Fast 600.000 Aufrufe in ein paar Tagen. Über 7.000 Kommentare.
Und trotzdem fühlt sich dieses Video nicht nach Reichweite an, sondern nach Stillstand.
Alexander Böhm, vielen seit Jahren als AlexiBexi bekannt, hat ein Video veröffentlicht mit dem Titel:
„Ehrlicher geht’s nicht, denn: ich kann gerade nicht.“ Kein Clickbait. Kein Abschied. Kein Skandal. Sondern etwas, das auf YouTube selten geworden ist: ein echtes Innehalten.
Kein großes Statement, kein Ende – sondern ein Stopp
Alex sagt früh im Video, was es nicht ist. Kein „Ich höre auf“. Kein Drama. Kein künstlicher Wendepunkt.
Und doch merkt man schnell: Hier passiert etwas Grundsätzliches. Er spricht über fast 20 Jahre Internet. Über das Hochladen, das Liefern, das Funktionieren. Darüber, wie aus einem Hobby ein Beruf wurde – und aus dem Beruf irgendwann die eigene Identität.
Nicht als Erfolgsgeschichte. Sondern als Frage: Was bleibt eigentlich übrig, wenn man jahrelang nur funktioniert hat?
Wenn Arbeit zur Identität wird
Alex erzählt offen von seiner Kindheit, von Kontrollmechanismen, von dem Gefühl, nur dann geliebt zu werden, wenn man etwas leistet. Ein Muster, das er nie bewusst gewählt hat, das aber immer mitlief. Erst privat. Dann im Internet. Dann überall.
Videos machen wurde Alltag. Alltag wurde Leben. Leben wurde Arbeit.
Und irgendwann gab es keinen Unterschied mehr zwischen dem Menschen und der Figur, die Millionen kannten.
Die Kunstfigur AlexiBexi wurde größer, lauter, präsenter – während der echte Alex immer weiter nach hinten rückte. Nicht aus Kalkül, sondern aus Gewohnheit. Aus Überleben.
„Ich habe viel Scheiße gebaut“ – und meint es ernst
Besonders auffällig ist, wie wenig Alex beschönigt.
In einem angepinnten Kommentar schreibt er später ganz klar, dass es hier nicht um Burnout oder Depressionen im klassischen Sinn geht. Sondern um dissoziative Muster, um jahrelanges Funktionieren, um ein Privatleben, das dabei auf der Strecke geblieben ist.
Er schreibt, dass er Menschen getäuscht, verletzt und am Ende verloren hat.
Nicht, weil er böse war. Sondern weil er lange „so getan hat als ob“.
Verantwortung statt Opferrolle. Das ist unbequem – und genau deshalb glaubwürdig.
Die Kommentare erzählen eine zweite Geschichte
Was unter dem Video passiert, ist fast ein eigenes Kapitel. Menschen schreiben, die seit zehn, fünfzehn Jahren zuschauen. Die nie kommentiert haben. Die „nur eine Zahl in der Statistik“ waren. Und jetzt plötzlich Worte finden. Viele erzählen von eigenen Kämpfen. Von Depressionen, Burnout, Therapie, Trennungen, Kontrollverlust. Andere sagen einfach nur Danke. Oder: Du bist nicht allein.
Ein Kommentar bringt es auf den Punkt:
„Das wahrscheinlich ehrlichste Video 2025.“
Und vielleicht ist das so, weil Alex keine Lösungen anbietet. Kein Coaching. Kein „So bin ich da rausgekommen“. Er sagt im Grunde nur: Ich kämpfe noch. Und allein das reicht vielen schon als Halt.
Warum das mehr ist als ein Creator-Update
Dieses Video fühlt sich nicht nach YouTube an. Es fühlt sich nach Leben an. Nach Arbeit, die zu viel wurde. Nach Rollen, die man zu lange gespielt hat. Nach Beziehungen, die leiden, wenn man sich selbst verliert. Alex sagt: Ich bleibe. Aber ich kann gerade nicht so wie früher.
Ein Satz, der überraschend befreiend wirkt. Vielleicht, weil er zeigt, dass auch Erfolg, Reichweite und Karriere keinen Schutzschild bilden. Und dass es okay ist, stehen zu bleiben, bevor man sich komplett verliert.
Warum man sich das ansehen sollte
Nicht, weil es perfekt ist. Nicht, weil es Antworten liefert.
Sondern weil es ehrlich ist. Auf eine leise, unbequeme Art. Und weil es erinnert, woran man sich selbst viel zu selten erinnert:
Man ist mehr als das, was man leistet. Mehr als das, was man abliefert. Auch online.
Das Video: „Ehrlicher geht’s nicht, denn: ich kann gerade nicht.“
YouTube: Alex (ehemals AlexiBexi)



