Die Frage kommt immer wieder. Und sie ist berechtigt. Wenn du heute einen Newsletter starten willst, landest du fast automatisch bei zwei Namen: Beehiiv und Substack. Beide sind groß, beide wachsen weiter, beide versprechen Unabhängigkeit vom Social-Media-Zirkus. Trotzdem könnten sie vom Ansatz her kaum unterschiedlicher sein.
Das Problem: Viele Vergleiche bleiben an der Oberfläche. „Substack ist einfacher“, „Beehiiv ist für Wachstum“. Stimmt alles – hilft dir aber nur bedingt bei der eigentlichen Entscheidung. Denn die hängt nicht davon ab, welches Tool objektiv „besser“ ist, sondern davon, wie du arbeiten willst, was du langfristig vorhast und wie viel Kontrolle du brauchst.
Grundverständnis: Zwei Plattformen, zwei Philosophien
Substack: Schreiben, Beziehung, Community
Substack ist konsequent als Writer-First-Plattform gebaut. Fokus: Text, Stimme, Beziehung zum Leser. Du schreibst, veröffentlichst, fertig. Monetarisierung über Abos ist direkt integriert, genauso wie Kommentare, Likes, Empfehlungen und eine interne Discovery.
Das fühlt sich fast an wie ein soziales Netzwerk für Newsletter. Viele Leser kommen nicht nur wegen deines Inhalts, sondern weil sie generell Substack nutzen und dort stöbern.
Beehiiv: Newsletter als skalierbares Produkt
Beehiiv denkt größer – und kälter. Hier geht es nicht primär um „Schreiben als Selbstzweck“, sondern um Newsletter als Medium, Marke oder Business. Analyse, Segmentierung, Automationen, Wachstumstools, Monetarisierung jenseits von Abos.
Das ist weniger romantisch, aber extrem wirkungsvoll, wenn du planst, deinen Newsletter ernsthaft aufzubauen.
Einstieg & Bedienung: Wie schnell bist du wirklich startklar?
Substack gewinnt diese Runde.
Account erstellen, Titel eingeben, los schreiben. Der Editor ist minimalistisch, fast altmodisch – im positiven Sinn. Keine Templates, kaum Ablenkung. Wer einfach nur schreiben will, fühlt sich hier sofort wohl.
Beehiiv ist ebenfalls einfach zu starten, aber nicht ganz so selbsterklärend. Mehr Menüs, mehr Optionen, mehr Entscheidungen. Das ist kein Nachteil, aber es kostet am Anfang etwas mehr Gehirnschmalz.
Kurz gesagt:
- Willst du heute Abend den ersten Text rausschicken → Substack
- Willst du von Anfang an ein System aufsetzen → Beehiiv
Monetarisierung: Freiheit vs. Vielfalt
Substack
- Kostenlos starten, egal wie groß deine Liste ist
- Monetarisierung fast ausschließlich über Paid Subscriptions
- Plattform nimmt 10 % Anteil an deinen Einnahmen
- Zusätzlich fallen Zahlungsgebühren an
Das Modell ist simpel, aber auch eng. Du hast im Kern nur:
- kostenloser Content
- kostenpflichtiger Content
Mehr Feinjustierung gibt es nicht.
Beehiiv
Hier wird es deutlich breiter:
- Abos (monatlich, jährlich, Lifetime, „Pay what you want“)
- Integriertes Werbenetzwerk
- Bezahlte Empfehlungen für andere Newsletter
- Eigene Produkte und Services problemlos integrierbar
Wichtig: Beehiiv nimmt keinen Umsatzanteil.
Du zahlst eine monatliche Gebühr – aber alles, was du verdienst, gehört dir.
Unterm Strich:
- Wenig Setup, klare Abos → Substack
- Viele Einnahmequellen, volle Kontrolle → Beehiiv
Design & Erscheinungsbild: Absichtliche Einfachheit
Hier überraschen beide – und zwar mit Zurückhaltung.
Substack:
- Kaum Designoptionen
- Logo, Farben, ein paar Schriften
- Fast alle Newsletter sehen ähnlich aus
Beehiiv:
- Templates vorhanden
- Mehr Einfluss auf Typografie, Farben, Layout
- Content-Blöcke, Buttons, Tabellen, Medien
Aber: Auch bei Beehiiv wird niemand ein Design-Monster bauen. Und das ist Absicht. Der Fokus liegt auf Inhalt und Lesbarkeit, nicht auf visueller Spielerei.
Leichter Vorteil: Beehiiv.
Revolution: keine.
Community & Interaktion: Wo passiert mehr zwischen den Menschen?
Das ist Substacks Heimspiel.
Substack bietet:
- Kommentare unter Beiträgen
- Likes
- Direktnachrichten
- Notes (Microblogging)
- Empfehlungsmechaniken
- Leser entdecken aktiv neue Newsletter
Das fühlt sich fast wie eine Mischung aus Blog, Twitter und Patreon an.
Beehiiv kann auch Likes und Kommentare – aber nur optional und deutlich zurückhaltender. Der Fokus liegt hier nicht auf Community-Feed, sondern auf direkter Kommunikation per Mail.
Wenn du Austausch, Diskussion und Sichtbarkeit innerhalb der Plattform willst → Substack.
Wenn du Beziehung primär über dein eigenes Postfach steuerst → Beehiiv.
Wachstum & Analyse: Bauchgefühl oder Daten?
Hier trennt sich endgültig die Spreu vom Weizen.
Substack:
- Basis-Stats: Öffnungen, Klicks, Wachstum
- Keine Segmentierung
- Keine Automationen
- Free vs. Paid – mehr nicht
Beehiiv:
- Tiefe Analytics
- Segmentierung nach Verhalten, Herkunft, Antworten
- A/B-Tests für Betreffzeilen
- Automatisierte Willkommens- und Nurture-Sequenzen
- Umfragen, Feedback-Trigger
Wenn du testen willst, warum etwas funktioniert – und nicht nur ob – dann ist Beehiiv meilenweit vorne.
Website & Zusatzfunktionen: Newsletter oder Plattform?
Substack entwickelt sich stark Richtung All-in-One-Creator-Plattform:
- Audio
- Podcasts
- Video-Posts
- Livestream-Ansätze
Beehiiv bleibt nüchterner:
- Newsletter
- Automationen
- Wachstum
- Eigene Website mit Archiv, SEO, Subscribe-Flows
Unterschätzt, aber wichtig:
Beehiiv-Posts leben dauerhaft im Web, sind auffindbar, indexiert, teilbar. Das macht deinen Newsletter langfristig sichtbar – nicht nur für Abonnenten.
Kosten: Kostenlos starten oder kalkulierbar wachsen?
Substack
- Keine Fixkosten
- Aber Umsatzbeteiligung + Gebühren
- Wird teuer, wenn du erfolgreich wirst
Beehiiv
- Kostenlos bis ca. 2.500 Abos (eingeschränkt)
- Ab ca. 39 $/Monat für echte Monetarisierung
- Kein Cut vom Umsatz
Psychologisch fühlt sich Substack leichter an.
Unternehmerisch ist Beehiiv langfristig sauberer.
Klare Empfehlung nach Nutzertyp
Nimm Substack, wenn du:
- schreiben willst, nicht optimieren
- Community und Austausch suchst
- keine Lust auf Technik hast
- erstmal testen willst, ob Newsletter dein Ding ist
Nimm Beehiiv, wenn du:
- Wachstum planst
- Daten und Kontrolle willst
- mehrere Einnahmequellen brauchst
- Newsletter als ernsthaften Kanal siehst
- langfristig unabhängig bleiben willst
Das ehrliche Fazit
Substack ist ein hervorragender Einstieg.
Beehiiv ist ein Werkzeug für den nächsten Schritt.
Viele starten mit Substack – und wechseln später.
Kaum jemand startet mit Beehiiv und wünscht sich danach weniger Kontrolle.




Ein Kommentar
Vielen Dank für diesen detaillierten Vergleich! Besonders der Punkt zur Gestaltungsfreiheit bei Beehiiv im Gegensatz zum minimalistischen Ansatz von Substack hat mir bei der Entscheidung sehr geholfen. Ich plane gerade meinen ersten Newsletter und frage mich, wie man visuelle Inhalte am besten einbindet, ohne die Ladezeiten zu sprengen. Ich habe neulich diesen Beitrag hier gesehen: https://substack.com/home/post/p-178272646 – wisst ihr vielleicht, ob Substack solche externen Einbettungen von Pinterest-Ideen automatisch optimiert oder ob das bei Beehiiv sauberer gelöst wird, wenn man viele Grafiken nutzt?