Bei TikTok stehen im August 2026 mehrere Änderungen an, die über neue Filter oder kleinere Anpassungen in der App hinausgehen. Seit dem 2. August gelten in der EU neue Transparenzregeln für KI-generierte Inhalte. Gleichzeitig erhöht die Europäische Kommission den Druck auf TikTok beim Schutz minderjähriger Nutzer. Für Creator im TikTok Shop wird außerdem das neue Bewertungssystem wichtiger, bei dem Regelverstöße Punkte kosten und teilweise durch ein Quiz ausgeglichen werden können.

Die drei Themen betreffen unterschiedliche Nutzergruppen. Creator müssen genauer darauf achten, wann KI-Inhalte gekennzeichnet werden. Eltern sollten prüfen, wie sichtbar das Konto ihres Kindes tatsächlich ist. Wer Produkte über TikTok Shop bewirbt, muss zusätzlich den neuen Gesundheitswert seines Creator-Kontos im Blick behalten.

KI-Videos müssen seit August deutlicher gekennzeichnet werden

Am 2. August 2026 sind die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des europäischen AI Act in Kraft getreten. Die Regeln sollen dafür sorgen, dass Nutzer erkennen können, wenn Bilder, Videos oder Audiodateien künstlich erzeugt oder wesentlich mit KI verändert wurden.

Besonders relevant sind sogenannte Deepfakes. Damit sind Inhalte gemeint, die reale Personen, Orte, Gegenstände oder Ereignisse täuschend echt darstellen, obwohl das gezeigte Material künstlich erzeugt oder manipuliert wurde. Wer solche Inhalte veröffentlicht, muss deren künstlichen Ursprung sichtbar kenntlich machen. Anbieter generativer KI-Systeme müssen ihre Ausgaben außerdem mit maschinenlesbaren Informationen versehen, damit Plattformen und Prüfwerkzeuge KI-Inhalte leichter erkennen können.

Für bereits vor dem 2. August veröffentlichte Inhalte besteht keine rückwirkende Kennzeichnungspflicht. Eine begrenzte Übergangsfrist gibt es außerdem für bestimmte KI-Systeme, die bereits vor diesem Datum angeboten wurden. Die Pflicht zur sichtbaren Kennzeichnung neuer Deepfakes gilt grundsätzlich trotzdem seit dem 2. August.

TikTok selbst verlangt schon länger, dass realistisch wirkende KI-Inhalte gekennzeichnet werden. Creator können beim Veröffentlichen eines Videos den Hinweis für KI-generierte Inhalte aktivieren. Zusätzlich wertet TikTok sogenannte C2PA Content Credentials aus. Diese technischen Herkunftsinformationen können von Programmen und KI-Diensten in einer Datei hinterlegt werden.

TikTok testet außerdem unsichtbare Wasserzeichen. Diese sollen auch dann erhalten bleiben, wenn ein KI-Video heruntergeladen, neu geschnitten oder auf einer anderen Plattform erneut hochgeladen wurde. Nach Angaben des Unternehmens können solche Verfahren dabei helfen, Inhalte automatisch mit einem KI-Hinweis zu versehen.

Nicht jeder KI-Einsatz macht ein TikTok-Video zum Deepfake

Die neuen Regeln bedeuten nicht, dass jeder automatische Untertitel, jede Bildkorrektur oder jeder TikTok-Filter gekennzeichnet werden muss. Entscheidend ist, ob ein Inhalt künstlich erzeugt oder so verändert wurde, dass er für Betrachter fälschlich authentisch wirken kann.

Ein vollständig erzeugter Nachrichtensprecher, eine geklonte Stimme oder ein Video, in dem eine reale Person scheinbar etwas sagt, was sie nie gesagt hat, fällt klar in den relevanten Bereich. Das gilt ebenfalls für künstliche Aufnahmen angeblicher Unfälle, Demonstrationen, Naturkatastrophen oder politischer Ereignisse.

Bei gewöhnlichen Schönheitsfiltern, automatischer Helligkeitskorrektur, Untertiteln oder einer einfachen Hintergrundentfernung entsteht dagegen normalerweise kein täuschend echter Deepfake. Die genaue Grenze hängt vom Ergebnis ab. Ein Filter kann harmlos beginnen und trotzdem kennzeichnungspflichtig werden, wenn Gesicht, Stimme oder Handlung einer realen Person erheblich verändert werden.

Für satirische, künstlerische oder fiktionale Inhalte gibt es besondere Regeln. Auch dort muss der künstliche Charakter erkennbar bleiben, die Kennzeichnung darf allerdings so umgesetzt werden, dass sie das Werk nicht unnötig beeinträchtigt.

Creator sollten den TikTok-Schalter zur KI-Kennzeichnung daher aktivieren, sobald ein realistischer Inhalt vollständig erzeugt oder wesentlich manipuliert wurde. Das Label schützt nicht automatisch vor einer Löschung. Schädliche oder irreführende KI-Inhalte können weiterhin gegen die TikTok-Regeln verstoßen, selbst wenn sie korrekt gekennzeichnet wurden. TikTok nennt als Beispiel künstliche Inhalte, in denen öffentliche Personen angeblich Produkte unterstützen oder andere Menschen beleidigen.

Die EU hält TikToks Kinderkonten für unzureichend geschützt

Ein zweites großes Thema für TikTok im August ist der Jugendschutz. Die Europäische Kommission hat TikTok am 24. Juli vorläufig mitgeteilt, dass die Einstellungen für minderjährige Nutzer aus ihrer Sicht nicht den Anforderungen des Digital Services Act entsprechen.

Im Mittelpunkt stehen öffentliche Konten von Minderjährigen. TikTok erlaubt Jugendlichen, ihr Konto öffentlich zu schalten. Inhalte können dadurch teilweise auch von Personen angesehen werden, die gar kein TikTok-Konto besitzen. Videos von 16- und 17-Jährigen können außerdem über die Für-dich-Seite an beliebige Nutzer ausgespielt werden.

Die Kommission fordert strengere Voreinstellungen. Inhalte minderjähriger Nutzer sollen grundsätzlich nur für Personen sichtbar sein, die vom Jugendlichen selbst bestätigt wurden. Selbst ältere Minderjährige sollen ihre Videos nach Ansicht der Kommission nicht automatisch einem unbegrenzten Publikum außerhalb der Plattform zugänglich machen können. Die Behörde verlangt außerdem, dass Videos Minderjähriger nicht über die Für-dich-Seite an fremde Nutzer empfohlen werden.

Nach Berichten über die Untersuchung kritisiert die Kommission zusätzlich, dass selbst private Jugendkonten über Follower- und Gefolgt-Listen anderer Nutzer auffindbar sein können. Dadurch bleiben Nutzername, Profilbild und die Verbindung zu anderen Konten sichtbar, obwohl die veröffentlichten Videos geschützt sind.

Private TikTok-Konten sind nur teilweise unsichtbar

Ein privates Konto verhindert, dass Fremde ohne Zustimmung sämtliche Videos ansehen können. Es macht ein Profil jedoch nicht vollständig unsichtbar. Nutzername, Profilbild und einzelne Verbindungen zu anderen Konten können weiterhin Hinweise auf die Person geben.

Für Eltern reicht es deshalb nicht, lediglich zu prüfen, ob der Schalter „Privates Konto“ aktiviert ist. Auch die Einstellungen für Direktnachrichten, Kommentare, Erwähnungen, Downloads, Duette und Stitches sollten kontrolliert werden. Wichtig ist außerdem die Liste der bereits bestätigten Follower. Ein privates Konto hilft wenig, wenn dort unbekannte Personen akzeptiert wurden.

TikTok weist darauf hin, dass Konten Jugendlicher standardmäßig privat eingerichtet werden und mehr als 50 Schutz- und Privatsphäre-Funktionen für Teenager existieren. Die EU stellt diese Maßnahmen nicht grundsätzlich infrage. Sie hält die Voreinstellungen und die weiterhin mögliche öffentliche Reichweite jedoch für unzureichend.

Die Feststellungen der Kommission sind noch keine endgültige Entscheidung. TikTok kann Stellung nehmen und Änderungen vorschlagen. Bleibt die Kommission bei ihrer Bewertung, droht theoretisch eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Wahrscheinlicher ist zunächst, dass TikTok weitere Einschränkungen für öffentliche Jugendkonten einführt.

TikTok Shop bewertet Creator jetzt mit Punkten

Für TikTok-Shop-Creator gibt es inzwischen ein eigenes Bewertungssystem namens Creator Health Rating, kurz CHR. Der Wert zeigt an, wie regelkonform ein Creator Produkte bewirbt und ob Einschränkungen für das Konto drohen.

Neue Creator starten mit 200 Punkten. Regelverstöße können den Wert reduzieren. TikTok berücksichtigt dabei unter anderem verbotene Produktversprechen, irreführende Inhalte, nicht gekennzeichnete Werbung, künstlich erzeugte Bestellungen und wiederholt verwendete oder fremde Inhalte.

Der Gesundheitswert reicht theoretisch bis 1.000 Punkte. Ein Konto gilt ab 200 Punkten als gesund. Fällt der Wert auf 151 bis 199 Punkte, zeigt TikTok zunächst eine Warnung. Zwischen 101 und 150 Punkten können die Shop-Funktionen für drei Tage eingeschränkt werden. Bei niedrigeren Werten folgen Sperren von sieben oder 14 Tagen. Erreicht das Konto null Punkte, kann TikTok die Shop-Berechtigung dauerhaft entziehen.

Die Einschränkungen betreffen beispielsweise Produktlinks in Videos, TikTok-Shop-Livestreams, Affiliate-Kampagnen und den Zugriff auf bestimmte Aktionen. TikTok kann außerdem Produktverlinkungen entfernen, Inhalte löschen oder Auszahlungen vorübergehend einbehalten. Besonders streng behandelt werden laut Richtlinie unter anderem künstlich erzeugte Bestellungen und aufgezeichnete oder KI-generierte Videos, die als echte Livestreams dargestellt werden.

Mit einem Quiz können Creator Punkte zurückbekommen

Kurios wird das neue System beim sogenannten Creator Quiz. Hat ein Creator Punkte wegen eines Verstoßes verloren, kann TikTok ein Quiz zu den betroffenen Richtlinien anbieten. Es besteht aus drei bis fünf Fragen, bei denen sowohl einzelne als auch mehrere Antworten richtig sein können.

Wer alle Fragen korrekt beantwortet, erhält zehn Punkte für das Creator Health Rating. Das Quiz kann wiederholt werden, bis die volle Punktzahl erreicht wurde. Zusätzliche bestandene Versuche bringen anschließend keine weiteren Punkte. Pro Art des Verstoßes können innerhalb von 30 Tagen höchstens zehn Punkte verdient werden.

Der Zugriff erfolgt in der TikTok-App über das Profil, das Warenkorb-Symbol und das Creator Center des TikTok Shops. Dort befindet sich der Bereich „Creator Health Rating“ mit dem Punkt „Take Quizzes“. Alternativ kann das Quiz direkt über die Mitteilung zu einem Regelverstoß geöffnet werden.

Die Fragen stehen vom Tag des Verstoßes bis zum Ende des folgenden Monats zur Verfügung. Ein Quiz ersetzt keinen Einspruch. Creator können parallel gegen eine Entscheidung vorgehen und trotzdem am Quiz teilnehmen. Wird der Einspruch später akzeptiert, soll TikTok die eigentliche Strafe zurücknehmen; die zehn Quizpunkte dürfen laut Richtlinie trotzdem behalten werden.

Das wirkt etwas wie Nachsitzen mit Bonuspunkten, erfüllt aber einen nachvollziehbaren Zweck. TikTok will Creator dazu bringen, die Shop-Richtlinien tatsächlich zu lesen. Ob zehn Punkte eine relevante Hilfe sind, hängt vom Verstoß ab. Bei einem kleinen Abzug kann das Quiz den Gesundheitswert stabilisieren. Bei schweren oder wiederholten Verstößen reicht es kaum aus.

Was TikTok-Nutzer im August prüfen sollten

Für normale Nutzer ändert sich durch die neuen KI-Regeln zunächst wenig. Sie dürften künftig häufiger Hinweise auf künstlich erzeugte Videos sehen. Die Kennzeichnung sagt allerdings nur etwas über die Entstehung des Inhalts aus. Sie bestätigt weder die Wahrheit einer Aussage noch die Seriosität des Accounts.

Creator sollten vor dem Upload prüfen, ob ein realistischer Inhalt durch KI erzeugt oder wesentlich manipuliert wurde. In Zweifelsfällen ist das TikTok-Label sinnvoll, zumal TikTok Inhalte über technische Metadaten möglicherweise ohnehin automatisch erkennt.

Bei Kinderkonten bleibt die private Einstellung der wichtigste Ausgangspunkt. Danach müssen die bestätigten Follower und die einzelnen Interaktionsmöglichkeiten kontrolliert werden. Die EU-Untersuchung zeigt, dass „privat“ bei TikTok bislang keinen vollständig abgeschlossenen Raum beschreibt.

TikTok-Shop-Creator sollten ihren CHR-Wert regelmäßig öffnen. Wer einen Verstoß erhalten hat, kann prüfen, ob ein Creator Quiz verfügbar ist und bis wann es absolviert werden muss. Die Punkte verfallen nach 90 Tagen wieder, ebenso sollen viele Abzüge nach diesem Zeitraum zurückgesetzt werden.

TikTok wird im August stärker reguliert

Die aktuellen Entwicklungen greifen an drei Stellen in die Plattform ein. KI-Inhalte müssen transparenter werden, Jugendkonten stehen vor strengeren Voreinstellungen und kommerzielle Creator werden über ein Punktesystem kontrolliert.

Für TikTok entsteht daraus zusätzlicher Aufwand. Die Plattform muss KI-Kennzeichnungen technisch erkennen, den Schutz Minderjähriger gegenüber der EU nachbessern und gleichzeitig den schnell wachsenden TikTok Shop regelkonform halten. Für Nutzer werden die Veränderungen vor allem an neuen Hinweisen, restriktiveren Kontoeinstellungen und zusätzlichen Meldungen im Creator Center sichtbar.

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