Wir verfolgen René Dost alias ReDo schon eine ganze Weile. Als wir ihn im September 2024 erstmals ausführlicher vorgestellt haben, ging es noch um den Weg vom Currywurst-Truck zum XXL-Gastro-Star und um die Frage, wie ein Gastronom Social Media nutzen kann, um aus Restaurants, Foodtrucks und der eigenen Person eine Marke zu machen. Im vergangenen Jahr haben wir dann beim Foodtruck-Chaos mit „Praktikant“, Stromfrage und fliegendem Steak noch darüber geschrieben, wie selbstverständlich bei ReDo inzwischen Gastro und Content miteinander verschmelzen.
Inzwischen ist die Sache noch einmal ein paar Nummern größer geworden. René Redo hat eine enorme Community aufgebaut, seine Sprüche sind zu Memes geworden und aus dem Gastronomen ist längst ein Social-Media-Star geworden. Am Sonntag, dem 23. August 2026, zeigte sich auf dem Berliner Kurfürstendamm allerdings auch die andere Seite dieser Reichweite: Eine angekündigte Fahrt mit seinem Lamborghini zog zahlreiche Fans an, die Situation geriet außer Kontrolle – und am Ende wurde eine Zuschauerin verletzt.
ReDo kündigt Lamborghini-Fahrt über den Ku’damm an
René Dost hatte seine Fahrt zuvor über Social Media angekündigt. Am Sonntagnachmittag wollte er mit seinem neuen Lamborghini Revuelto mehrere Runden über den Kurfürstendamm drehen, anhalten und Fans treffen.
Der Aufruf funktionierte. Vielleicht sogar etwas zu gut.
Zahlreiche Zuschauer kamen zum Ku’damm, Smartphones gingen hoch, Menschen drängten sich um das auffällige Auto und teilweise auch auf die Fahrbahn. Aus einer eigentlich locker gedachten Social-Media-Aktion wurde damit ziemlich schnell eine Situation, die kaum noch kontrollierbar war. Schließlich war auch die Berliner Polizei vor Ort. Redo selbst bat die Beamten um Unterstützung, um mit dem Fahrzeug aus der Menschenmenge herauszukommen.
Und genau dabei kam es zum entscheidenden Zwischenfall.
Zuschauerin gerät mit dem Fuß unter Redos Lamborghini
Während sich der Lamborghini langsam durch die Menge bewegte, geriet eine Zuschauerin mit dem Fuß unter das Auto. Der Vorfall wurde durch die laufenden Kameras beziehungsweise die anschließend verbreiteten Aufnahmen dokumentiert.
Redo bemerkte den Unfall nach eigener Darstellung zunächst nicht. Erst ein Polizeibeamter informierte ihn darüber.
Der Beamte erklärte ihm, dass er einem Mädchen über den Fuß gefahren sei und sie verletzt worden sei. Deshalb müsse nun ein Verkehrsunfall aufgenommen werden. In diesem Zusammenhang sprach der Polizist auch von fahrlässiger Körperverletzung. Redo reagierte überrascht und sagte, dass er davon nichts mitbekommen habe.
Wie schwer die Zuschauerin verletzt wurde, war am Sonntagabend zunächst nicht bekannt.
Wichtig ist deshalb auch: Aus der Aussage des Beamten vor Ort sollte man noch keine endgültige juristische Bewertung ableiten. Der Unfall wurde aufgenommen; welche rechtlichen Folgen sich daraus ergeben, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.
„So etwas wird es auf jeden Fall nie wieder geben“
Später äußerte sich René Redo selbst zu dem Vorfall. Die Situation sei „komplett eskaliert“. Gleichzeitig bedankte er sich bei der Berliner Polizei für die Unterstützung und erklärte, dass er mit einem solchen Andrang offenbar nicht gerechnet habe.
Seine Konsequenz fiel deutlich aus: „So etwas wird es auf jeden Fall nie wieder geben.“
Das wirkt angesichts der Bilder nachvollziehbar. Denn auch wenn sich das Auto nur langsam bewegt: Ein Lamborghini mitten in einer dicht gedrängten Menschenmenge ist eben kein gewöhnliches Fantreffen mehr.
Wenn aus Followern plötzlich eine Menschenmenge wird
Und genau hier wird der Vorfall auch über den Unfall selbst hinaus interessant.
ReDo hat in den vergangenen zwei Jahren ziemlich eindrucksvoll gezeigt, was Social Media für einen Unternehmer leisten kann. Restaurants, Mitarbeiter, Foodtrucks, Luxusautos, Alltag, Probleme – fast alles wird zum Content. Gerade die direkte, wenig glattgebügelte Art ist ein wesentlicher Teil seines Erfolgs.
Doch Reichweite lässt sich nicht einfach vom Smartphone auf die Straße übertragen.
Ein Video mit dem sinngemäßen Aufruf „Ich fahre morgen über den Ku’damm, kommt vorbei“ ist online innerhalb weniger Sekunden veröffentlicht. Wenn aber tatsächlich Hunderte Menschen kommen, entsteht daraus faktisch eine Veranstaltung – ganz unabhängig davon, ob sie ursprünglich so geplant war.
Die Fans wollen möglichst nah heran. Jeder möchte ein Video aufnehmen. Einige wollen ins Bild. Andere möchten das Auto anfassen oder kurz mit Redo sprechen. Und plötzlich bewegt ein Fahrer ein über 1.000 PS starkes Fahrzeug durch eine Menge von Menschen, deren Bewegungen er unmöglich vollständig überblicken kann.
Dass daraus eine gefährliche Situation entstehen kann, zeigte sich am Sonntag sehr konkret.
Der Preis der eigenen Social-Media-Strategie
Das macht den Vorfall auch deshalb bemerkenswert, weil ReDo seine Reichweite keineswegs zufällig aufgebaut hat. Schon in unserem ersten Beitrag über René Dost im September 2024 war genau das ein zentrales Thema: Er hatte früh verstanden, dass Gastronomie heute nicht nur auf dem Teller stattfindet. TikTok, Instagram und später auch Livestreaming wurden immer stärker Teil seiner Marke.
Damals ging es noch um Zehntausende Follower und die Frage, ob daraus irgendwann 100.000 werden. Diese Marke wirkt heute fast niedlich.
Die Strategie ist aufgegangen. ReDo erreicht inzwischen ein Millionenpublikum. Seine Clips verbreiten sich weit über seine eigenen Kanäle hinaus, Sprüche wie „GIG – Gastro ist geil“ haben längst ein Eigenleben entwickelt und selbst Menschen, die noch nie in einem seiner Restaurants waren, kennen René Redo.
Doch genau damit verändert sich auch die Verantwortung.
Wer 50 Menschen zu einer spontanen Aktion mobilisieren kann, hat ein anderes Problem als jemand, bei dem potenziell Hunderte auftauchen. Ab einer bestimmten Reichweite reicht „kommt einfach vorbei“ möglicherweise nicht mehr.
Kein Grund für nachträgliche Besserwisserei
Natürlich lässt sich nach einem Unfall leicht sagen, dass man das alles hätte vorhersehen müssen. So einfach ist es vermutlich nicht.
Auch auf den Aufnahmen wird deutlich, dass sich die Situation dynamisch entwickelt hat. Die Menschen drängten auf die Straße, Redo wollte offenbar aus der Situation heraus und die Polizei half dabei. Dass er die Verletzung der Zuschauerin selbst zunächst nicht bemerkte, erscheint angesichts von Menschenmenge, Motor, Hupen und allgemeinem Lärm zumindest plausibel.
Das ändert nichts daran, dass jemand verletzt wurde.
Aber es macht einen Unterschied, ob man den Vorfall als billige „Influencer fährt Fan um“-Schlagzeile behandelt oder sich anschaut, warum eine eigentlich harmlose angekündigte Ausfahrt überhaupt an diesen Punkt gelangen konnte.
Vom Currywurst-Truck bis zum Lamborghini – und plötzlich wird Reichweite real
Als wir 2024 über René Dost geschrieben haben, lautete die Geschichte noch: vom Currywurst-Truck über XXL-Restaurants bis zum Gastro-Influencer. Es ging um einen Unternehmer, der ziemlich genau verstanden hatte, wie Aufmerksamkeit im Netz funktioniert.
Zwei Jahre später gehört zu dieser Geschichte offenbar ein neues Kapitel.
Social-Media-Reichweite besteht nicht nur aus Views, Likes und Followerzahlen. Manchmal stehen diese Follower plötzlich tatsächlich vor einem. Auf dem Kurfürstendamm. Mit Smartphones in der Hand. Rund um ein Auto.
Und spätestens dann ist Reichweite nicht mehr nur Marketing.
Dann ist sie Verantwortung.
Unseren ausführlichen Hintergrund zu René Dost findet ihr hier: René Dost: Vom Currywurst-Truck zum XXL-Gastro-Star
Außerdem: Foodtruck-King im Stress: „Praktikant“ sucht Strom, Klappe kracht, Steak fliegt



