Kaum ein Buchreview dürfte höheren Erwartungen ausgesetzt sein als eines zu einem Schreibratgeber. Und dann auch noch zum Texten mit KI. Werde ich durch dieses Buch zum nächsten Ogilvy, Hopkins oder Halbert? Schreibt er selbst damit das perfekte Buchreview, das unterhaltsam und nützlich zugleich ist? Die Erwartungshaltung könnte kaum größer sein. Dabei schafft die KI bei mir vor allem eines: die sogenannte Schreibblockade zu lösen – und manchmal nimmt sie mir die Recherche ab. Meist vertraue ich aber lieber der Suchmaschine selbst. Etwa, wenn ich ein paar echte Namen großer Werbetexter in einer Einleitung nennen will, die schneller Klick machen als die Uhr im Rolls-Royce bei 60 Meilen pro Stunde.

„Smarter texten mit KI“ ist der Titel eines neuen Schreibratgebers, der bei O’Reilly erschienen ist.
Auf rund 300 Seiten in neun Kapiteln führt die Autorin Ursula Martens, selbst seit 20 Jahren Copywriterin und KI-Nutzerin seit Mitte 2023, durch die Welt der Buchstaben, Worte und Satzzeichen. Es richtet sich an Texter im Werbebereich. Insofern kann ich schon etwas Druck aus meinem Wortkessel nehmen, da dieses Review wie üblich auf Check-App nicht werblich werden wird, sondern positiv-sachlich, da ich gemeinhin nur Bücher vorstelle, die mich selbst interessieren und mir gut erscheinen.

Im Vorwort ordnet Felix Beilharz das Buch in die Reihe der O’Reilly-Titel zum digitalen Marketing ein – und macht gleich zu Beginn eine wohltuend nüchterne Ansage: KI-Texte werden niemanden vom Hocker hauen. Nicht, weil die Modelle schlecht wären, sondern aus systemischen Gründen. Eine KI kennt keine echten Emotionen, keine Angst, keinen Mut, kein Scheitern – sie kann sie nur statistisch nachahmen. Genau daraus leitet er drei Leitfragen ab, die das Buch strukturieren: Wie funktionieren gute Texte wirklich? Welchen Input braucht die KI, um brauchbare Ergebnisse zu liefern? Und wo liegen ihre Grenzen? Anschließend stellt er die Autorin vor: Ursula Martens, Texterin seit über 15 Jahren, Trainerin und Coach – jemand, der nicht aus der Tool-Ecke kommt, sondern aus der Praxis des Schreibens.

Die Umschlagsgestaltung zeigt, dass es hier um Texte geht, die wie auch der Untertitel sagt auf den Punkt formuliert sind – und nicht um Buzzword-Feuerwerk. Meine dringlichste Frage, noch bevor ich den ersten und den letzten Satz gelesen hatte, war natürlich: Ist das Buch mit KI geschrieben?

Auf Seite 292 wurde sie beantwortet. Und die Antwort sagt zugleich, wie man dieses Buch verwenden sollte.

KI-Texte Hintergrund und Texttools

Die Kapitel 1 bis 3 legen das Fundament des Buches. Zuerst ordnet Ursula Martens das Texten mit KI in die „zeitlose Textkunst“ ein: Gute Texte folgen keinen Tools, sondern Prinzipien – Klarheit, Relevanz, Nutzen, Tonalität. KI verändert nicht, was gute Texte ausmacht, sondern wie wir dorthin kommen. Kapitel 2 erklärt anschließend, wie KI-Texte entstehen: Wahrscheinlichkeiten statt Verständnis, Muster statt Bedeutung. Hier geht es um Funktionsweise, typische Fehler, Halluzinationen, die Frage nach Erkennbarkeit von KI-Texten und darum, warum Google nicht „KI hasst“, sondern schlechten Content. Das Kapitel nimmt der Technologie den Mythos, ohne sie kleinzureden. Kapitel 3 wird praktisch: Überblick über die wichtigsten KI-Texttools, wann welches Modell sinnvoll ist, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten – und warum Tool-Kombinationen oft stärker sind als ein einzelnes Lieblingsmodell. Statt Tool-Hype gibt es Orientierung und Entscheidungslogik.

Nicht nur über KI-Texte lehrt das Buch den Leser

Der Hauptteil zeigt, warum dieses Buch kein weiteres „Prompt-Rezeptbuch“ ist. In Kapitel 4 geht es zwar ums Prompten, aber eigentlich geht es um Denken: Ziel, Haltung, Tonalität, Kontext – und darum, dass ein guter Prompt nichts anderes ist als ein gutes Briefing. Martens erklärt sehr nachvollziehbar, warum vage Anweisungen manchmal besser sind als überladene Detailprompts, weil sie Kreativität zulassen, und warum die Qualität der Texte nicht in der KI steckt, sondern im Kopf davor. Das eigentliche Herz ist Kapitel 5: ein klassischer Schreibratgeber, fast ohne KI, dafür mit Klartext zu guten Texten – Ein Satz, ein Gedanke, Klartext statt Blabla, Füllwörter raus, Haltung rein. Genau hier versteht man, warum KI-Texte oft glatt, aber leer wirken. Ihnen fehlt die Menschlichkeit, könnte man sagen. Der Felher. Und Kapitel 6 bringt das Ganze dann sauber in die Praxis: Naming, Webtexte, SEO, Social Media, Storytelling – immer mit derselben Logik: KI liefert Rohmaterial, der Mensch entscheidet, was davon Substanz hat. Das fühlt sich nicht nach Tool-Schulung an, sondern nach Textschule.

Kapitel 7 (Toolbox, Workflows, Custom GPTs) und die einordenten Kaptitel 8&9 habe ich mir bisher nur punktuell angesehen, aber noch nicht komplett durchgearbeitet – nicht, weil es unwichtig wäre, sondern weil der eigentliche Wert des Buches für mich schon vorher klar wurde: Es geht nicht um Tools, sondern um Textverständnis.

Und jetzt die Klammer und das also: Bei Smarter Texten mit KI von Ursula Martens hat mich vor allem interessiert, ob die Autorin das Buch nun mit ChatGPT (und Co.) nun genutzt hat oder die Zetteltechnik. Und hat Sie? Klar, aber nicht so: ChatGPT schreibe mir ein Buch, sondern „zum Recherchieren, Vergleichen und Überarbeiten“. So etwas nutze ich sie persönlich auch.

Smarter texten mit KI ist kein KI-Buch – sondern ein Schreibratgeber, der KI sinnvoll macht

Texte mit KI schreiben also. Ich nutze KI seit 2022 – für Dokumentationen, Mails, Recherche und als Sparringspartner beim Schreiben. Nicht, um perfekte Werbeslogans zu erzeugen, sondern um schneller zum richtigen Ton zu kommen. Gerade dort, wo KI an ihre Grenzen stößt – bei Witz, Haltung und echter Kreativität – zeigt sich, ob Textkompetenz vorhanden ist oder nicht. Für dieses Review habe ich die KI bewusst eingesetzt: nicht als Ghostwriter, sondern als Schreibratgeber, der meine Stichpunkte prüft, verdichtet und mir auf die Finger schaut. Entstanden ist eine Mischung aus klassischen Schreibregeln und nüchterner Analyse. Genau darin liegt für mich die Stärke des Buches: Es zeigt, dass gute Texte nicht aus Prompts entstehen, sondern aus Verständnis – und dass KI dieses Verständnis verstärken kann, wenn man weiß, was man tut.

Das Buch gibt es hier bei Amazon für 24,90 Euro (Affliate-Link).

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