„Warum nehmen die uns den ganzen Spaß?“ Die Frage klingt erstmal nach einem klassischen TikTok-Rant. Eine Nutzerin hat ihren Temu-Warenkorb gefüllt, landet ungefähr bei 60 Euro und freut sich über all den Kleinkram, den man vorher vermutlich gar nicht gesucht hatte. Dann geht es Richtung Bezahlung – und plötzlich stehen dort rund 90 Euro. Etwa 30 Euro zusätzlich, offenbar wegen Einfuhrgebühren. Ihre Reaktion: Warum soll sie jetzt bei Action, Tedi oder anderen Händlern deutlich mehr bezahlen, wenn vieles dort am Ende ebenfalls aus China stammt?
Unter dem Video sammeln sich inzwischen mehr als tausend Kommentare. Manche haben Temu gelöscht. Andere bestellen nur noch aus lokalen Lagern. Einige versuchen, möglichst viele Produkte derselben Kategorie zu kaufen, um die neuen Gebühren kleinzuhalten. Wieder andere machen daraus eine deutsche Steuererhöhung, geben Friedrich Merz die Schuld oder vermuten, Brüssel wolle einfach am Einkauf mitverdienen.
So chaotisch die Diskussion ist, sie trifft ziemlich genau den aktuellen Zustand von Temu. Die Plattform, die vor wenigen Jahren mit extrem niedrigen Preisen, Gratisaktionen, Glücksrädern und einem beinahe spielerischen Einkaufserlebnis nach Europa kam, befindet sich mitten in einem größeren Umbau.
Wir haben Temu zuletzt im Sommer 2025 ausführlicher betrachtet. Damals ging es um Fishland, Farmland und die erstaunlich große Community hinter den Temu-Minispielen, anschließend um Cashback- und Claim-Credit-Aktionen und schließlich um die Frage, wie fair einige der angeblichen Gratisangebote tatsächlich gestaltet sind.
Seitdem haben wir die Plattform ziemlich aus den Augen verloren. Ausgerechnet in dieser Zeit ist jedoch einiges passiert. Seit dem 1. Juli 2026 gelten neue EU-Zölle für Kleinsendungen, Temu wurde von der Europäischen Kommission mit 200 Millionen Euro sanktioniert, weitere Untersuchungen laufen, lokale Händler und europäische Lager spielen eine immer größere Rolle und selbst Temus Mutterkonzern PDD Holdings räumt inzwischen ein, dass sich das internationale Geschäft schwieriger entwickelt.
Zeit also für eine Bestandsaufnahme.
Die 3-Euro-Gebühr existiert wirklich – sie funktioniert nur anders als viele denken
Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der Europäischen Union eine neue vorübergehende Zollregel für Waren mit einem Wert unter 150 Euro, die aus Nicht-EU-Staaten eingeführt werden. Zuvor konnten solche Kleinsendungen grundsätzlich zollfrei in die EU gelangen.
Der neue Pauschalzoll beträgt 3 Euro pro Warenkategorie beziehungsweise Zolltarifposition innerhalb einer Sendung. Entscheidend ist dieser zweite Teil. Es werden nicht pauschal drei Euro auf einen kompletten Temu-Warenkorb aufgeschlagen. Die Gebühr kann mehrfach entstehen.
Die EU-Kommission erklärt das selbst mit einem einfachen Beispiel. Kaufst du fünf T-Shirts, die derselben Zolltarifposition zugeordnet werden, entstehen drei Euro Zoll. Kaufst du drei T-Shirts und zusätzlich eine Uhr, sind es bereits sechs Euro, weil zwei unterschiedliche Tarifpositionen im Paket stecken.
Damit wird auch das Beispiel aus dem TikTok nachvollziehbar. Wer bei Temu zehn vollkommen unterschiedliche Arten von Produkten in den Warenkorb legt und diese zehn verschiedenen Zolltarifpositionen zugeordnet werden, kann tatsächlich bei zusätzlichen 30 Euro landen.
Gerade Temu trifft diese Konstruktion ungewöhnlich hart. Ein typischer Einkauf auf der Plattform besteht oft aus Dingen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben: Handyhülle, Bastelmaterial, Deko, Küchenhelfer, Schmuck, Tasche, Werkzeug, Kabel und irgendein kleines Plastikteil, das der Algorithmus zwischendurch empfohlen hat.
Genau dieses Stöbern über verschiedenste Kategorien war ein zentraler Teil des Temu-Erlebnisses.
Warum 3 Euro bei einem 2-Euro-Produkt plötzlich riesig sind
Hinzu kommt ein mathematisches Problem, das bei der Diskussion um den neuen Zoll häufig untergeht. Ein fester Betrag wirkt bei extrem günstigen Produkten sehr viel stärker als ein prozentualer Zoll.
Bei einem Produkt für 100 Euro entsprechen drei Euro gerade einmal drei Prozent des Warenwerts. Kostet ein Artikel zwei Euro, sind drei Euro Zoll rechnerisch bereits 150 Prozent des Warenwerts.
Das trifft genau jene Artikel, mit denen Temu groß geworden ist. Der Reiz bestand oft darin, ein Produkt für 1,89 oder 3,49 Euro einfach noch in den Warenkorb zu legen. Bei vielen unterschiedlichen Billigartikeln kann sich die neue Abgabe deshalb erstaunlich schnell aufbauen.
Temu weist in seinen aktuellen Nutzungsbedingungen darauf hin, dass Preise in der EU grundsätzlich inklusive anwendbarer Mehrwertsteuer sowie gegebenenfalls anfallender zollbezogener Abgaben angezeigt werden sollen. Wo diese Kosten noch nicht enthalten sind, kann Temu beim Checkout eine Schätzung der Einfuhrgebühren verlangen und diese als Vorauszahlung einziehen. Liegt die tatsächliche Belastung später niedriger, soll die Differenz erstattet werden.
Deshalb taucht der Schock für viele Nutzer offenbar gerade dort auf, wo Temu lange besonders gut funktioniert hat: kurz vor dem Bestellen.
Deutschland hat Temu diesen Zoll nicht allein verpasst
In der Kommentarspalte wird die neue Abgabe teilweise Friedrich Merz, der Bundesregierung oder einem angeblichen zusätzlichen deutschen Zugriff auf den Einkauf zugeschrieben. Das stimmt so nicht.
Die Regel gilt EU-weit. Sie betrifft entsprechende Kleinsendungen aus Staaten außerhalb der Europäischen Union und wurde auf europäischer Ebene beschlossen. Österreichische, französische oder niederländische Kunden sind davon grundsätzlich ebenso betroffen.
Die offizielle Begründung ist ebenfalls breiter als eine zusätzliche Einnahmequelle. Die EU verweist auf Wettbewerbsverzerrungen, Betrug bei Zollangaben, Umweltbelastungen durch Milliarden einzelner Sendungen sowie Sicherheitsprobleme bei importierten Produkten.
Das Problem hat enorme Dimensionen erreicht. 2025 gelangten laut den für die Reform genannten Zahlen rund 5,8 Milliarden E-Commerce-Kleinsendungen in die EU. 2022 waren es noch etwa 1,4 Milliarden.
Die alte 150-Euro-Freigrenze war ursprünglich für eine vollkommen andere Größenordnung des Onlinehandels geschaffen worden.
Trotzdem trifft der Ärger vieler Temu-Kunden einen echten Punkt
Damit ist allerdings noch nicht beantwortet, ob die neue Regel beim Verbraucher als fair empfunden wird.
Die TikTok-Nutzerin formuliert einen Gedanken, der sich durch viele Kommentare zieht: Wenn ein Händler in Deutschland ebenfalls Ware aus China importiert und anschließend mit deutlichem Aufschlag verkauft, warum soll der Verbraucher diesen Zwischenhandel finanzieren, wenn er direkt bestellen kann?
So einfach funktioniert Handel natürlich nicht. Ein Händler innerhalb der EU trägt Lagerkosten, Personal, Retouren, Produkthaftung, Gewährleistung, regulatorische Pflichten, Steuern und weitere Kosten. Ein vermeintlich identisches Produkt kann außerdem aus unterschiedlichen Produktionschargen stammen oder andere Prüfungen durchlaufen haben.
Trotzdem existiert die Preiswahrnehmung. Nutzer berichten unter dem Video beispielsweise von Bettwäsche, Decken, Deko oder anderen Artikeln, die sie mit denselben Produktbildern bei Amazon oder im deutschen Handel zu deutlich höheren Preisen entdeckt hätten.
Das erklärt auch, warum der politische Plan nicht zwangsläufig zu dem Verhalten führt, das sich lokale Händler wünschen könnten.
Ein bemerkenswerter Kommentar lautet sinngemäß: Seit Temu teurer geworden ist, kaufe die Nutzerin dort weniger – im Geschäft kaufe sie deshalb trotzdem nicht. Sie spare jetzt einfach mehr Geld.
Das ist ökonomisch durchaus plausibel. Ein entfallener 4-Euro-Impulskauf bei Temu wird nicht automatisch zum 15-Euro-Kauf bei einem deutschen Händler.
Temu baut längst an einem Weg um das Direktimport-Modell herum
Interessant wird die Entwicklung deshalb bei den lokalen Lagern.
Schon vor der neuen Zollregel hatte Temu begonnen, sein europäisches Geschäftsmodell umzubauen. Über das sogenannte Local-to-Local-Modell können Händler innerhalb Europas ihre Waren direkt über Temu anbieten und aus europäischen beziehungsweise lokalen Beständen versenden.
DHL und Temu haben dafür bereits 2025 eine Zusammenarbeit angekündigt. Temu erklärte dabei, langfristig könnten bis zu 80 Prozent des europäischen Umsatzes über dieses Local-to-Local-Modell laufen.
Inzwischen können sich lokale Händler über Temus Seller Center anmelden, ihre eigenen Produkte einstellen und unterschiedliche Fulfillment-Modelle nutzen. Temus eigener DSA-Bericht zeigte bereits Ende 2025, dass das Onboarding lokaler Verkäufer in 25 von 27 EU-Mitgliedstaaten aktiviert war.
Damit verändert sich Temu schrittweise.
Die ursprüngliche Plattform funktionierte im Kern über extrem günstige Produkte, die direkt aus China zum europäischen Kunden geschickt wurden. Je stärker Waren bereits innerhalb der EU lagern oder von europäischen Händlern angeboten werden, desto ähnlicher wird Temu klassischen Marktplätzen wie Amazon, eBay oder Kaufland.
Das kann Lieferzeiten verkürzen und Zollprobleme für den einzelnen Käufer vermeiden. Die Ware muss natürlich trotzdem irgendwann in die EU eingeführt worden sein. Dieser Import erfolgt dann jedoch gesammelt und auf einer anderen Stufe der Lieferkette.
Genau deshalb ist der häufige Tipp unter dem TikTok, nach „lokalem Lager“ zu suchen, grundsätzlich nachvollziehbar.
Ob das Produkt dadurch weiterhin ähnlich billig bleibt, ist eine andere Frage.
Ausgerechnet die Gamification, über die wir 2025 geschrieben haben, beschäftigt inzwischen die EU
Unsere alten Temu-Beiträge wirken rückblickend interessanter, als damals abzusehen war.
Im Juli 2025 haben wir beschrieben, wie Nutzer Fishland und Farmland spielen, Einladungscodes tauschen und täglich zurückkehren, weil virtuelle Fortschrittsanzeigen irgendwann zu realen Produkten oder Gutscheinen führen sollen. In einem weiteren Beitrag ging es um Claim Credit und unterschiedliche Cashback-Systeme, die Nutzer regelrecht analysierten.
Genau diese Form der Gestaltung ist inzwischen Bestandteil europäischer Untersuchungen.
Die Europäische Kommission hatte bereits 2024 ein Verfahren nach dem Digital Services Act eröffnet. Dabei geht es ausdrücklich auch um die potenziell suchterzeugende Gestaltung von Temu, spielähnliche Belohnungsprogramme und die Frage, ob Temu daraus entstehende Risiken ausreichend begrenzt. Ebenfalls untersucht werden das Empfehlungssystem und die Transparenz der Plattform. Diese Teile des Verfahrens sind weiterhin offen.
Parallel dazu untersucht das europäische CPC-Verbraucherschutznetz konkrete Verkaufspraktiken. Genannt werden unter anderem falsche Rabatte, künstlicher Kaufdruck, problematische Gamification, unklare Angaben zu Rückgaben und Erstattungen sowie Fragen zur Echtheit von Bewertungen. Auch dieses Verfahren läuft weiter.
Damit wird aus den bunten Glücksrädern und täglichen Belohnungen inzwischen eine regulatorische Frage.
200 Millionen Euro Strafe wegen Risiken illegaler Produkte
Am 28. Mai 2026 folgte der bisher deutlichste Eingriff.
Die Europäische Kommission verhängte gegen Temu eine Geldbuße von 200 Millionen Euro nach dem Digital Services Act. Der Vorwurf betrifft die Risikobewertung der Plattform. Nach Ansicht der Kommission hatte Temu die Gefahr illegaler und nicht konformer Produkte auf dem eigenen Marktplatz erheblich unterschätzt und seine Bewertung zu stark auf allgemeine Daten zum E-Commerce gestützt.
Die Kommission stützte sich unter anderem auf Mystery-Shopping-Untersuchungen. Dabei fielen ausgewählte Ladegeräte bei grundlegenden Sicherheitsprüfungen durch. Bei Babyspielzeug wurden unter anderem zu hohe Konzentrationen bestimmter Chemikalien sowie Gefahren durch ablösbare Kleinteile festgestellt.
Temu hält die Höhe der Strafe für unverhältnismäßig und verweist darauf, dass sich die Entscheidung auf eine Risikobewertung aus dem Jahr 2024 bezieht und spätere Verbesserungen nicht ausreichend berücksichtige.
Interessant ist das Datum, an dem wir diesen Beitrag schreiben: 26. August 2026. Temu muss bis zum 28. August 2026 einen Aktionsplan bei der Kommission einreichen, in dem beschrieben wird, wie die festgestellten Mängel behoben werden sollen.
Die Auseinandersetzung ist damit keineswegs abgeschlossen.
Produktsicherheit bleibt ein handfestes Problem
Die Bedenken der EU sind auch außerhalb der Behördenverfahren dokumentiert.
Stiftung Warentest und Partnerorganisationen untersuchten 2025 insgesamt 162 Produkte von Temu und Shein, darunter Spielzeug, Schmuck und USB-Ladegeräte. 110 erfüllten die untersuchten EU-Sicherheitsanforderungen nicht. Rund ein Viertel der getesteten Produkte wurde als potenziell gefährlich eingestuft.
Im Mai 2026 berichtete Stiftung Warentest außerdem über vier bei Temu verkaufte Haushaltsgeräte, die wegen Sicherheitsproblemen zurückgerufen wurden: Haartrockner, Glätteisen, Bügeleisen und Eierkocher. Genannt wurden unter anderem Brand- und Stromschlagrisiken.
Das bedeutet nicht, dass jeder günstige Temu-Artikel gefährlich ist. Es zeigt allerdings, warum die Diskussion um Produktsicherheit mehr Substanz hat als die pauschale Aussage, Brüssel wolle lediglich billiges Shopping verhindern.
Gerade bei Ladegeräten, Spielzeug für Kleinkinder, Kosmetik, Schmuck oder anderen sicherheitsrelevanten Produkten spielt der Preis deshalb nur eine Rolle unter mehreren.
Der regulatorische Druck geht inzwischen noch weiter
Neben Verbraucherrecht und Digital Services Act läuft inzwischen noch eine weitere Auseinandersetzung.
Die Europäische Kommission wirft Temu seit Ende Juli 2026 vor, bei einer Untersuchung nach der EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen möglicherweise nicht ausreichend kooperiert zu haben. Hintergrund ist eine Inspektion der europäischen Temu-Zentrale in Dublin im Dezember 2025. Die Kommission untersucht dabei, ob mögliche staatliche Unterstützung aus einem Drittstaat den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren könnte. Temu weist den Vorwurf zurück.
Das Verfahren ist noch nicht entschieden. Es zeigt aber, wie sehr sich die Lage seit dem Start von Temu in Europa verändert hat.
2023 bestand die öffentliche Diskussion vor allem aus kuriosen Produkten, Lieferzeiten und absurd niedrigen Preisen. Heute beschäftigen sich Zollbehörden, Verbraucherschützer, Wettbewerbshüter und DSA-Aufseher gleichzeitig mit verschiedenen Teilen des Geschäftsmodells.
Und wirtschaftlich? Temu wächst nicht mehr in einem vollkommen unbeschwerten Umfeld
Temus Muttergesellschaft PDD Holdings veröffentlicht keine separaten vollständigen Umsatzzahlen für Temu. Deshalb sollte man vorsichtig sein, aus den Konzernzahlen direkt auf die Plattform zu schließen.
Die jüngsten Zahlen vom 24. August 2026 zeigen jedoch, dass auch auf Konzernebene der Druck steigt. PDD Holdings steigerte den Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 112,36 Milliarden Yuan. Der Nettogewinn sank gleichzeitig um zwölf Prozent auf 27,2 Milliarden Yuan. Die Umsatzerwartungen der Analysten wurden verfehlt.
Das Unternehmen verwies zugleich auf zunehmende Belastungen im internationalen Geschäft durch veränderte Zoll- und Handelsregeln.
Das passt zur Situation in Europa. Temu kann den neuen 3-Euro-Zoll teilweise über Preise, Rabatte, Händlerstrukturen oder Logistikmodelle auffangen. Kostenlos verschwindet diese Belastung trotzdem nicht.
Ist Temu also vorbei?
Danach sieht es nicht aus.
Die Plattform hat laut EU-Angaben weiterhin rund 75 Millionen durchschnittliche monatliche Nutzer in der Europäischen Union und gehört damit offiziell zu den sehr großen Online-Plattformen unter dem Digital Services Act.
Temu baut lokale Händlerstrukturen aus, arbeitet mit europäischen Logistikpartnern und versucht offensichtlich, einen größeren Teil seines Geschäfts aus der EU heraus abzuwickeln.
Was tatsächlich unter Druck gerät, ist das ursprüngliche Temu-Prinzip, das viele Nutzer überhaupt auf die Plattform gebracht hat: vollkommen ungeplant durch hunderte extrem billige Produkte stöbern, zehn unterschiedliche Dinge in den Warenkorb werfen und sich darüber freuen, dass die gesamte Bestellung trotzdem kaum etwas kostet.
Der neue Zoll trifft genau diese Einkaufsweise.
Dazu kommen regulatorische Anforderungen, Produktkontrollen und ein stärker lokalisiertes Marktplatzmodell. Je erfolgreicher Temu darauf reagiert, desto weniger dürfte die Plattform langfristig wie das Temu der ersten Jahre aussehen.
„Warum nehmen die uns den Spaß?“ ist deshalb gar keine schlechte Frage
Die Antwort lautet nur etwas komplizierter, als es TikTok-Kommentare vermuten lassen.
Niemand hat speziell für deutsche Temu-Kunden eine Strafgebühr erfunden. Die EU versucht ein Importmodell zu regulieren, das innerhalb weniger Jahre Milliarden zusätzlicher Kleinsendungen erzeugt hat und bei dem reale Probleme mit Wettbewerb, Zollkontrolle und Produktsicherheit aufgetreten sind.
Für Verbraucher hat die Maßnahme trotzdem eine sehr konkrete Folge. Ein Warenkorb mit vielen verschiedenen Billigartikeln kann heute erheblich teurer werden als noch im Juni.
Und ausgerechnet dadurch verändert sich der vielleicht wichtigste Teil der Temu-App: ihre Fähigkeit, Einkauf wie Unterhaltung wirken zu lassen.
Wir haben 2025 über Fishland, Claim Credit und Gratisaktionen geschrieben und dabei vor allem die psychologischen Mechanismen innerhalb der App betrachtet. Ein Jahr später kommt der stärkste Eingriff von außen. Für Temu beginnt damit eine Phase, in der die Plattform beweisen muss, ob ihr Geschäftsmodell auch funktioniert, wenn der Direktimport weniger billig ist, europäische Behörden genauer hinschauen und ein größerer Teil des Angebots über reguläre lokale Händlerstrukturen läuft.
Der nächste interessante Temu-Warenkorb ist deshalb vielleicht gar nicht der mit dem größten Rabatt. Interessanter ist inzwischen, woher die Ware kommt, welche Einfuhrgebühren tatsächlich entstehen und wie stark sich Temu gerade vom chinesischen Direktimporteur zum europäischen Marktplatz umbaut.



