Also pass auf, ich muss dir was erzählen.
Du kennst doch sicher Etsy, oder? Diese Plattform, auf der kreative Leute selbstgemachte Sachen verkaufen – Makramee-Blumenampeln, handgetöpfertes Katzenklo, Ohrringe mit echten Gänseblümchen drin … so das Feeling halt. Und jetzt stell dir vor, du findest exakt dasselbe Teil auf Temu – für ’n Bruchteil vom Preis.
Ja, genau das ist mir (bzw. Mia Maples auf YouTube) passiert. Und ich kann nicht mehr aufhören, drüber nachzudenken.
Erstmal tief durchatmen: Was hat sie überhaupt gemacht?
Mia – die ist so eine YouTuberin, die regelmäßig ihren Geldbeutel in Gefahr bringt, damit wir anderen nicht reinfallen – hat ein Experiment gestartet: Sie hat die gleichen Produkte bei Temu, Amazon und Etsy gekauft.
Ziel: Herausfinden, ob Etsy wirklich noch „handgemacht“ bedeutet – oder ob da einfach nur Zeug aus denselben chinesischen Fabriken verkauft wird, wie bei Temu. Spoiler: Es ist oft zweiteres. Argh!
Die Häkelpflanze, die alles ins Rollen brachte
Fangen wir locker an.
Ein kleiner gehäkelter Erdbeer-Hänger für den Rückspiegel – bei Temu: 3,40 CAD (also nix), bei Amazon: 16,99 $, bei Etsy: 27,43 $.
Klingt erstmal wie normale Preisstaffelung, oder? Aber! Alle drei Varianten sehen fast identisch aus. Gleiche Maschen, gleiche Form – nur bei Etsy hatte das Ding ein bisschen mehr Charakter (und weniger Neongrün).
Mias Verdacht: Etsy = kleines Handmade-Business. Temu und Amazon = Billigimport.
Ihr Fazit? Das Etsy-Teil ist wahrscheinlich echt gemacht – aber bei dem Preis? Kaum vorstellbar, dass da jemand fair bezahlt wurde. Ein Kommentar bringt’s auf den Punkt:
„Ich würde dieses Ding nicht mal für unter 35 $ häkeln.“ – @JustinaGerbrandt
YES. Same.
Die Keks-Spangen-Affäre – oder: „Warum kostet ein Haarclip plötzlich 6,66 €?“
Nächstes Drama: Haarclips in Keksform.
Ja, wirklich. Keks-Haarspangen. Wer’s mag.
Bei Temu: Set mit sechs Stück für 3,62 €.
Amazon: Das Gleiche für 11,89 €.
Und Etsy? Ein Clip für 6,66 € – Satan hat wohl auch einen Shop.
Mia fragt sich: Hat die Etsy-Verkäuferin einfach bei Temu eingekauft und dann frech einzeln weiterverkauft? Man weiß es nicht. Aber auffällig viele Ähnlichkeiten bei Farben, Form und sogar der Zahl der kleinen „Schokodots“ lassen vermuten: irgendwas ist faul im Staat Etsy.
Die Ente, die Licht macht – und Fragen aufwirft
Jetzt wird’s wild: Ein Nachtlicht in Entenform.
Temu: 10 €. Amazon: 21 €. Etsy: 41 €! Für eine Ente.
Und sie sieht auf allen Plattformen gleich aus. Nicht so „vielleicht bisschen anders“-gleich, sondern „du kannst sie nur anhand der Verpackung unterscheiden“-gleich.
Mia testet alle drei, alle leuchten. Nur bei der Etsy-Ente wechseln sogar die Farben. Fancy. Aber ehrlich: Wenn du für 41 € keine Farbwechsel bekommst, was dann?
Die Frage ist halt: Wer hat’s gebaut? Ein kleiner Handwerksbetrieb? Oder Alibaba auf Steroiden?
Vintage? Retro? Oder einfach nur „Alt aussehend“?
Bei Glasvasen mit Pilzform wird’s richtig shady.
Etsy schreibt „vintage aus den 60ern“ – das Gleiche gibt’s auf Temu für den Komplettsatz à 17 €.
Der Etsy-Shop hat praktischerweise exakt die gleichen Farben im Angebot wie das Temu-Set. Nur teurer. Und einzeln. Macht Sinn. Nicht.
In den Kommentaren melden sich Glasprofis zu Wort:
„Keins dieser Teile ist vintage. Wenn überhaupt: retro. Und das auch nur auf Wish-Niveau.“ – @kelliehastings
Ich: laut schnaubend ins Käffchen
Etsy – die einstige Bastelbude mutiert zur Mall?
Das ist der traurige Kern des Ganzen.
Etsy war mal der Platz für kreative Seelen mit Prittstift und Herz. Jetzt? Tummeln sich dort Verkäufer, die Zeug auf Temu oder AliExpress einkaufen und einfach teurer einstellen.
Teilweise mit den gleichen Produktfotos. Das ist wie wenn du bei Omas Marktstand ’ne Bio-Möhre kaufst – und es sich rausstellt, dass sie einfach beim Discounter war und die Schildchen getauscht hat.
Was sagt die Community?
Die Kommentare unter Mias Video brennen wie ein heißer Klebestift.
Hier ein paar Highlights:
- „Ich musste meinen Etsy-Shop schließen, weil ich nicht mehr gegen Dropshipping antreten konnte.“ – @poppyrendall847
- „Diese pinke Vase ist sowas von nicht vintage. Ich habe echte aus den 70ern – die sehen ganz anders aus.“ – @weirdofromspace2828
- „Wenn du auf Etsy was kaufst: immer Reverse Image Search machen. Du wärst schockiert.“ – @Dippedinsilver1974
Und jetzt? Was tun?
Okay, tief durchatmen. Das heißt nicht, dass alles auf Etsy fake ist. Aber du solltest vorsichtig sein – und kritisch. Hier ein paar Tipps, wie du Dropshipping-Schrott von echten Handmade-Schätzen unterscheidest:
- Bildersuche: Zieh das Produktbild durch Google oder TinyEye.
- „About“-Bereich lesen: Gibt’s Fotos vom Herstellungsprozess?
- Social Media checken: Echte Kreative zeigen, was sie tun.
- Misstrauisch bei Massenangeboten: 200 verschiedene „handgemachte“ Ketten? Hm …
- Material-Fragen stellen: Wer’s selbst gemacht hat, kennt seine Materialien.
Fazit: Dreimal das Gleiche, dreimal ein anderes Gefühl
Mia hat’s für uns durchgespielt. Am Ende lagen auf dem Tisch:
- Temu: Billig, ehrlich, Massenware
- Amazon: Okayisch, aber intransparent
- Etsy: Oft teuer – und manchmal nur Temu mit Schleifchen
Ich find’s krass. Echt. Etsy hat mich ein bisschen enttäuscht – aber gleichzeitig will ich auch nicht alle Shops über einen Kamm scheren.
Es gibt sie noch, die echten Künstlerinnen und Bastelhelden. Aber man muss sie inzwischen suchen wie Glitzer in einem Sandkasten voller Plastik.
Also sei wachsam beim Onlineshoppen. Oder geh mal wieder auf einen echten Markt. Da riecht’s nach Crêpes und man kann fragen: „Haben Sie das selbst gemacht?“ – und kriegt keine Antwort aus China.
Und du? Schon mal was gekauft, was sich später als billiger Fake entpuppte? Schreib mir – ich will alles wissen.
Ach ja, erinnert ihr euch noch an unseren Beitrag zum Shein-Vinted-Aufreger? Damals ging’s um eine TikTokerin, die sich „absolut gescammt“ fühlte, weil sie Shein-Ware als Einzelstück auf Vinted gekauft hatte – ohne Etikett, aber mit fettem Aufschlag. Diesmal ist Etsy dran. Und was soll ich sagen: Das Déjà-vu-Gefühl ist real.


