Streik draußen, Stress drinnen
In Hannover, Braunschweig und Göttingen rollen die Lieferando-Fahrer gerade nicht – sie streiken. Hintergrund sind Entlassungen und Pläne, mehr Jobs ins Ausland zu verlagern. Während also draußen die Fahrer um ihre Arbeit kämpfen, sitzen drinnen die Kunden vor der App und kämpfen mit ganz anderen Problemen. Wer im August 2025 durch die Bewertungen blättert, merkt schnell: So richtig rund läuft es weder auf der Straße noch digital. Dies ist ein Folgebeitrag zu „Excuse me, wir haben 2025: Was wurde eigentlich aus den Nutzerbeschwerden zum Lieferando-Redesign?„, welcher uns zum mehrjährigen Experten von Lieferdienst-Apps mit extra Käse macht. Ohne Aufpreis.
Zahlen, die für sich sprechen
Im Zeitraum Februar bis Mitte August 2025 wurden 1223 neue Rezensionen abgegeben. Der Schnitt liegt aktuell bei nur 2,49 Sternen. Besonders auffällig: 616 mal wurde nur 1 Stern vergeben, lediglich 324 Nutzer gaben die vollen 5 Sterne. Das Bild ist also gespalten – Begeisterung auf der einen Seite, blanker Frust auf der anderen.

Warum die App so nervt
Viele Nutzer schreiben, dass die App früher einfach funktioniert hat. Bestellen, bezahlen, fertig. Heute ist es eher ein Glücksspiel:
- Mal lädt die App gar nicht.
- Mal sind wichtige Funktionen einfach verschwunden, wie die Favoritenlisten oder die Kartenansicht.
- Mal gibt’s plötzlich extra Gebühren, die vorher nicht da waren.
Einer schreibt zum Beispiel, dass er extra eine Favoritenliste für seine kranke Schwester angelegt hat, weil die nur bestimmte Gerichte essen kann. Nach dem Update war die Funktion einfach weg. Andere regen sich auf, dass Stempel nicht mehr gezählt werden, obwohl sie brav bestellt haben. Dazu kommt, dass bei vielen Bestellungen Stornos passieren – ohne klaren Grund. Das fühlt sich für Stammkunden an, als würde man ihnen den Teppich unter den Füßen wegziehen.
Treueprogramm? Eher Lotterie
Die Stempelkarten waren mal ein Grund, regelmäßig zu bestellen. Doch inzwischen berichten viele, dass Stempel einfach nicht gezählt werden. Da heißt es dann vom Support: „Bekannter Fehler.“ Oder die Karten sind plötzlich gar nicht mehr sichtbar, obwohl das Restaurant früher teilgenommen hat. Für die Nutzer ist das schlicht enttäuschend: Wer treu bleibt, fühlt sich betrogen.
Gutscheine und Stornos – alles nur Theater
Manche Nutzer erzählen, dass Gutscheine erst angeboten werden und dann beim Einlösen nicht funktionieren. Andere berichten von plötzlichen Stornierungen, bei denen weder Geld noch Essen pünktlich auftauchen. Ein Kommentar bringt es auf den Punkt: „Bieten erst einen Gutschein an, und wenn man den nutzt, wird die Bestellung storniert.“ Da fühlt man sich regelrecht veralbert.
Und die guten Stimmen?
Ja, es gibt sie noch. Einige loben gutes Essen, nette Fahrer oder die große Auswahl. Aber auffällig ist: Die positiven Kommentare drehen sich fast nie um die App selbst, sondern um die Restaurants. Das heißt: Das eigentliche Produkt – die Technik – überzeugt nur wenige.
Es ist nicht alles schlecht – aber das hilft wenig
Natürlich gibt es auch Leute, die zufrieden sind. Da geht’s dann meist ums Essen selbst: „Beste Pizza im Umkreis“ oder „Sehr nette Fahrer“. Klar, das ist schön – aber mit der App hat das wenig zu tun. Das Problem bleibt: Wenn die Technik hakt, bringt das beste Restaurant nichts, weil man gar nicht erst vernünftig bestellen kann.
Was das mit uns macht
Wenn man schon die Fahrer draußen im Regen streiken sieht und dann noch in der App ständig Fehler hat, fühlt man sich als Kunde ziemlich allein gelassen. Lieferando antwortet in den Bewertungen zwar oft freundlich, aber meistens heißt es nur „Wir wissen Bescheid“ oder „Das liegt am Restaurant“. Das hilft in der Praxis nicht wirklich. Viele schreiben inzwischen: „Ich bin es einfach leid.“
Fazit: Geduld am Ende
Halbes Jahr nach dem großen Redesign ist die Bilanz ernüchternd. Die App sieht zwar hübscher aus, aber das bringt nichts, wenn sie langsamer ist und man sich dauernd ärgert. Für die Kunden heißt das: Entweder durchklicken, hoffen, dass alles klappt – oder gleich selbst den Kochlöffel schwingen. Und für die Fahrer draußen? Die kämpfen gerade um ihre Jobs. Beide Seiten haben also gute Gründe, genervt zu sein.



