Seit Anfang August ist auf YouTube einiges durcheinandergeraten. Der bekannte deutsche IT-YouTuber The Morpheus veröffentlichte ein fast 22 Minuten langes Video mit dem Titel „Wie YouTube gerade seine Creator verscheucht“. Ich habe es nicht ganz angesehen, aber darin dokumentiert er einen Reichweiteneinbruch von rund 40 % auf seinem Kanal – und auch bei über 80 anderen Kanälen, die er geprüft hat, zeigen sich ähnliche Werte. Betroffen sind vor allem mittlere Creator, die weder im Millionenbereich unterwegs sind noch reine Hobbyprojekte betreiben.

Trends abgeschafft, Hype eingeführt

Zeitlich fällt das Phänomen mit einer offiziellen Änderung zusammen: YouTube hat Anfang August die Trend-Seite abgeschafft und durch die neue Hype-Funktion ersetzt. Über Hype können Nutzer kleineren Kanälen Punkte geben, die deren Videos in einem separaten Ranking nach oben schieben. Einschränkung: Nur Kanäle mit 500 bis 500.000 Abonnenten dürfen teilnehmen. Große Namen wie Julien Bam oder Terra X sind komplett ausgeschlossen. Damit fällt für viele etablierte Creator ein zusätzlicher Sichtbarkeitskanal weg. Ob genau dieser Schritt den Einbruch erklärt, ist jedoch umstritten.

Auffällige Muster in den Zahlen

Die Statistiken deuten laut The Morpheus klar darauf hin: Shorts laufen normal weiter, die Interaktion (Likes, Kommentare, Watchtime) ist stabil. Einbrüche gibt es fast ausschließlich bei klassischen Longform-Videos – und dort besonders auf Desktop-Geräten. Morpheus testete daraufhin, wie YouTube mit Aufrufen umgeht. Das Ergebnis: Nicht eingeloggte Views – also Aufrufe von Nutzern, die am PC ohne Account schauen – werden oft gar nicht gezählt oder verschwinden nach kurzer Zeit wieder, selbst wenn Werbung eingeblendet wurde.

Vermutung: Bot-Filter oder Fehler im System

Die Hypothese: YouTube versucht mit härteren Filtern, Bots auszusortieren. Diese generieren Klicks ohne Interaktion und verfälschen Statistiken. Doch offenbar geraten dabei auch echte Zuschauer unter die Räder, die ohne Login oder mit Adblockern unterwegs sind. Creator sehen das kritisch, weil dadurch nicht nur die Statistik leidet, sondern auch Sponsoring-Verträge, die direkt an Reichweite gekoppelt sind.

Stimmen aus der Community

Die Kommentarspalte unter Morpheus’ Video zeigt ein geteiltes Bild:

  • KI-Inhalte: Viele Nutzer beschweren sich, dass Suchergebnisse zunehmend von automatisch übersetzten oder vollsynthetischen Videos überflutet werden.
  • Startseite: Alte Videos, doppelte Shorts-Leisten und verschwundene Abo-Uploads nerven Premium- wie Gratisnutzer gleichermaßen.
  • Werbung: Häufig wird auf Scam-Spots hingewiesen, die Adblocker für viele unverzichtbar machen.
  • Creator-Berichte: Kleine Kanäle bestätigen Rückgänge von 30–60 %, obwohl die Like-Rate stabil bleibt.

Anspruch und Abhängigkeit

Deutlich wird vor allem eines: Viele Creator sehen YouTube als Geschäftsgrundlage und reagieren entsprechend empfindlich, wenn Zahlen einbrechen. Gleichzeitig zeigt das, wie abhängig mittlere Kanäle von den Mechanismen einer Plattform sind, auf die sie keinen Einfluss haben. YouTube selbst hat bislang keine klare Stellungnahme abgegeben. Dass die Werbeeinnahmen stabil bleiben, deutet darauf hin, dass Aufrufe nicht grundsätzlich verschwinden, sondern nur anders gezählt oder gefiltert werden. Interessant finde ich jedenfalls den Nebensatz, wonach er seinen AdBlocker für den Test deaktiviert habe. Überlegt euch mal: Ein Creator, der von YouTube-Einnahmen lebt, zeigt offen, dass er selbst Werbung blockt – während er gleichzeitig sinkende Einnahmen beklagt.

Was bleibt?

Für Nutzer ändert sich das Erlebnis vor allem durch mehr KI-Content und eine weniger verlässliche Startseite. Für Creator bleibt Unsicherheit, wie stark YouTube künftig filtert und ob die eigene Reichweite kalkulierbar bleibt. Ob es sich um einen Bug, eine bewusste Strategie oder nur eine Übergangsphase handelt, bleibt offen – die Welt dreht sich auch ohne YouTuber weiter.

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