zuverlässig genug wirkt.
Bei einem smarten Energiesystem ist das besonders sensibel. Eine App für eine Wetterstation darf zicken. Eine App für Speicher, Grundlast, Einspeisung und Verbrauch sollte es möglichst nicht.
Gute Hardware hilft nur begrenzt, wenn die Software nervt
Das Spannende an Zendure ist: Die Kritik richtet sich nicht immer gegen die Hardware. Im Gegenteil. In vielen Diskussionen rund um Zendure entsteht eher der Eindruck, dass Nutzer die Geräte grundsätzlich interessant finden, aber mit der App hadern.
Genau das macht die Sache so unverständlich. Zendure hat Produkte in einem attraktiven Markt, eine wachsende Nutzerbasis und eine App, die für die Alltagserfahrung entscheidend ist. Trotzdem steht diese App 2026 wieder bei 2,7 Sternen.
Auf der IFA 2025 hatten wir erneut Kontakt mit Zendure. Unser Eindruck blieb: Die App-Kritik ist bekannt, aber von außen wirkt nicht klar, ob sie mit der nötigen Priorität behandelt wird. Das ist bewusst als Eindruck formuliert. Wir können nicht beurteilen, was intern entwickelt, getestet oder geplant wird. Wir sehen aber, was öffentlich sichtbar ist: Die Bewertung ist schwach, die Kritik ist konkret, und viele Nutzer beschreiben weiterhin Probleme nach Updates.
Updates müssen Vertrauen schaffen
Zendure veröffentlicht weiter neue Funktionen. Im aktuellen Play-Store-Eintrag werden unter anderem ZenWatts, ZenkiBot, Zenki-Modus und Verbesserungen der Benutzererfahrung genannt. Das klingt nach aktiver Entwicklung. Nur reicht Aktivität allein nicht.
Wenn Nutzer nach einem Update den Eindruck haben, dass Funktionen fehlen, Einstellungen anders arbeiten oder gewohnte Abläufe kaputtgehen, entsteht kein Vertrauen. Dann wirkt ein Update nicht wie Wartung, sondern wie Risiko. Genau dieser Eindruck zieht sich durch viele aktuelle Bewertungen.
Das ist für Zendure gefährlich. Wer sein Energiesystem eingerichtet hat, will nicht nach jedem größeren Update neu prüfen müssen, ob Grundlast, Automatik, Smart Meter, Shelly-Plugs oder Einspeisung noch so funktionieren wie vorher. Gerade Bestandskunden brauchen Stabilität und verständliche Änderungen.
Ein sauberer Changelog, bessere Dokumentation zu HEMS 2.0 und klarere Kommunikation bei Funktionsänderungen wären hier kein Luxus. Sie wären Basisarbeit.
Warum wir Zendure dazu angefragt haben
Wir haben Zendure zu diesem Stand kontaktiert und um eine Einordnung gebeten. Uns interessierte, warum die App nach mehreren Jahren weiterhin schwach bewertet wird, welche konkreten Verbesserungen geplant sind und wie Zendure mit der Kritik an HEMS 2.0, Grundlast-Einstellungen, Smart-Home-Anbindung und Update-Stabilität umgeht.
Denn die zentrale Frage bleibt: Wie kann ein Hersteller mit technisch spannender Hardware die App-Erfahrung über so lange Zeit so offen angreifbar lassen?
Das ist keine Nebensache. Bei Zendure entscheidet die Software darüber, ob das System im Alltag verständlich, steuerbar und zuverlässig wirkt. Wenn diese Software wieder bei 2,7 Sternen steht, sollte das intern mehr auslösen als nur das nächste Funktionsupdate.
2026 bleibt damit der gleiche Befund wie schon früher: Zendure hat interessante Hardware, aber die App bleibt der Schwachpunkt. Und je größer das Ökosystem wird, desto weniger kann man diesen Schwachpunkt ignorieren.
Anfrage an Zendure ging am 2.7.26 raus.
Update vom 28. Juli 2026: Zendure reagiert auf unsere Anfrage
Nach Veröffentlichung unseres Beitrags hat sich die für Zendure zuständige PR-Agentur bei uns gemeldet und eine Stellungnahme des Unternehmens übermittelt. Zendure schreibt darin, man verfolge die Bewertungen und Rezensionen im Google Play Store „sehr genau“. Die kritischeren Bewertungen nach dem Update auf HEMS 2.0 hätten gezeigt, dass man „die Nutzungsgewohnheiten und Bedürfnisse“ der Anwender bei der Weiterentwicklung stärker berücksichtigen müsse.
Das ist zumindest eine klare Einordnung. Zendure bestreitet die Kritik also nicht grundsätzlich, sondern verweist auf kurze Update-Zyklen, Community-Kommunikation und laufende Verbesserungen. Gleichzeitig argumentiert das Unternehmen, dass sich solche Verbesserungen in der Play-Store-Bewertung oft erst mit Verzögerung zeigen.
Interessant ist vor allem der Blick auf HEMS 2.0. Zendure sieht die stärkere Automatisierung des Energiemanagements offenbar weiterhin als richtigen Weg. Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass ein Teil der Nutzer mehr individuelle Kontrolle und weniger Automatisierung wünscht. Genau dieser Punkt taucht auch in vielen aktuellen Bewertungen auf: Nutzer wollen nicht, dass bewährte Einstellungen nach Updates verschwinden oder plötzlich anders funktionieren.
Konkret nennt Zendure einen erweiterten benutzerdefinierten Modus, der „noch mehr individuelle Anwendungsszenarien“ abdecken soll. Dieser ist laut Stellungnahme derzeit für Ende 2026 geplant. Das ist der wichtigste Punkt der Antwort, denn damit bestätigt Zendure indirekt, dass bei der aktuellen App-Nutzung offenbar noch Lücken bestehen.
Auch bei der Kommunikation will Zendure nachbessern. Die Einführung von HEMS 2.0 habe gezeigt, dass nicht nur funktionale Änderungen wichtig seien, sondern auch deren verständliche Erklärung. Künftige Updates sollen transparenter erläutern, welche Änderungen vorgenommen werden, warum sie notwendig sind und wie Nutzer neue oder angepasste Funktionen verwenden können.
Damit reagiert Zendure auf zentrale Kritikpunkte, löst sie aber noch nicht. Für Nutzer zählt am Ende nicht die Roadmap, sondern der Alltag mit der App. Wenn Grundlast, Smart-Home-Anbindung, Automatikmodi oder Geräteübersicht nach Updates als schlechter wahrgenommen werden, reicht ein Verweis auf langfristige Weiterentwicklung nicht aus.
Unser Zwischenstand nach der Stellungnahme bleibt daher: Zendure nimmt die Kritik erkennbar wahr und nennt konkrete Entwicklungsrichtungen. Wirklich belastbar wird das aber erst, wenn die angekündigten Verbesserungen in der App ankommen und Nutzer nicht mehr das Gefühl haben, dass größere Updates ihre bestehenden Setups durcheinanderbringen.
Ergänzung: Bei einer erneuten Prüfung der deutschen Google-Play-Ansicht zeigte die Zendure App inzwischen nur noch 1,8 Sterne. Damit hat sich die öffentliche Bewertung nach dem HEMS-2.0-Update weiter verschlechtert. Auffällig ist, dass aktuelle Rezensionen weiterhin genau jene Punkte nennen, die auch Zendure in der Stellungnahme adressiert: fehlende oder veränderte Grundlast-Funktionen, Probleme nach Updates, langsame App-Reaktionen und eingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten. Wir dokumentieren diesen Stand und prüfen in den kommenden Wochen erneut, ob die angekündigten Verbesserungen sichtbar Wirkung zeigen.



