Ryanair hat offiziell angekündigt, ab dem 12. November 2025 ausschließlich digitale Bordkarten zu akzeptieren. Damit fällt die gedruckte Variante endgültig weg. Begründet wird dieser Schritt damit, dass rund achtzig Prozent der Passagiere ohnehin längst ihr Smartphone für den Check-in nutzen würden. Man verweist auf schnellere Abläufe am Gate, eine vermeintlich bessere Nutzererfahrung und nicht zuletzt auf den Umweltaspekt. Doch so reibungslos, wie es die Airline darstellt, läuft es in der Realität nicht. Die Auswertung aktueller App-Bewertungen zeichnet ein zwiespältiges Bild, das Reisende ernst nehmen sollten, wenn sie sich auf die neue Regel einstellen.
Was die Nutzer wirklich erleben
Insgesamt haben wir 276 deutschsprachige App-Reviews untersucht, die zwischen April und Oktober 2025 veröffentlicht wurden. Das Ergebnis ist eindeutig: Während ein Teil der Nutzer die App als praktisch, übersichtlich und intuitiv beschreibt, berichten viele von gravierenden Schwierigkeiten. Ganze 94 Bewertungen vergaben nur einen Stern und schildern Probleme genau bei dem Vorgang, der bald alternativlos sein wird – beim Abruf der Bordkarte. Ein Nutzer schrieb beispielsweise: „Gaaanz tolle Erfahrung mit der App. auf einmal keine Bordkarte mehr verfügbar. Flug weg. Danke Ryanair.“ Solche Stimmen zeigen, dass es nicht um kleine Ärgernisse geht, sondern um Fälle, in denen Reisende ihren Flug verpassen.
Andere klagen über Fehler im Gruppen-Check-in, wie der Kommentar „Hallo, leider kommt bei Eingabe des 2. Passagiers beim Einchecken immer die Meldung ‚Fehler‘. Somit keine Bordkarte.“ Auch technische Probleme werden häufig erwähnt. Ein Nutzer berichtet: „Hoffe hier mal auf Hilfe. Nutze die App schon lange, aber seit dem letzten Update werden meine Flüge nicht mehr angezeigt. Keine Bordkarte möglich.“ Ebenso häufen sich Hinweise auf leere Bildschirme oder Abstürze: „App zeigt nur einen weißen Bildschirm, Bordkarte bleibt verschwunden“ oder „Mehrfach versucht, die Bordkarte zu speichern – die App stürzt jedes Mal ab.“ Die Liste ließe sich fortsetzen, doch schon diese Beispiele verdeutlichen, wie labil das System ist.
Dem gegenüber stehen immerhin 119 positive Bewertungen mit fünf Sternen. Diese beschreiben die App als schnell, unkompliziert und zuverlässig. So heißt es etwa: „App funktioniert fehlerfrei, ist übersichtlich und einfach.“ Oder auch: „Sehr übersichtlich und intuitiv zu bedienen. So macht Reisen Spaß.“ Diese Stimmen zeigen, dass die App durchaus ihren Zweck erfüllt – aber eben nicht bei allen. Es entsteht ein Bild der Extreme: Entweder läuft alles problemlos, oder es funktioniert überhaupt nicht. Genau dieses Schwarz-Weiß-Erlebnis macht die nun verpflichtende Nutzung riskant.
Digitale Pflicht mit Hintertürchen
Offiziell wird Ryanair keine Papierbordkarten mehr akzeptieren. Doch es gibt Ausnahmen, die zeigen, dass man sich der eigenen technischen Schwächen bewusst ist. Wer kein Smartphone besitzt, wessen Akku leer ist oder wer keinen Zugriff auf die App hat, kann am Schalter dennoch eine gedruckte Bordkarte bekommen – kostenlos, sofern der Online-Check-in vorher abgeschlossen wurde. Auch für Flüge ab Marokko bleibt Papier notwendig, da die Behörden dort weiterhin Bordkarten in physischer Form verlangen. Faktisch bedeutet das: Ganz abgeschafft wird das Papier nicht, es wird lediglich zur Notlösung erklärt.
Das Problem liegt in der Praxis
Die zentrale Schwachstelle ist nicht die Idee der Digitalisierung, sondern die Umsetzung. Schon jetzt berichten Nutzer regelmäßig, dass Bordkarten trotz abgeschlossenem Check-in nicht in der App auftauchen. Besonders brisant ist, dass die App in kritischen Momenten abstürzt oder einen leeren Bildschirm anzeigt. Genau das ist der Albtraum jedes Reisenden: am Gate zu stehen und plötzlich keine gültige Bordkarte vorweisen zu können. Die Airline verweist zwar darauf, dass man im Notfall am Schalter Hilfe bekommt, doch dieser Umweg kostet Zeit, verursacht Stress und ist alles andere als eine elegante Lösung.
Erfahrungswerte und Selbsthilfe
Wer sich auf die digitale Bordkarte einlässt, muss also vorbereitet sein. Viele Reisende haben bereits Strategien entwickelt, die sich in den Reviews widerspiegeln. Sobald die Bordkarte sichtbar ist, sichern Nutzer sie per Screenshot oder speichern sie in Apple Wallet oder Google Wallet. Das klingt banal, hat aber schon Flüge gerettet, denn Wallet-Apps sind oft stabiler als die Ryanair-App selbst. Manche raten sogar, die App regelmäßig zu deinstallieren und neu zu installieren, um Cache-Fehler zu vermeiden. Andere geben den Hinweis, niemals ohne Ladekabel oder Powerbank zu reisen, weil ein leerer Akku in dieser Konstellation sofort zum Problem wird.
Auch die Kommunikation mit dem Kundensupport ist ein wiederkehrendes Thema. Viele berichten von der Chatbot-Assistentin „Molli“, die in den meisten Fällen nicht weiterhilft. „Molli leitet mich nur weiter, hilft nicht bei technischen Problemen“, schreibt ein genervter Nutzer. Wer wirklich Unterstützung benötigt, sollte daher gleich nach einem Live-Mitarbeiter fragen, statt Zeit im automatisierten Dialog zu verlieren.
Fazit: Pflicht mit Unsicherheiten
Ryanair präsentiert die Umstellung auf digitale Bordkarten als logischen Schritt in eine moderne, umweltfreundliche Zukunft. Doch die Stimmen der Nutzer zeigen, dass es in der Realität oft hakt. Fast ein Drittel der aktuellen Bewertungen ist vernichtend, und die Kritik dreht sich fast immer um denselben Punkt: die Bordkarte verschwindet, stürzt ab oder ist nicht abrufbar. Das Risiko, ohne gültiges Ticket am Gate zu stehen, ist damit real.
Wer künftig mit Ryanair fliegt, muss mehr Eigeninitiative zeigen: rechtzeitig einchecken, die Bordkarte sofort sichern, Screenshots machen und für Akkureserven sorgen. Nur so lässt sich vermeiden, dass die digitale Pflicht zum persönlichen Desaster wird. Papier gibt es nur noch in Ausnahmefällen, und darauf sollte man sich nicht verlassen. Die Digitalisierung des Check-ins mag offiziell eine Erfolgsgeschichte sein, doch die vielen negativen Nutzerberichte beweisen: Für Reisende bleibt sie 2025 vor allem ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.




Ein Kommentar
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