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Im Check: livescribe Smartpen 3

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Hier Papier und ein Kugelschreiber, dort das Tablet oder Smartphone mit Bildschirmtastatur, Mails, Videos und so weiter. Zwei Welten prallen aufeinander, von welchen die jüngere Technik sich immer mehr durchzusetzen scheint. Zumal sich Apples dünnstes Tablet damals in der Werbung sogar mit einem Bleistift konkurrierte. In Computer- und Touch-Zeiten, in welchen sogar die Schreibschrift aus den Lehrplänen der Schulen verschwinden soll, ist es wohl notwendig, der Kulturtechnik unter die Arme zu greifen. Ein Tool hierfür stellt der Smartpen 3 von livescribe dar, welcher im Herbst 2013 vorgestellt wurde und seitdem softwareseitig immer wieder um weitere Funktionen erweitert wurde. So wurde kürzlich auf der CES 2015 auch die angekündigte App für Android vorgestellt. Das Gadget bringt bisher nur in Kombination mit der kostenfreien iOS-App geschriebene Worte und Zeichnungen sowie synchron einen Audiotrack als Pencast aufs iPhone oder iPad und den iPod. Ein Gerät, was die „Merkmale eines hochwertigen Kugelschreibers mit der Intelligenz mobiler digitaler Endgeräte“ verbinde, so livescribe. Ich habe ihn im Alltag getestet und bin begeistert.

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Geschäftsleute, Juristen, Ärzte, Journalisten, Pädagogen, Studenten und Schüler gehören zur Zielgruppe für dieses Gadget. Oder alle eben, die viel mit Worten arbeiten. Die breite Ansprache macht schon deutlich, dass es sich hier um ein sehr unkomplizertes Tool handelt, um Schrift zu digitalisieren. Der Smartpen 3 ist auf den ersten Blick nur ein eleganter Kugelschreiber: schwarz mit verchromten Designelementen. An seinem Ende hat er noch eine Gummikappe, sodass er als Touchpen fürs Display genutzt werden kann. Er liegt super gut in der Hand, man merkt, dass er eine verbesserte Version in einer Produktlinie darstellt. Doch das ist kein einfacher Kugelschreiber – neben der Wolframcarbid-Tintenpatrone ist in seiner Spitze auch eine Infrarot-Kamera versteckt unterbracht. In seinem recht schlanken und vor allem leichten Tubus ist zudem noch allerhand Elektronik inklusive ein Akku für 14 Stunden Nutzungsdauer verbaut. Dadurch kommt er auf nur um die 30 Gramm an Gewicht, was den Ersteindruck als „normaler Stift“ erklärt. Man erwartet hier nicht die Technik drin, um die eingangs erwähnten Funktionen zu realisieren und ist erstaunt, wie weit die Minitarisierung perfektioniert wurde.

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Kurzer Funktionsüberblick

Der Stift ist mit Bluetooth ausgestattet und kann theoretisch mit allen Tablets oder Smartphones gepairt werden, die Stand der Technik sind. Da er jedoch bisher nur mit einer iOS-App funktioniert, wird ein Apple-Gerät ab iOS7 mit Bluetooth Smart vorausgesetzt. Um ihn überhaupt nutzen zu können, benötigt man außerdem spezielle Notizbücher mit winzigen Punkten. Die Notizbuch-Serie von Moleskine unterstützt die Funktionalitäten der Livescribe Smartpens.

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Wer mit dem gepairten Stift und der aktivierten App aufs Papier schreibt, kann dies sofort auf dem Smartphone/Tablet sehen. Ebenso ist es möglich, bis zu 20.000 Seiten im Stift zwischenzuspeichern und erst später in die App zu übertragen. Die handschriftlichen Notizen können in digitalen Text umgewandelt werden. Auch Skizzen sind möglich. Zudem gibt es spezielle Textformate, wie Aufgaben, Kontakte, Termine und so weiter, welche direkt in die jeweilige App übernommen werden können. Schreibt man z.B. eine Adresse auf, so kann man sich diese auf der Karte anzeigen lassen und gleich eine Route planen. Die fertigen Dokumente lassen sich dann als PDF versenden oder archivieren. Evernote und OneNote unterstützen das Datenformat von livescribe. Audioaufnahmen werden nicht vom Stift gemacht, sondern vom gepairten Gerätemikro, was Energie/Gewicht spart und eine bessere Qualität garantiert.

livescribe Smartpen 3 – Wofür im Alltag nutzen?

„Finnische Schüler müssen ab Herbst 2016 keine Schreibschrift mehr lernen“ heiß es kürzlich in einem Bericht auf 3Sat. Der erste Schritt zur Abschaffung von Stift und Papier? Schreiben wir bald nur noch elektronisch? Eine gute Sache? Der Kulturhistoriker Thomas Macho hält dagegen und findet den Wahrnehmungsfluss einer geschriebenen Schrift mehr dem Denken angemessen als die Tasteneingabe, sie drücke mehr Persönlichkeit aus. Auch Psychologe und Autor Spitzer (Stichwort: Digitale Demenz) sieht die Entwicklung kritisch, da die Verarbeitungstiefe nicht gegeben sei beim Tablet und man sich Sachverhalte deshalb schlechter merken kann. Goethe habe deshalb z.B. über 2000 Handschriften von Mozart bis Napoleon gesammelt. Ein Plädoyer für mehr Handschrift in Bildung und Kunst also. Aber auch auf Messen, in Konferenzen und anderweitigen Vorträgen ist der Smartpen 3 ein nützlicher Begleiter für die Geschäftswelt.

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Ich habe den Stift bei mehreren Veranstaltungen genutzt, was extrem praktisch war. Einerseits lag der Text danach schon digital vor, anderseits konnte ich die Vorteile des „auf Papier schreibens“ wahrnehmen. Ich hatte nicht den Laptop vorm Gesicht und konnte dem Vortrag wie früher ungehindert von technischen Ablenkungen folgen. Auf die Audio-Aufnahme habe ich verzichtet, da ich es mir ohnehin nicht anhören würde. Das Feature dürfte gerade für Studenten jedoch extrem nützlich sein, da man sich Vorlesungen so nochmal und nochmal anhören kann und gleichzeitig seine Notizen hat. Was die OCR-Umwandlung von Handschrift in Maschinenschrift angeht, benötigt diese freilich ein etwas besseres Schriftbild. Hierbei kommt aber zugute, dass ich das Spezialpapier ohnehin nicht für sinnlose Notizen nutzen würde im alltäglichen Einsatz. Der Smartpen wirkt generell zwar sehr günstig vom Preis her, wenn man den Nutzen in Relation betrachtet, aber das geschlossene System aus Nachkaufminen und Papier lassen mich dann doch sparsamer werden.

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Die App selbst habe ich hierbei nur kurz als Durchgangsstation für die Texte genutzt. Was mich etwas stört, ist der „Registrierungszwang“ beim Start der App. Ich möchte nicht den Stift mit meinen Daten beim Hersteller eintragen und dann auch noch die Daten in der US-Cloud der großen Anbieter einstellen.

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livescribe Smartpen 3 Fazit und Kauf

Der Smartpen 3 liegt gut in der Hand, ist extrem einfach zu handhaben und ermöglicht ein reiches Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Klar, man muss ihn aufladen. Man sollte ihn ebensowenig liegen lassen und das Verbrauchsmaterial ist teurer als normales Büromaterial. Gerade für Studenten dürften die letzten Punkte noch zu kritisch sein. Wer jedoch direkt mit seinen Texten sein Geld verdient, dürfte den Nutzen noch höher schätzen. Insofern gefällt mir persönlich der Stift besser als der App-Papierscan mit Whitelines. Beim ersten Test fand ich es faszinierend, zu sehen, wie die Worte vom Papier synchron aufs Display des iPads wanderten.

Der Livescribe 3 Smartpen ist hier bei Amazon.de in zwei Varianten erhältlich. Die günstigere Variante kostet um die 150 Euro und im Lieferumfang sind ein Notizblock und eine Mine enthalten. Die etwa 200 Euro teure Pro Edition bietet zusätzlich eine Lederhülle für das gebundene Notizjournal mit 100 Blatt, ein Jahresabo für Evernote Premium sowie eine weitere Mine.

Update, Mai 2015: Der Livescribe 3 Smartpen ist ab sofort auch für Android-Smartphones und -Tablets einsetzbar. Die dazu nötige kostenlose App Livescribe+ steht hier in Google Play Store bereit.

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