Marvin Wildhage setzt seine Reihe über Kooperationen mit Gesundheits-Influencern fort. Nach der erfundenen Krankheit und dem sogenannten Nasophon entwickelte sein Team für den dritten Teil ein weiteres Fake-Produkt. Diesmal handelte es sich um eine selbst hergestellte Badebombe, die als medizinisch entwickeltes Produkt präsentiert wurde.

Während mehrere angefragte Creator oder deren Managements die Zusammenarbeit laut Wildhage ablehnten oder die erfundene Firma erkannten, wurde auf dem Instagram-Account medicineXcare tatsächlich eine Story zu dem Produkt veröffentlicht.

Das Video zeigt allerdings nur einen Ausschnitt des Ablaufs. Welche Absprachen es im Hintergrund gab, wie das Produkt geprüft wurde und ob für die Veröffentlichung bereits eine Vergütung gezahlt worden war, geht daraus nicht vollständig hervor.

Aus einer Badebombe wurde ein angebliches Medizinprodukt

Für das Experiment stellte Wildhages Team eine braune Badebombe her. Verwendet wurden nach seiner Darstellung unter anderem eine Badebombenmischung, Kakaopulver, Seifenfarbe und Xanthan.

Das Xanthan befand sich im Inneren der Kugel und sollte das Badewasser verdicken. Beim Test durch Wildhage entstand dadurch eine schleimige Masse.

Das Produkt wurde unter einem erfundenen Markennamen verschickt. Die Präsentation verband dabei Elemente eines Wellnessprodukts mit medizinisch klingenden Aussagen. Auf der Verpackung und der dazugehörigen Website wurde der Eindruck erweckt, hinter dem Produkt stehe ein professionelles Unternehmen.

Eine echte medizinische Entwicklung gab es nicht. Die Badebombe und die dazugehörigen Erklärungen waren Bestandteil des Experiments.

Die Geschichte hinter dem Produkt war frei erfunden

Auf der Website wurde eine Geschichte über japanische Affen, einen Forscher und eine besondere Pflanze erzählt. Aus dieser Pflanze sollte angeblich ein Bestandteil des Produkts gewonnen werden.

Auch der Name der Pflanze war erfunden. Er enthielt eine Anspielung auf den Namen Wildhage. Die angeblichen Gründer des Unternehmens sowie mehrere Bewertungen auf der Website waren ebenfalls nicht echt.

Zusätzlich platzierte das Team verschiedene Hinweise auf den Schwindel. Ein QR-Code auf der Verpackung führte beispielsweise zu einer Spotify-Playlist, deren Titel zusammengesetzt darauf hinweisen sollten, dass der Empfänger hereingelegt wird.

Wildhage hatte außerdem bereits mehrere Jahre zuvor einen Instagram-Account für die angebliche Marke angelegt. Dadurch konnte das Profil auf den ersten Blick älter und möglicherweise glaubwürdiger wirken.

Andere angefragte Creator sagten die Zusammenarbeit ab

Wildhage berichtet im Video auch von Anfragen, die nicht zu einer Veröffentlichung führten.

Ein angefragtes Duo aus Arzt und Apothekerin ließ sich das Produkt zunächst zusenden. Später erhielt Wildhage nach eigener Darstellung ein anwaltliches Schreiben, mit dem die Zusammenarbeit beendet wurde. Als Begründung wurde laut dem im Video gezeigten Text genannt, dass die Marke die Anforderungen an eine Vertragspartnerschaft nicht erfülle.

Ein weiteres Management reagierte mit einem selbst produzierten Video. Darin erklärte der Manager, die Anfrage geprüft und als unseriös erkannt zu haben.

Mehrere andere kontaktierte Personen antworteten Wildhage zufolge gar nicht.

Damit zeigt das Experiment unterschiedliche Reaktionen. Nicht alle angefragten Gesundheitscreator gingen auf die geplante Kooperation ein.

medicineXcare veröffentlichte eine Instagram-Story

Eine Zusage erhielt das Team laut Wildhage vom Management des Accounts medicineXcare. Der Account wird im Video als gemeinsames Profil einer Ärztin und einer Gesundheits- und Krankenpflegerin beschrieben.

Nach Wildhages Darstellung wies das Management während der Abstimmung darauf hin, dass keine Heilversprechen gemacht werden dürften. Gleichzeitig wurde die Badebombe offenbar als Wellness- und Selfcare-Produkt in eine Story eingebaut.

Im von Wildhage gezeigten Story-Ausschnitt wird das Paket ausgepackt. Die Sprecherin beschreibt den angeblichen Hersteller als Berliner Unternehmen für medizinische, handgemachte Badebomben.

Anschließend stellt sie die erfundene Geschichte über die besondere Pflanze vor. Dabei liest sie deren ungewöhnlichen Namen offenbar aus den bereitgestellten Informationen ab.

Die Badebombe wird danach in eine gefüllte Badewanne gegeben und ausprobiert.

Nach dem Bad folgt eine positive Empfehlung

Nach der Anwendung berichtet die Sprecherin in der Story, ihre Haut sei weich. Sie erklärt außerdem, keine zusätzliche Bodylotion zu benötigen.

Danach empfiehlt sie die Badebombe für einen Selfcare-Tag oder als Geschenk und fordert die Zuschauer auf, über den eingeblendeten Link bei der Marke vorbeizuschauen.

Damit unterscheidet sich dieser Fall vom zuvor gezeigten Nasophon-Clip. Bei Dima Kreis dokumentierte Wildhage zwar die Produktion eines Werbevideos, aber keine Veröffentlichung auf dessen eigenen Kanälen.

Die Story von medicineXcare wurde dagegen nach dem im Video dargestellten Ablauf tatsächlich auf Instagram ausgespielt.

Wie lange sie dort verfügbar war und wie viele Menschen sie gesehen haben, wird im Video nicht genannt.

Welche Prüfung vor der Veröffentlichung stattfand, bleibt offen

Aus dem Wildhage-Video lässt sich nicht erkennen, welche Informationen medicineXcare oder das beteiligte Management vorab überprüften.

Unklar bleibt beispielsweise, ob nach der angeblichen Firma, den dargestellten Gründern oder der beschriebenen Pflanze gesucht wurde. Auch ist nicht bekannt, welche Formulierungen genau aus einem Briefing stammten und welche Aussagen bei der Produktion der Story ergänzt wurden.

Die Badebombe kam nach Wildhages Darstellung zudem beschädigt bei den Empfängerinnen an. Ob dies zu Rückfragen führte, wird im Video nicht gezeigt.

Feststellen lässt sich anhand des veröffentlichten Materials lediglich, dass das Produkt zugeschickt, in einer Badewanne verwendet und anschließend in der Story positiv dargestellt wurde.

Eine Bezahlung wird im Video nicht belegt

Wildhage spricht in seinem Beitrag allgemein über Influencer-Werbung und mögliche Gagen. Eine konkrete Vergütung für medicineXcare nennt er jedoch nicht.

Es bleibt daher offen, ob bereits Geld gezahlt wurde, eine Bezahlung erst später vorgesehen war oder eine andere Vereinbarung bestand.

Auch zu den genauen Vertragsbedingungen zwischen der vermeintlichen Firma, dem Management und den Creatorinnen enthält das Video keine vollständigen Informationen.

Die Veröffentlichung der Story ist dokumentiert. Die finanziellen und organisatorischen Details der Zusammenarbeit sind es nicht.

Das Experiment zeigt vor allem fehlende Transparenz im Ablauf

Wildhages dritter Teil geht einen Schritt weiter als die vorherigen Experimente. Nicht nur ein Werbeclip wurde produziert, sondern die Inhalte wurden auf einem reichweitenstarken Gesundheitsaccount veröffentlicht.

Gleichzeitig bleiben wichtige Fragen unbeantwortet. Dazu gehören die Dauer der Prüfung, mögliche Vorgaben durch das Briefing, die Rolle des Managements und eine eventuelle Vergütung.

Ohne eine Stellungnahme der Beteiligten lässt sich der Ablauf deshalb nur aus der Perspektive des Wildhage-Videos beschreiben.

Das dort gezeigte Material belegt, dass eine vollständig erfundene Badebombe als vermeintliches Produkt vorgestellt, ausprobiert und den Followern empfohlen wurde. Wie es zu dieser Veröffentlichung kommen konnte, erklärt das Video nur teilweise.

Update vom 11. August 2026: medicineXcare hat sich inzwischen zu dem Vorgang geäußert. Nach der im neuen Video von Marvin Wildhage wiedergegebenen Stellungnahme ging der Account zum Zeitpunkt der Kooperation von einer realen Marke und zutreffenden Herstellerangaben aus. Gleichzeitig erklärte medicineXcare, die Kooperation besser hätte prüfen müssen. Die Reaktionen aller drei Beteiligten auf Wildhages Experimente haben wir in einem neuen Beitrag zusammengefasst.

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