🧀 VEEZE berichtet auf TikTok über massiven Lieferausfall mit DHL – und trifft damit den Nerv der Zeit.
Wer unseren Beitrag „Fast 23.000 Beschwerden – aber DHL wiegelt weiter ab“ gelesen hat, weiß: Die Zustellprobleme sind kein Einzelfall mehr. Sie sind systemisch – und sie treffen nicht nur Endkund*innen. Sondern auch kleine Unternehmen. Mit voller Wucht.
Ein besonders drastisches Beispiel hat jetzt das vegane Start-up VEEZE auf TikTok öffentlich gemacht – in einem ehrlichen, aufwühlenden Video, das unter dem Titel „I demand an explanation“ erschienen ist (hier direkt ansehen).
Was passiert ist
VEEZE produziert vegane Käsealternativen – handgemacht, hochwertig, empfindlich. Die Produkte müssen gekühlt werden und werden deshalb mit Thermoboxen samt Kühlakkus versendet. Bis zu 48 Stunden soll die Temperatur gehalten werden – ein realistisches Zeitfenster, wenn der Versand zuverlässig klappt.
DHL versprach laut VEEZE eine Next-Day-Quote von 97 %. Also wagte man den Schritt – weg vom teureren, aber meist funktionierenden UPS hin zu DHL. Und was passierte?
Am Mittwoch waren von 203 Paketen gerade einmal 16 angekommen. Das entspricht einer Zustellquote von 7,8 % – nicht 97.
„Das kann uns ruinieren.“
In seinem Video macht VEEZE-Gründer deutlich, was auf dem Spiel steht: nicht nur Ware im Wert von knapp 10.000 €, sondern das Vertrauen der Community, das Ergebnis monatelanger Arbeit – und wirtschaftlich schlicht das Überleben.
Besonders bitter: Bei den versendeten Produkten handelte es sich um ein limitiertes Pride-Special, das extra zum Juni entwickelt wurde. Mit viel Aufwand, Liebe zum Detail – und null wirtschaftlichem Gewinnziel. „Ich wollte einfach ein Zeichen setzen“, sagt VEEZE.
Doch DHL sei weder erreichbar gewesen, noch habe es ein Eingeständnis gegeben. Stattdessen: Funkstille.
Passt ins Gesamtbild – leider
Was VEEZE erlebt hat, ist keine kuriose Ausnahme. Es reiht sich nahtlos ein in die Erfahrungen, die wir in den letzten Wochen auf Check-App dokumentiert haben:
- In „DHL verspricht Tempo, liefert aber Frust“ analysieren wir, wie das neue Postgesetz zwar nur Briefe betrifft – aber Pakete in Mitleidenschaft zieht.
- In „DHL-Probleme mit deinem Paket?“ zeigen wir anhand von TikTok-Kommentaren, dass selbst Zusteller am Limit sind – und das System insgesamt ächzt.
- Und der oben zitierte Artikel vom 21. Juli unterlegt das Ganze mit offiziellen Zahlen: fast 23.000 Beschwerden in sechs Monaten. Eine Verdreifachung gegenüber 2019.
Für kleine Unternehmen ist das ein Albtraum
Während Konzerne auf Expresslogistik und Puffer setzen können, trifft ein derartiger Versandausfall kleine Hersteller und Start-ups ins Mark. Denn für sie bedeutet ein einziger fehlgeschlagener Versandzyklus:
- Tausende Euro Warenverlust
- Unzufriedene Kundschaft
- Logistische Überforderung
- Imageschaden
Und das alles, weil ein Standardversand unter falschen Versprechungen gebucht wurde – und sich anschließend niemand zuständig fühlt.
Fazit: Es reicht nicht, nur Pakete zu zählen
DHL betont immer wieder, wie viele Milliarden Sendungen pro Jahr erfolgreich zugestellt werden. Aber es geht nicht um Masse, sondern um Verantwortung. Gerade gegenüber Unternehmen, die auf Planbarkeit angewiesen sind. Die keine eigenen Logistikflotten haben. Die von einer ehrlichen Beratung abhängen.
Der Fall VEEZE ist kein „Shitstorm“, sondern eine Fallstudie: Wie systemische Probleme bei DHL reale wirtschaftliche Existenzen gefährden. Und das sollte auch im Konzern endlich zur Kenntnis genommen werden – bevor das nächste Start-up nicht nur den Käse verliert, sondern gleich das ganze Business.



