OBI bewirbt auf Instagram derzeit ein Gerät, das einen Sommer ohne lästige Mückenstiche verspricht. Auf dem Tisch steht ein unscheinbarer schwarzer Kasten von Thermacell, der angeblich eine komplette Schutzzone rund um den Sitzplatz aufbauen soll. Mückenspray auf der Haut wäre damit überflüssig.
Das klingt zunächst nach einem weiteren fragwürdigen Anti-Mücken-Gadget. Thermacell arbeitet allerdings weder mit Ultraschall noch mit einer wirkungslosen Smartphone-App. Im Inneren steckt ein einfacher Verdampfer, der einen Abwehrstoff in der Umgebung verteilt. Ob das aktuelle Gerät genauso gut funktioniert wie ältere Thermacell-Produkte, lässt sich dennoch nicht pauschal beantworten. Der Hersteller hat den Wirkstoff seiner Plättchen für die Saison 2026 verändert.
Eine Gaskartusche erhitzt das Wirkstoffplättchen
Das bei OBI angebotene Thermacell Protect in Schwarz-Grün benötigt keinen Strom und keinen Akku. Eine kleine Butangaskartusche erzeugt Wärme und erhitzt ein blaues Wirkstoffplättchen an der Oberseite. Der freigesetzte Stoff soll sich rund um das Gerät verteilen und Mücken aus einem Bereich von bis zu 15 Quadratmetern fernhalten.
Ein Plättchen reicht laut Hersteller für bis zu vier Stunden. Die mitgelieferte Gaskartusche läuft ungefähr zwölf Stunden, weshalb das Starterpaket drei Wirkstoffplättchen enthält. Das Gerät kann zwischendurch ausgeschaltet und später weiterverwendet werden. OBI verlangt aktuell 49,99 Euro für das Set.
Die Technik ergibt grundsätzlich Sinn. Ein Wirkstoff wird kontrolliert in die Umgebungsluft abgegeben und bildet dort eine räumlich begrenzte Konzentration. Das System eignet sich damit vor allem für Situationen, in denen mehrere Personen längere Zeit an einem festen Platz sitzen.
Die neuen Plättchen arbeiten mit einem anderen Wirkstoff
Viele positive Thermacell-Erfahrungen im Internet stammen aus den vergangenen Jahren. Sie beziehen sich häufig auf Plättchen mit synthetischen Pyrethroid-Wirkstoffen. Diese beeinträchtigten Mücken beim Einflug in die behandelte Zone und waren bei Campern, Anglern und Gartenbesitzern entsprechend beliebt.

Die 2026 verkauften Plättchen verwenden eine neue PT19-Formel mit Citriodiol. Der Stoff wird aus dem Öl des Zitroneneukalyptus gewonnen und wirkt als Repellent: Er soll Mücken durch seinen Geruch beziehungsweise seine Wirkung auf deren Orientierung fernhalten. OBI beschreibt ausdrücklich einen leichten Eukalyptusduft und kennzeichnet die Nachfüllungen als Produkt mit neuem Wirkstoff.
Die Umstellung dürfte auch mit den seit Anfang 2025 geltenden deutschen Abgaberegeln für bestimmte Biozidprodukte zusammenhängen. Für betroffene Insektizide gelten ein Selbstbedienungsverbot und Vorgaben für ein Beratungsgespräch. Die neue Thermacell-Variante kann dagegen frei im Baumarkt und über übliche Onlineshops angeboten werden.
Für die Bewertung ergibt sich daraus ein Problem: Ein fünf Jahre alter Test kann die Konstruktion des Geräts erklären, sagt aber wenig über die Schutzwirkung der heute verkauften Plättchen aus.
Die aktuellen Erfahrungen fallen auffällig unterschiedlich aus
Das neue schwarz-grüne Thermacell Protect erreicht bei Amazon derzeit 4,0 von 5 Sternen aus 165 Bewertungen. Der Durchschnitt spricht gegen einen Totalausfall, zeigt aber auch kein Produkt, das jeden Nutzer überzeugt.
Ein ausführlicher Test von OutdoorMonster fällt sehr positiv aus. Dort wurde ein Thermacell Halo Mini mit derselben neuen Citriodiol-Formel vier Tage lang neben einem Maisfeld auf Fehmarn eingesetzt. Nach Darstellung des Testers verringerte sich die Zahl der Mücken rund um den Sitzbereich deutlich. Als Nachteile werden der wahrnehmbare Eukalyptusgeruch und die laufenden Kosten genannt.
VanlifeMag kommt zu einem fast gegenteiligen Ergebnis. Die Redaktion berichtet, dass die neuen Citriodiol-Plättchen an Flüssen und Seen erheblich schwächer gewirkt hätten als die frühere Thermacell-Formel. Bei hohem Mückendruck sei die aktuelle Version für den verlangten Preis nicht überzeugend gewesen.
Die beiden Praxiserfahrungen lassen sich kaum direkt vergleichen. Windstärke, Temperatur, Mückenart, Luftfeuchtigkeit, Aufstellort und Anzahl der Tiere verändern das Ergebnis. Beide Tests beruhen außerdem auf Beobachtungen im Freien und nicht auf einer kontrollierten Messung. Eine garantierte „mückenfreie Zone“ lässt sich daraus nicht ableiten.
Wind kann die Schutzzone schnell verschieben
Thermacell empfiehlt, das Gerät möglichst mittig im gewünschten Schutzbereich aufzustellen. Es soll frei stehen und nicht unter einem Tisch, Stuhl oder anderen Möbelstücken platziert werden. Der Hersteller weist selbst darauf hin, dass sich die Schutzzone bei starkem Wind nicht vollständig entwickeln kann.
Das ist der entscheidende technische Schwachpunkt aller räumlichen Verdampfer. Der Wirkstoff befindet sich in der Luft und wird durch Luftbewegung abtransportiert. Auf einem windgeschützten Balkon oder einer Terrasse kann sich eine relativ stabile Konzentration aufbauen. Auf einem offenen Campingplatz, am Seeufer oder während einer Wanderung wird die Wirkung unberechenbarer.
Auch die beworbenen 15 Quadratmeter sollten daher als Idealwert verstanden werden. In der Praxis dürfte der wirksame Bereich kleiner sein oder sich mit der Windrichtung verschieben.
Die Nachfüllpacks kosten mehr als das Gerät vermuten lässt
Das Starterset enthält Material für zwölf Betriebsstunden. Danach werden regelmäßig neue Gaskartuschen und Wirkstoffplättchen benötigt. Bei OBI kosten die aktuellen Nachfüllungen zum Stand vom 30. Juli 2026:
| Nachfüllpack | Preis | Kosten pro Stunde | Kosten für vier Stunden |
|---|---|---|---|
| 12 Stunden | 15,99 Euro | ca. 1,33 Euro | ca. 5,33 Euro |
| 48 Stunden | 46,99 Euro | ca. 0,98 Euro | ca. 3,92 Euro |
| 120 Stunden | 89,99 Euro | ca. 0,75 Euro | ca. 3,00 Euro |
Die größeren Pakete reduzieren den Stundenpreis, günstig wird der Betrieb dadurch noch nicht. Wer das Gerät an jedem Sommerabend vier Stunden laufen lässt, verbraucht Nachfüllmaterial im Wert von etwa drei bis fünf Euro pro Abend.
Damit eignet sich Thermacell eher für gezielte Einsätze als für einen dauerhaften Betrieb über die gesamte Saison. Der Anschaffungspreis ist nur ein Teil der tatsächlichen Kosten.
„Pflanzlich“ ersetzt die Sicherheitshinweise nicht
Thermacell und Händler stellen den aus Zitroneneukalyptus gewonnenen Wirkstoff stark in den Vordergrund. Daraus sollte keine allgemeine Unbedenklichkeit abgeleitet werden. Das aktuelle Produkt trägt die Biozid-Registriernummer N-117299 und muss laut Kennzeichnung vorsichtig verwendet werden.
OBI nennt unter anderem mögliche schwere Augenreizungen. Enthaltene Bestandteile wie Citronellal, Citronellol, Eukalyptol und Linalool können allergische Reaktionen auslösen. Dazu kommt die unter Druck stehende, extrem entzündbare Gaskartusche.
Das Gerät ist ausschließlich für den Außenbereich vorgesehen. Thermacell untersagt die Verwendung in Innenräumen und empfiehlt eine freie Aufstellung. Kinder sollten keinen Zugriff auf Kartuschen oder Wirkstoffplättchen haben.
Thermacell kann funktionieren, die Werbung verspricht zu viel
Das Thermacell Protect ist technisch plausibel und die aktuelle Citriodiol-Version scheint unter passenden Bedingungen Mücken spürbar fernhalten zu können. Besonders geeignet wirkt das System für einen festen, windgeschützten Sitzplatz auf Balkon, Terrasse oder Campingplatz.
Die Werbeformulierung eines komplett mückenfreien Sommers geht über das hinaus, was sich aus den vorhandenen Erfahrungen ableiten lässt. Die aktuellen Tests widersprechen sich deutlich, die Reichweite hängt stark vom Standort ab und die Nachfüllkosten summieren sich schnell. Ältere begeisterte Bewertungen sollten zudem auf den verwendeten Wirkstoff geprüft werden.
Wer das Gerät kauft, sollte deshalb keinen unsichtbaren Schutzschild erwarten. Realistischer ist eine Verringerung der anfliegenden Mücken in einem begrenzten Bereich. Bei starkem Mückendruck, Wind oder Reisen in Regionen mit durch Mücken übertragenen Krankheiten bleibt zusätzlicher Schutz durch geeignete Kleidung, Moskitonetze und zugelassene Hautrepellents sinnvoll.



