Wiederentdeckt nach 10 Jahren, aber dennoch nur von kurzer Dauer. Eine Woche lang habe ich mich wieder hineingestürzt in Resources Game, den GPS-basierten Tycoon, der die reale Welt in ein gigantisches Minenfeld verwandelt. Vom globalen Rang 18.153 auf 15.095 – ein beachtlicher Sprung, auf den Papier jedenfalls. Doch hinter den Zahlen lauert eine bittere Wahrheit: 184 Förderanlagen später stehe ich nicht als Industriekapitän da, sondern als virtueller Insolvenzverwalter meiner eigenen Firma.
Ein Spiel zwischen Euphorie und Ernüchterung
Das Grundprinzip bleibt faszinierend: Smartphone zücken, Standort scannen, Rohstoffe aufspüren, abbauen, weiterverarbeiten. Beton, Ziegel, Öl – in der Theorie klingt das nach Fortschritt, in der Praxis nach endlosem Jonglieren mit sinkenden Margen. Während meine Arbeiter im Dauerstreik stecken und die Wartungskosten auf vier Milliarden hochschnellen, bleibt vom Tagesgeschäft fast nichts übrig. Im Kasino und durch Missionen sprudelt dagegen das Geld – ein Ungleichgewicht, das mehr an staatliche Subventionen erinnert als an freie Marktwirtschaft.
„Tolles Spielprinzip, aber die Balance killt irgendwann die Motivation“, denke ich. Aber genau diese Härte macht es realistisch. Wirtschaft ist kein Ponyhof. Beide Gedanken sind gerechtfertigt – und doch bleibt der fade Beigeschmack, dass der eine Spielmodus dem anderen die Luft abschnürt.
Von der Landkarte in die Kulturgeschichte
Resources Game ist im Kern eine europäische Spielidee, entwickelt von Bitzer aus Rorschach, und man merkt, dass hier kein Silicon-Valley-Glitzer am Werk war, sondern schweizer Bodenständigkeit. Während Niantic mit Pokémon Go Milliarden verdient hat, läuft dieses Nischenprojekt seit Jahren unbeirrt weiter – getragen von einer kleinen, treuen Community. Man könnte sagen: Das Spiel ist der „Tatortreiniger“ unter den Mobile Games – kein Massenspektakel, aber mit Kultstatus bei Eingeweihten.
Die GPS-Mechanik, bei der man tatsächlich Straßen überquert, um an „bessere Kohle“ zu kommen, verleiht dem Alltag eine merkwürdige Komik. Wer sonst erklärt seinem Mitmenschen: „Ich muss kurz rüber, die Qualität ist drüben besser“? Und wer einmal erlebt hat, wie Mitspieler im Level 100+ deine frisch gesetzte Mine einkreisen, versteht sofort die soziale Dynamik zwischen Raubtierkapitalismus und Kleingärtnermentalität.
Monetarisierung ohne Glitzer
Im Gegensatz zu Free-to-Play-Schwergewichten setzt Resources Game nie aggressiv auf Mikrotransaktionen. Klar, es gibt Premium-Features, doch wer zahlen will, kauft sich keine Abkürzung ins Paradies. Stattdessen bleibt das Geschäftsmodell beinahe stoisch fair – was zwar sympathisch, aber eben auch gnadenlos fordernd ist. Denn ohne Geduld und Bereitschaft, Wiesen, Parks und Straßenzüge abzulaufen, kommt man hier nicht weit.
Mein (erneuter) Ausstieg
Vielleicht ist es schlicht die Erkenntnis, dass die Konkurrenz zu stark, die Ressourcen zu wertlos und die Balance zu schief ist. Während andere längst als Rohstoffbarone im Highscore thronen, verliere ich die Lust, täglich Milliarden in Wartungen zu stecken und am Ende mit einem Minus aus der Schicht zu gehen.
Und doch bleibt dieser besondere Zauber: das Gefühl, die reale Welt sei ein Rohstofflager, in dem die nächste Wiese nicht nur Grünfläche, sondern potenziell Gold wert ist. Vielleicht kehre ich irgendwann wieder zurück. Bis dahin bleibt mir der trockene Kommentar eines Mitspielers im Kopf: „Wer Ressourcen farmt, farmt auch Geduld.“



