Wir hatten das Thema eigentlich schon sauber abgehandelt: In unserem ersten Artikel („Wie viel darf man auf Vinted verkaufen, bevor das Finanzamt zum Opp wird?“) haben wir alle Grundlagen zur 2.000-Euro-Grenze, den 30 Verkäufen und der DAC7-Meldung erklärt. Doch jetzt poppt bei vielen Nutzer*innen etwas Neues auf – wortwörtlich.
Ein Popup, das nach der Steuer-ID fragt. Und eine TikTokerin, die ziemlich klar ausspricht, was gerade viele fühlen: „Was will Vinted eigentlich alles von mir?“
Zeit für ein Update. Und Zeit für einen kleinen „State of Vinted“, den wir schon länger nicht mehr gemacht haben.
Warum plötzlich dieses Steuer-Popup?
Kurz gesagt: Es ist keine Schikane. Es ist Gesetz.
Viele Plattformen spielen jetzt aktiv die DAC7-Regeln aus – auch Vinted. Wenn du im Kalenderjahr mehr als 30 Verkäufe oder über 2.000 Euro Umsatz erreichst, muss Vinted deine Daten melden. Das umfasst:
- Name
- Adresse
- Anzahl der Verkäufe
- erzielte Umsätze
- Gebühren
- und – wenn hinterlegt – deine Steuer-ID
Das Popup erscheint, sobald Vinted der Meinung ist, dass du in diese Meldepflicht reinrutschen könntest.
Und ja: Es wirkt nervig. Und ja: Es trifft auch Leute, die komplett privat unterwegs sind.
Aber: Das Finanzamt will damit nicht deine alte Zara-Jeans versteuern. Es will Wiederverkäufer erwischen – also Accounts, die mit Absicht einkaufen, um danach Gewinn zu machen.
Das Problem: Vinted erklärt nicht, ab wann gezählt wird
Die TikTokerin fragt völlig zurecht:
„Ich hab seit einem Monat nichts verkauft. Woher kommen die 30 Artikel?“
Gute Frage.
Der Stand aktuell (so wie Vinted es selbst beschreibt):
- gezählt wird über das gesamte Kalenderjahr,
- unabhängig davon, wie alt dein Account ist,
- und unabhängig davon, ob du zwischendurch Pausen machst.
Das heißt:
Hast du im Januar viel verkauft und im April nichts mehr, zählt das trotzdem.
Das Popup basiert auf diesen Summen – allerdings zeigt Vinted sie dir nicht transparent an. Genau das macht viele Nutzer*innen gerade kirre.
Was die TikTokerin sonst noch sagt – und warum das viele genauso empfinden
Ihr Video ist nicht nur wegen der Steuer-Frage viral.
Sie spricht gleich mehrere Baustellen an, die viele Vinted-User schon länger bemängeln:
1. Die Reichweite ist im Keller
„Ich lade etwas hoch, und es hat nach Tagen nur 10 Views.“
Das hören wir seit Monaten. Der Algorithmus wurde umgestellt, stärker internationalisiert, Filter sortieren enger. Ergebnis: viele Listings hängen fest.
2. Artikel „sauern“ auf Accounts ein
Langsam laufende Artikel scheinen wirklich schlechter ausgespielt zu werden. Das führt zu noch weniger Views – ein Teufelskreis. Dass viele Nutzer*innen dann anfangen, ihren kompletten Katalog zu löschen oder umzuziehen, ist kein Wunder.
3. Die Plattform ist überladen
„Man kann aus so vielen Ländern bestellen. Die Übersicht ist weg.“
Das stimmt. Der internationale Versand hat zwar Vorteile, sorgt aber dafür, dass der Nachhaltigkeits-Kern von Vinted verwässert wirkt. Ein T-Shirt für 2 Euro aus den Niederlanden? Nachhaltig ist das nicht mehr zwingend.
4. Der Nachhaltigkeitsaspekt wirkt dünner
Der Grundgedanke „Second Hand lokal“ ist bei vielen verloren gegangen. Die App ist ein europaweiter Marktplatz geworden – und mit jeder Erweiterung ein wenig komplizierter.
5. Manche denken laut über Alternativen nach
Sie nennt z. B. Selly (vormals „Selfie“) – Dienste, die deinen Kleiderverkauf komplett übernehmen. Teurer, aber stressfrei.
Auch das spiegelt einen Trend:
Viele verlieren die Geduld mit Vinted.
Unser „State of Vinted“ 2025: Wo steht die Plattform eigentlich?
Wir beobachten Vinted seit Jahren – und man kann sagen:
Die App ist in einer Phase, in der sie erwachsen wird.
Und das fühlt sich für viele nicht gut an.
+ Was gut läuft
- riesige Auswahl
- extrem aktive Community
- noch immer einer der besten Orte für Gebrauchtes
– Was nervt
- Steuerpopups ohne klare Erklärung
- Sichtbarkeitsschwankungen
- internationale Versandflut
- weniger Nachhaltigkeit, mehr „Mini-eBay“
- deutlich mehr Pflichten für Verkäufer*innen
Dieses Zusammenspiel führt dazu, dass die Stimmung kippt. Nicht dramatisch – aber spürbar.
Was du jetzt tun kannst, wenn das Popup dich anspringt
Damit du entspannt bleibst:
1. Check dein Verkaufsjahr.
Zähle grob durch:
- Wie viele Verkäufe seit 1. Januar?
- Wie hoch der Umsatz?
2. Deine Steuer-ID ist keine Gefahr.
Sie wird nicht zur Steuererhebung genutzt, sondern zur Identifikation.
Wenn du keinen Gewinn machst, passiert nichts.
3. Wenn du privat bleibst, bist du safe.
Kein Gewinn = keine Steuer.
Unter 600 Euro Gewinn im Jahr = immer noch steuerfrei.
4. Wenn du merkst, dass dir die Plattform zu stressig wird:
Es gibt Alternativen – lokale Flohmärkte, Selly, Mädchenflohmarkt, Kleinanzeigen, Vintage-Gruppen.
Fazit: Das Popup ist nicht das Ende – aber ein Symptom
Vinted steckt in einer Übergangsphase.
Strengere Regeln, mehr Länder, komplexere Strukturen.
Das Popup ist nur das sichtbare Zeichen davon.
Für dich heißt das:
Bleib aufmerksam, verkaufe bewusst – und schau, ob sich die Plattform noch so anfühlt, wie sie soll.
Viele bleiben trotzdem, weil es bequem ist. Andere gehen, weil es ihnen zu viel wird.
Schreib gern in die Kommentare, wie es bei dir aussieht – und ob dir dieses Popup auch reingegrätscht ist. Wir sammeln wieder eure Erfahrungen, so wie beim ersten Beitrag.



