Wer o2 Prepaid nutzt, kennt das Gefühl: Datenvolumen alle, ab dann fast Stillstand. Bislang bedeutete die Weitersurfgarantie bei o2 ein Dahinschleichen mit 384 kbit/s. Auf dem Papier ein Wert, der irgendwie noch nach Internet klingt – in der Realität fühlte es sich an wie gefesselt.
Warum 384 kbit/s eine Zumutung war
Klar, Messanger-Textnachrichten kamen durch, auch mal ein Emoji, aber Bilder oder gar Videos? Auch schon bei einfachen Alltagsaufgaben wie Routenplanung mit Google Maps, Bilder zu Reviews etwa öffnen oder kurz eine Website checken, wurde es absurd langsam. Videos? Komplett ausgeschlossen. Selbst Musikstreaming war ein Glücksspiel, ständiges Stocken inklusive. Praktisch war die Drossel also nichts anderes als eine digitale Bremse, die dein Smartphone zur Deko degradiert hat.
Der Schritt nach vorn: 1 Mbit/s für alle
Zum 3. September 2025 zieht o2 die Grenze neu: Wer sein Datenvolumen verbrät, darf jetzt mit bis zu 1 Mbit/s weitersurfen. Klingt immer noch nicht nach Highspeed, ist aber ein echter Unterschied. Mit 1 Mbit/s laufen soziale Netzwerke wieder halbwegs flüssig, Fotos laden sichtbar schneller und sogar Videos in niedriger Auflösung sind möglich. Damit wird die Weitersurfgarantie erstmals zu dem, was sie eigentlich immer sein sollte: eine echte Notfall-Absicherung statt einer Internetattrappe.
Trotzdem: Warum erst jetzt?
Die meisten deutschen Mobilfunkanbieter haben ihre Prepaid-Kunden nach Verbrauch des Highspeed-Volumens bislang sehr stark gedrosselt – üblich waren Geschwindigkeiten von nur 32 bis 64 kbit/s, womit sich allenfalls noch Textnachrichten verschicken ließen. o2 bildete hier seit April 2023 eine Ausnahme, da dort die sogenannte Weitersurfgarantie mit 384 kbit/s deutlich schneller ausfiel als im Branchendurchschnitt. Andere Anbieter hatten zwar vereinzelt in Spezialtarifen höhere Limits vorgesehen – etwa die Telekom bei einzelnen Flatrate-Produkten, wo nach Kundenprotesten zeitweise 384 kbit/s oder 2 Mbit/s eingeräumt wurden –, doch eine dauerhaft und breit verfügbare Lösung oberhalb von 64 kbit/s war im Prepaid-Segment bis jetzt selten. Vor diesem Hintergrund ist die Anhebung bei o2 auf 1 Mbit/s ab September 2025 ein spürbarer Schritt, weil sie den bisherigen Alleinstellungscharakter von o2 im Vergleich zu den Wettbewerbern noch weiter verstärkt. Dass andere Anbieter ihre Prepaid-Kund:innen noch immer hängen lassen, wirkt wie ein schlechter Witz. Gerade weil mobiles Internet längst zu etwas gehört, das man überall und jederzeit braucht. Eine Navi-App, eine Arztbestellung, die Ticket-App für die Bahn – all das bricht mit Schneckentempo zusammen.
Fazit
Ja, die neue 1 Mbit/s-Drossel ist ein klarer Fortschritt und macht Prepaid bei o2 spürbar attraktiver. Aber sie zeigt auch, wie wenig ernst die Kundschaft vorher genommen wurde. Statt „Weitersurfgarantie“ hätte es ehrlicher „Weiterärger-Garantie“ heißen müssen. Gut, dass die Fesseln endlich gelockert werden – zu hoffen bleibt nur, dass o2 beim nächsten Schritt nicht wieder Jahre wartet.



