Wer heute seinen BahnBonus-Punktestand kontrolliert und dort 982, 996 oder 999 Punkte entdeckt, könnte nervös werden. Ab dem 1. August 2026 ändert die Deutsche Bahn die Freifahrten im BahnBonus-Programm. Die bisher recht einfache Rechnung – 1.000 Punkte für eine nationale Freifahrt in der 2. Klasse – verschwindet. Künftig verlangt die Bahn je nach Verbindung zwischen 750 und 2.000 Prämienpunkten.
Auf TikTok sorgt das am letzten Tag vor der Umstellung für erstaunlich viel Aktivität. Nutzer überlegen, noch schnell irgendein Ticket zu kaufen, einen Sitzplatz zu reservieren oder für ein paar Euro zum nächsten Bahnhof zu fahren, um die fehlenden Punkte bis zur magischen 1.000er-Marke zusammenzubekommen. Das klingt logisch, hat aber einen Haken: Bei normalen Fahrkarten kommen die BahnBonus-Punkte möglicherweise zu spät.
Ab 1. August kostet die Freifahrt zwischen 750 und 2.000 Punkten
Die Deutsche Bahn stellt ihre nationalen Freifahrten zum 1. August auf ein gestaffeltes System um. In der 2. Klasse kostet eine einfache Fahrt dann 750, 1.000, 1.250, 1.500, 1.750 oder maximal 2.000 Prämienpunkte. Für die 1. Klasse reicht die Spanne von 1.250 bis 2.500 Punkten.
Wie viele Punkte tatsächlich verlangt werden, richtet sich laut Bahn nach Verbindung, Buchungszeitpunkt und Nachfrage. Frühes Buchen, kürzere Strecken und Randzeiten sollen eher zu niedrigen Punktestufen führen. Die beiden höchsten Preisstufen bei nationalen Fahrten sind laut Bahn für Verbindungen vorgesehen, auf denen die bisherige 1.000-Punkte-Freifahrt gar nicht verfügbar war.
Damit ist die Änderung etwas differenzierter als die verkürzte Aussage, jede bisherige 1.000-Punkte-Fahrt könne plötzlich 2.000 Punkte kosten. Trotzdem verändert sich die Strategie hinter BahnBonus deutlich. Bisher konnte man seine 1.000 Punkte bewusst aufheben, bis eine regulär teure ICE-Fahrt anstand. Genau dieses Verhalten findet sich auch auffällig häufig in den Kommentaren unter aktuellen TikTok-Videos zur Änderung.
„Ich habe 983 Punkte“ – kurz vor der Umstellung wird gerechnet
Unter einem aktuellen Video zur BahnBonus-Änderung sammeln sich Kommentare wie „Hab 982“, „983“ oder besonders bitter: „996“. Andere Nutzer empfehlen daraufhin, noch irgendeine günstige Fahrkarte oder eine Sitzplatzreservierung zu kaufen.
Das Problem ist der Zeitpunkt der Gutschrift.
Bei Bahnfahrkarten schreibt die Deutsche Bahn die Punkte nach eigenen Angaben in der Regel drei Tage nach dem Kauf gut, frühestens jedoch am ersten Geltungstag der Fahrkarte. Wer am 31. Juli noch schnell ein günstiges Ticket für eine Fahrt im August kauft, bekommt seine Punkte damit nicht automatisch noch am selben Tag. Eine nachträgliche Punktegutschrift bietet die Bahn ebenfalls nicht an.
Der in den Kommentaren verbreitete Tipp, einfach irgendeine billige Fahrt zu buchen und gar nicht anzutreten, ist deshalb als Last-Minute-Methode zumindest heute keine verlässliche Lösung.
Ein fehlender Punkt lässt sich im ICE tatsächlich schneller bekommen
Interessanter wird es für Reisende, die sich ohnehin gerade in einem ICE oder IC mit Bordgastronomie befinden. Dort lassen sich seit 2024 ebenfalls BahnBonus-Prämienpunkte sammeln.
Die Regel ist ungewöhnlich günstig für alle, denen nur wenige Punkte fehlen: Es gibt einen Prämienpunkt je Euro Umsatz, einen Mindestumsatz gibt es nicht und Nachkommastellen werden auf den nächsten vollen Euro aufgerundet. Selbst ein Einkauf unter einem Euro kann dadurch einen Punkt bringen. Die Bahn weist außerdem darauf hin, dass die Verbuchung lediglich einige Minuten dauern kann. Voraussetzung ist die BahnBonus-App, über die beim Einkauf der QR-Code gescannt wird.
Der TikTok-Ratschlag, bei 999 Punkten noch schnell etwas Kleines im Bordbistro zu kaufen, ist damit ausgerechnet einer der sinnvolleren Kommentare. Für jemanden mit 982 Punkten hilft allerdings auch das nur, wenn er entsprechend viel kauft.
Die 1.000 Punkte waren gerade bei teuren Fahrten interessant
Warum reagieren einige Nutzer überhaupt so hektisch? Weil die bisherige Freifahrt einen ungewöhnlichen Vorteil hatte: Ihr Punktepreis war nicht direkt an den normalen Ticketpreis gekoppelt.
Eine nationale Freifahrt in der 2. Klasse kostete 1.000 Punkte. Wer diese für eine Verbindung eingesetzt hat, die regulär nur 25 oder 30 Euro kostete, bekam keinen besonders hohen Gegenwert. Bei einer kurzfristigen ICE-Verbindung für 100 Euro oder mehr sah die Rechnung ganz anders aus.
Genau deshalb schreiben Nutzer jetzt sinngemäß, sie hätten ihre Punkte bewusst für „eine teure Fahrt“ aufgehoben. Das war keine schlechte Strategie. Bei einem Ticketwert von beispielsweise 100 Euro entsprach eine Freifahrt für 1.000 Punkte rechnerisch zehn Cent je Punkt.
Zum Vergleich: Der BahnBonus-Gutschein für fünf Euro in der Bordgastronomie kostet 250 Punkte. Das entspricht zwei Cent pro Punkt.
Mit den dynamischen Punktestufen dürfte sich dieser extreme Gegenwert künftig seltener erreichen lassen. Welche Verbindung 750 und welche beispielsweise 1.500 Punkte kostet, lässt sich sinnvoll allerdings erst mit dem neuen System ab dem 1. August vergleichen.
750 Punkte klingen besser, müssen aber nicht automatisch ein besserer Deal sein
Die Deutsche Bahn hebt bei der Änderung verständlicherweise hervor, dass Freifahrten künftig bereits ab 750 Punkten möglich sind. Das kann tatsächlich attraktiv sein. Wer eine kurze Strecke frühzeitig oder in einer wenig gefragten Zeit bucht, braucht künftig eventuell 250 Punkte weniger als bisher.
Entscheidend ist dabei allerdings der normale Fahrpreis. Kostet eine Verbindung beispielsweise 15 Euro und verlangt die Bahn dafür 750 Punkte, liegt der rechnerische Gegenwert bei zwei Cent pro Punkt. Das ist ungefähr das Niveau des 5-Euro-Gutscheins für 250 Punkte.
Bei einem 80-Euro-Ticket für 1.000 Punkte wären es dagegen acht Cent pro Punkt. Deshalb sollte man ab August weniger auf die reine Anzahl der verlangten Punkte schauen und stärker darauf, welchen normalen Ticketpreis man damit ersetzt.
Die sinnvolle Rechnung lautet:
Ticketpreis geteilt durch benötigte Prämienpunkte = Gegenwert eines BahnBonus-Punkts.
Damit wird BahnBonus etwas komplizierter. Der Punktestand allein sagt künftig noch weniger darüber aus, was eine Freifahrt tatsächlich wert ist.
Reisegutscheine und Reservierungen werden nicht dynamisch
Die Umstellung betrifft auch nicht sämtliche BahnBonus-Prämien. Die Deutsche Bahn bestätigt ausdrücklich, dass sich bei Sitzplatzreservierungen, 1.-Klasse-Upgrades, Reisegutscheinen sowie Sach-, Partner- und Spendenprämien die benötigten Punkte durch diese Änderung nicht erhöhen.
Wer seine Punkte ohnehin hauptsächlich für Sitzplatzreservierungen verwendet, muss deshalb nicht hektisch reagieren. Das gleiche gilt für Nutzer einer BahnCard 100, für die eine zusätzliche Freifahrt innerhalb Deutschlands naturgemäß einen deutlich geringeren Nutzen hat.
Teurer werden allerdings die sogenannten Flex-Freifahrten. Eine einfache Flex-Freifahrt in der 2. Klasse steigt auf 2.500 Punkte, die Hin- und Rückfahrt auf 4.000 Punkte. In der 1. Klasse werden künftig 3.500 beziehungsweise 6.000 Punkte benötigt.
Auch Deutschland-Ticket-Nutzer können BahnBonus-Punkte sammeln
In den Kommentaren zeigt sich noch ein anderes Problem: Viele DB-Nutzer wissen offenbar gar nicht, dass sie Punkte besitzen oder wo diese zu finden sind.
Eine BahnCard ist für BahnBonus nicht erforderlich. Auch für ein Deutschland-Ticket können monatlich Prämien- und Statuspunkte gesammelt werden, sofern das Ticket über die Deutsche Bahn gekauft wurde, der Nutzer bei BahnBonus angemeldet ist und das Deutschland-Ticket mit demselben Kundenkonto verknüpft ist. Bei einem Deutschland-Ticket von einem anderen Verkehrsunternehmen oder Verkehrsverbund funktioniert diese Gutschrift dagegen nicht.
Den aktuellen Punktestand zeigt die BahnBonus-App, das Kundenkonto auf bahn.de und inzwischen auch der DB Navigator. Die Android-App des DB Navigator kommt aktuell auf mehr als 50 Millionen Downloads und eine Bewertung von 4,4 Sternen bei rund 325.000 Rezensionen. Die eigentliche Prämienwelt und bestimmte BahnBonus-Funktionen liegen allerdings weiterhin in der separaten BahnBonus-App.
Vor dem 1. August lohnt sich vor allem ein Blick auf den Punktestand
Wer bereits mindestens 1.000 Punkte besitzt und ohnehin in absehbarer Zeit eine teure Bahnreise plant, kann am 31. Juli noch prüfen, ob eine passende Freifahrt nach dem bisherigen Modell angeboten wird. Eine Reise nur deshalb zu erfinden, weil die Punkte vorhanden sind, ergibt dagegen wenig Sinn.
Bei 982 oder 996 Punkten ist die Lage schwieriger. Ein normaler Last-Minute-Ticketkauf garantiert keine rechtzeitige Gutschrift. Wer ohnehin im Fernverkehr unterwegs ist, kann fehlende einzelne Punkte über die Bordgastronomie deutlich schneller sammeln. Alle anderen können ihre Punkte einfach behalten: Sie werden durch die Umstellung am 1. August nicht gelöscht.
Prämienpunkte sind grundsätzlich drei Jahre gültig. Die Änderung betrifft den Preis der Freifahrt und nicht den bestehenden Punktestand.
Spannend wird deshalb erst der Blick in die BahnBonus-Buchung ab dem 1. August. Dann lässt sich erstmals konkret vergleichen, wie viele Punkte dieselben ICE-Verbindungen unter dem neuen System verlangen. Genau daran wird sich zeigen, ob die beworbenen Freifahrten ab 750 Punkten für normale Nutzer tatsächlich günstiger werden – oder ob vor allem die bisher besonders lukrativen Einlösungen für teure Fahrten verschwinden.



