Viele Besitzer eines Samsung-Smartphones stolpern früher oder später über sie: upday. Die App klebt meist irgendwo zwischen Startbildschirm und Benachrichtigungsleiste, liefert Schlagzeilen, Promi-News und Fußballergebnisse – und lässt sich nicht ohne weiteres löschen. Kaum jemand hat sie bewusst installiert. Denn upday ist Teil einer Partnerschaft zwischen Samsung und Axel Springer, die schon 2015 geschlossen wurde. Ziel war es, eine eigene Nachrichtenplattform auf jedem Galaxy-Gerät zu platzieren – eine Mischung aus redaktioneller Auswahl und algorithmischem Feed, zugeschnitten auf europäische Nutzer.

Springer + Samsung: Ein Deal mit Reichweite

Springer wollte mit upday etwas Eigenes aufbauen, jenseits von „Bild“ und „Welt“. Samsung wiederum suchte nach einem Inhaltspartner, der die Geräte mit einem attraktiven Informationsdienst füllt. Geld floss dabei vermutlich reichlich, doch über Summen schweigen beide Seiten bis heute. Bekannt ist nur: Die App wurde ab 2016 auf Millionen Geräten in ganz Europa vorinstalliert und profitierte damit von einem gigantischen Startvorteil.

Laut offiziellen Angaben erreicht upday mittlerweile über 25 Millionen aktive Nutzer pro Monat in 35 Ländern. Das macht die App zu einem der größten Nachrichten-Aggregatoren Europas. Für Springer ist das nicht nur ein Prestige-Projekt, sondern auch eine Einnahmequelle – durch Werbung und Partnerlinks.

Kuratierte News trifft Algorithmus

Das Konzept klingt simpel: Ein Team aus Redakteuren in verschiedenen Ländern sichtet täglich tausende Quellen, wählt die wichtigsten Schlagzeilen und fasst sie kompakt zusammen. Dazu kommt ein personalisierter Bereich, der auf Leseverhalten und Interessen reagiert. So mischt sich Handarbeit mit maschinellem Lernen.

Der Nutzer soll schnell informiert sein – und im besten Fall öfter wiederkommen. Auf den ersten Blick erinnert das an Google News oder Apple News, nur eben mit europäischem Fokus und Springer-DNA.

Kritik: Bloatware, Klickköder, fehlende Kontrolle

Doch bei vielen Nutzern kommt die App schlecht an. In den Bewertungen im Play Store ist der Tenor klar: zu viel Werbung, zu viele Boulevard-Quellen, zu wenig Auswahlmöglichkeiten. Hinzu kommt die Tatsache, dass upday auf Samsung-Geräten als System-App läuft – also nicht einfach deinstallierbar ist. Für manche ist sie damit ein Symbol dafür, wie eng Hardware-Hersteller und Medienkonzerne inzwischen kooperieren.

Auch journalistisch ist das Produkt umstritten. Zwar betont Springer, alle Quellen würden geprüft, doch in der Praxis mischen sich seriöse Medien mit leichter Kost. Das Ergebnis: eine Schlagzeilen-App, die Aufmerksamkeit verkauft, aber nicht unbedingt Tiefe liefert.

Wirtschaftlich ein Erfolg – mit Fragezeichen

Finanziell scheint sich der Deal zumindest zeitweise gelohnt zu haben. Bereits 2019 meldete Springer, upday sei profitabel. Das Unternehmen sprach von steigenden Werbeumsätzen und einer Verdreifachung der Erlöse innerhalb eines Jahres. Doch die Euphorie flaute ab. 2023 wurde bekannt, dass das Berliner Team verkleinert wurde, nachdem die Werbemärkte schwächelten.

Springer selbst schweigt über konkrete Zahlen, doch der Trend ist klar: upday hat Reichweite, aber das Geschäftsmodell hängt am Tropf des Anzeigenmarkts – und der schwankt stark.

Was du tun kannst – und was nicht

Wer die App nicht mag, kann sie immerhin einschränken. In den Einstellungen lässt sich upday deaktivieren oder stumm schalten. Wer sie nutzt, bekommt dafür eine schnelle Übersicht über Nachrichten aus Politik, Kultur, Sport und Boulevard. Eine Anmeldung ist nicht nötig, Tracking-Angaben sind laut Entwickler minimal.

Alternativen gibt es reichlich: Google News bietet deutlich feinere Filter, Feedly erlaubt den Aufbau eigener Quellenlisten, und mit Apps wie Startpage News oder Inoreader behältst du die Kontrolle über das, was du liest.

Fazit

Upday ist ein typisches Produkt seiner Zeit – ein Hybrid aus Journalismus, Algorithmus und Konzernlogik. Für Samsung ist es ein Feature, für Springer ein digitales Standbein, für viele Nutzer einfach Bloatware. Erfolgreich? Ja, in Zahlen. Sympathisch? Das ist eine andere Geschichte.

Teile den Beitrag:

Alle Beiträge kennzeichnen wir hiermit als Werbung. Die Werbekennzeichnung erfolgt, da Marken von Hard- und Software genannt werden. Oftmals werden App-Codes zur Verfügung gestellt sowie Gadgets zum Test. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Zudem gehen wir Contentpartnerschaften oder Kooperationen ein. Hilf uns, indem du mit diesem Amazon-Link einkaufst! Lade dir unsere kostenlosen Quiz-Spiele hier herunter!

Hinterlasse eine Antwort