NTE: Neverness to Everness ist eines dieser Spiele, bei denen man nach wenigen Minuten ziemlich genau versteht, warum es vor dem Start so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Es ist kein klassisches Fantasy-Rollenspiel mit Burgen, Drachen und Weltuntergangsprophezeiung, sondern ein modernes, übernatürliches Open-World-RPG in einer Großstadt, die aussieht, als hätte jemand Anime-Ästhetik, urbane Neonwelten, Action-RPG-Kämpfe und Gacha-Systeme in einen sehr teuren Mixer geworfen. Entwickelt wird NTE von Hotta Studio, dem Studio hinter Tower of Fantasy, und veröffentlicht über Perfect World Games. Der weltweite Launch erfolgte am 29. April 2026, geplant beziehungsweise verfügbar ist das Spiel für PC, Android, iOS, PlayStation 5 und Mac mit Cross-Platform-Unterstützung.

Im Zentrum steht Hethereau, eine Stadt, in der übernatürliche Anomalien nicht als Ausnahme behandelt werden, sondern fast schon zum Alltag gehören. Genau dieser Ansatz macht Neverness to Everness interessant: Die Welt wirkt nicht wie eine offene Landschaft mit ein paar Städten, sondern wie eine urbane Spielwiese. Straßen, Gebäude, Geschäfte, Innenräume, Fahrzeuge, Dialoge, Kämpfe und bizarre Zwischenfälle sollen zusammen das Gefühl erzeugen, in einer lebendigen Stadt unterwegs zu sein. Offiziell beschreibt Perfect World das Spiel als „supernatural urban open-world RPG“, also als übernatürliches urbanes Open-World-Rollenspiel. Das trifft den Kern ziemlich gut. (nte.perfectworld.com)

In Hethereau beginnt die Jagd auf Anomalien

Die Geschichte von NTE: Neverness to Everness startet in Hethereau. Du spielst den ersten Anomalie-Jäger ohne Lizenz und landest beim Eibon-Antiquitätenladen. Das klingt erst einmal nach einem charmanten kleinen Laden mit Staub, alten Möbeln und seltsamen Objekten. Praktisch ist Eibon aber eher eine Anlaufstelle für Aufträge rund um Anomalien. Die Öffentlichkeit meldet Fälle, der Laden nimmt sie an, und daraus entwickelt sich die eigentliche Struktur des Spiels.

Dieser Rahmen ist clever, weil er die Open World direkt mit der Handlung verbindet. Es geht nicht nur darum, eine große Stadt abzulaufen und Marker auf einer Karte abzuarbeiten. Hethereau ist der Ort, an dem die merkwürdigen Dinge passieren. Eine harmlose Straße kann plötzlich zur Kulisse eines übernatürlichen Vorfalls werden, ein scheinbar normaler Auftrag kann in eine Kampfsituation kippen, und hinter einer Alltagsszene steckt möglicherweise eine größere Geschichte. Die offizielle Beschreibung spricht von urbanen Geheimnissen, außergewöhnlichen Begleitern und Abenteuern voller Freude und Schmerz. Das ist stark auf Anime-Dramaturgie angelegt, aber im besten Fall gibt es NTE dadurch mehr Identität als vielen anderen Gacha-RPGs mit austauschbarer Fantasy-Karte. (Google Play)

Gerade der Ansatz mit dem „unlizenzierten“ Anomalie-Jäger ist spannend. Er sorgt dafür, dass die Hauptfigur nicht als etablierter Held in die Stadt kommt, sondern eher als jemand, der in ein System hineinrutscht, das größer ist als er selbst. Das passt zu einem Spiel, das offenbar stark über Charaktere, Fraktionen, Aufträge und laufende Ereignisse funktionieren will.

NTE setzt auf Action statt träges Rollenspiel-Korsett

Spielerisch ist Neverness to Everness ein Action-RPG mit direktem Kampfsystem. Die Kämpfe wirken schnell, effektgeladen und stark auf Charakterwechsel ausgelegt. Man steuert nicht nur eine Figur, sondern stellt ein Team zusammen, wechselt im Kampf zwischen Charakteren und nutzt unterschiedliche Fähigkeiten. Das Grundprinzip erinnert an moderne Gacha-Action-RPGs: Jeder Charakter bringt eigene Angriffe, Spezialfähigkeiten, Animationen, Rollen und möglicherweise Elemente mit. Dadurch entscheidet nicht nur das reine Level, sondern auch die Zusammensetzung des Teams.

Auffällig ist, wie stark das Spiel über visuelles Feedback arbeitet. Angriffe sind hell, groß und sehr animelastig inszeniert. Spezialfähigkeiten unterbrechen den Kampf mit kurzen Showmomenten, perfekte Ausweichmanöver können in Gegenangriffe übergehen, und größere Gegner besitzen Phasen, in denen sie durchbrochen oder kurzzeitig betäubt werden können. Dadurch entsteht ein Kampfsystem, das zugänglich wirkt, aber genug Timing verlangt, damit es nicht komplett automatisch herunterläuft.

Im frühen Spielverlauf führt NTE diese Mechaniken recht klassisch ein. Zuerst geht es um Bewegung, Ausweichen, Angreifen, Charakterwechsel und Spezialfähigkeiten. Danach werden Gegnergruppen, kleinere Arenen und größere Bosskämpfe eingebaut. Besonders interessant ist dabei, dass NTE offenbar nicht nur offene Stadtabschnitte bietet, sondern auch abgeschlossene Anomalie-Zonen, die eher wie Dungeons oder Missionsräume funktionieren. Das ist wichtig, weil eine reine Stadt-Open-World zwar optisch beeindruckend sein kann, aber spielerisch schnell leer wirkt, wenn es keine klar geführten Missionen gibt.

Die Stadt ist der eigentliche Star

NTE lebt nicht nur von Kämpfen, sondern vor allem von seiner Kulisse. Hethereau ist eine moderne Stadt mit Neonlicht, Straßen, Geschäften, Hochhäusern, Innenräumen und auffälligem Stil. Hotta Studio spricht selbst von einer stilisierten, surrealistischen modernen Stadtästhetik. In einem Entwicklergespräch mit Unreal Engine wurde außerdem beschrieben, dass Erfahrungen aus Mirroria aus Tower of Fantasy in die Entwicklung eingeflossen sind. Das erklärt, warum NTE weniger wie eine klassische Rollenspielwelt und mehr wie ein urbanes Anime-Szenario wirkt.

Das ist mehr als nur hübsche Fassade. Für ein Open-World-RPG ist die Glaubwürdigkeit der Welt entscheidend. Wenn eine Stadt nur aus Kulissen besteht, merkt man das schnell. NTE versucht deshalb, urbane Systeme stärker einzubauen: Bewegung durch die Stadt, Gespräche mit NPCs, Orte mit eigener Funktion, Aufträge, Innenräume, Fahrzeuge und Ereignisse. Es geht um das Gefühl, nicht durch eine Levelstruktur zu laufen, sondern durch eine Stadt, in der jederzeit etwas Absurdes passieren kann.

Genau hier liegt die Chance des Spiels. Viele Open-World-Gacha-Titel setzen auf Landschaften, Ruinen, Monsterlager und Sammelobjekte. NTE dagegen verkauft sich über die Idee einer belebten Großstadt mit übernatürlichem Einschlag. Das ist als Konzept frischer. Gleichzeitig ist es gefährlicher, weil Städte schwerer glaubwürdig umzusetzen sind als Wälder und Berge. In einer Stadt erwartet man Verkehr, Menschen, glaubhafte Wege, Reaktionen, Geräusche und kleine Details. Wenn das funktioniert, kann Hethereau ein echter Wiedererkennungsort werden. Wenn nicht, bleibt nur eine hübsche Tapete.

Grafik und Technik: NTE will sichtbar Premium wirken

Grafisch zielt Neverness to Everness klar auf den oberen Bereich aktueller Mobile- und Crossplay-RPGs. Das Spiel nutzt Unreal Engine 5, und Hotta Studio betont eine stilisierte, moderne Stadtoptik mit surrealen Elementen. Auf PC und PlayStation 5 kann NTE entsprechend deutlich stärker wirken als auf älteren Smartphones. Trotzdem ist der entscheidende Punkt: Das Spiel muss auf sehr unterschiedlichen Geräten funktionieren, weil es gleichzeitig für Mobile, PC, PS5 und Mac erscheint.

Auf dem PC wirkt NTE in den ersten Spielszenen sehr hochwertig. Besonders Charaktermodelle, Lichteffekte, Spezialangriffe und die Stadtarchitektur fallen auf. Gleichzeitig zeigen frühe Eindrücke auch, dass die Technik anspruchsvoll ist. Ein PC-Client mit rund 50 GB Speicherbedarf ist für ein Free-to-Play-RPG keine Kleinigkeit. Auf mobilen Geräten dürfte die Installationsgröße deutlich relevanter werden, weil viele Spieler nicht beliebig Speicherplatz frei haben. Hier wird sich zeigen müssen, wie gut Hotta Studio die Versionen optimiert.

Die technischen Optionen auf PC deuten auf ein Spiel hin, das grafisch skalierbar sein will. Balance-Modi, Auflösungen wie 1440p, 60 FPS und Upscaling-Optionen sind für PC-Spieler wichtig. Im eigentlichen Spiel zählt aber weniger, ob ein Trailer schön aussieht, sondern ob die Stadt beim Erkunden stabil läuft. Gerade Open-World-Spiele mit vielen Objekten, Lichteffekten und schnellen Bewegungen können beim Nachladen stottern. NTE wirkt ambitioniert, aber dieser Anspruch macht Performance zu einem echten Thema.

Charaktere, Teamaufbau und Gacha-System

NTE setzt auf mehrere spielbare Charaktere, die im Team kombiniert werden. Schon früh wird deutlich, dass man nicht dauerhaft an eine einzelne Figur gebunden ist. Man kann Charaktere wechseln, Formationen anpassen, Level erhöhen und neue Figuren freischalten. Das ist typisch für ein modernes Gacha-RPG, aber entscheidend ist die Frage, wie stark das System den Spielfluss beeinflusst.

Free-to-Play-Open-World-RPGs leben oft von einem Spagat. Sie wollen eine große, hochwertige Welt kostenlos zugänglich machen, refinanzieren sich aber über Charaktere, Ressourcen, Banner, Events und Fortschrittssysteme. Auch NTE wird in Berichten als Free-to-Play-Spiel mit Gacha-Mechaniken eingeordnet.

Für Spieler bedeutet das: Der Einstieg kann sehr großzügig wirken, besonders durch Vorregistrierungsboni, Launch-Belohnungen und frühe Charaktergeschenke. Langfristig entscheidet aber, wie fair das Spiel mit Ressourcen, Dropchancen, Duplikaten und Powercreep umgeht. Ein schönes Kampfsystem hilft wenig, wenn interessante Charaktere später hinter aggressiven Bannern verschwinden oder wenn Fortschritt künstlich ausgebremst wird. Das muss man bei NTE nüchtern beobachten. Der Start zeigt Potenzial, aber Gacha-Spiele werden nicht in den ersten zwei Stunden entschieden, sondern nach Wochen.

Dialoge, Sprache und Zugänglichkeit

Ein wichtiger Punkt ist die Sprache. Laut PlayStation-Store werden bei NTE unter anderem Chinesisch, Englisch, Japanisch und Koreanisch als Sprachausgabe geführt; als Bildschirmsprachen werden unter anderem Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch sowie vereinfachtes und traditionelles Chinesisch genannt.

Das ist für deutsche Spieler grundsätzlich positiv, weil ein storylastiges RPG ohne deutsche Texte schnell anstrengend werden kann. NTE arbeitet mit vielen Dialogen, Charakterinteraktionen und erklärenden Szenen. Wer die Handlung verstehen will, braucht eine gute Lokalisierung. Gleichzeitig muss man vorsichtig sein: Je nach Plattform, Region und Version können Sprachoptionen beim Start unterschiedlich wirken oder später erweitert werden. Entscheidend ist also nicht nur, ob Deutsch gelistet ist, sondern wie sauber die Übersetzung im Spiel tatsächlich ausfällt.

Die Dialogstruktur wirkt klassisch für ein Anime-RPG: viele Gespräche, mehrere Antwortoptionen, wiederkehrende Figuren und lange Einführungsszenen. Wer stark auf Gameplay fokussiert ist, wird vermutlich häufiger skippen. Wer dagegen Charaktere und Weltaufbau mag, bekommt hier deutlich mehr als nur Missionsfenster und Kampfarenen.

Open World, Missionen und Nebeninhalte

Die große Frage bei NTE lautet: Wie offen ist die Open World wirklich? Der Start führt zunächst stark durch Tutorials, Storysequenzen und Kampfräume. Das ist normal, weil das Spiel seine Systeme erklären muss. Spannend wird es nach dieser Phase, wenn die Stadt stärker freigegeben wird. Dann muss Hethereau beweisen, ob es mehr ist als eine beeindruckende Kulisse.

Ein gutes urbanes Open-World-RPG braucht Beschäftigung abseits der Hauptkämpfe. Gespräche, Sammelobjekte, kleine Aufgaben, Minispiele, Erkundungsreize, Innenräume und alltägliche Aktivitäten können dafür sorgen, dass die Stadt nicht nur schön aussieht, sondern spielerisch trägt. NTE scheint genau in diese Richtung zu wollen. Die Mischung aus Anomalie-Aufträgen, Stadtleben und Charaktergeschichten bietet genug Raum dafür.

Besonders interessant ist die Struktur über den Eibon-Antiquitätenladen. Solche zentralen Orte können in Live-Service-Spielen wichtig werden, weil sie als Story-Hub, Upgrade-Zentrum und emotionale Basis funktionieren. Wenn die Figuren dort wiederkehren, neue Fälle annehmen und kleine Alltagsszenen entstehen, kann NTE mehr Bindung erzeugen als ein reines Missionsmenü.

Für wen lohnt sich NTE: Neverness to Everness?

NTE dürfte vor allem Spieler ansprechen, die Genshin Impact, Tower of Fantasy, Zenless Zone Zero oder ähnliche Action-RPGs mögen, aber ein stärker urbanes Open-World-Setting suchen. Wer Anime-Optik, schnelle Kämpfe, Charakterteams, Spezialanimationen und laufende Events mag, findet hier viele bekannte Bausteine. Der Unterschied liegt in der Stadt. Hethereau ist nicht nur ein weiterer Kontinent, sondern ein modernes, übernatürliches Szenario mit eigener Identität.

Weniger geeignet ist NTE für Spieler, die keine Gacha-Systeme mögen oder ein klassisches Premium-RPG ohne Live-Service-Struktur erwarten. Auch wer auf sehr ruhige Rollenspiele mit komplexen Dialogentscheidungen und tiefem Charakterbau steht, wird hier vermutlich nicht den Schwerpunkt finden. NTE ist ein visuelles, schnelles, stark inszeniertes Action-RPG. Es will beeindrucken, belohnen, binden und regelmäßig neue Inhalte nachschieben.

Der größte Reiz liegt in der Kombination. Eine offene Anime-Stadt, übernatürliche Fälle, schnelle Kämpfe, mehrere Plattformen und hochwertige Präsentation ergeben ein Paket, das gerade auf Mobile ungewöhnlich groß wirkt. Gleichzeitig bringt genau diese Größe auch Risiken mit: Speicherbedarf, Performance, Monetarisierung und langfristige Content-Qualität müssen stimmen.

Einschätzung zum Start: viel Potenzial, aber noch kein Freifahrtschein

NTE: Neverness to Everness startet mit einem starken Konzept. Hethereau wirkt eigenständig, die Kämpfe sind schnell und effektvoll, die Grafik ist auffällig hochwertig, und die übernatürliche Stadtidee hebt sich vom üblichen Fantasy-Einerlei vieler Open-World-RPGs ab. Hotta Studio weiß aus Tower of Fantasy, wie man große Online-Rollenspielwelten baut. Gleichzeitig weiß man aus genau diesem Genre auch, wo die Probleme liegen können: zu viele Systeme, zu viel Grind, zu aggressive Banner, Performance-Schwankungen und eine Welt, die am Anfang beeindruckt, aber später Routine wird.

Der erste Eindruck fällt deshalb positiv, aber nicht blind euphorisch aus. NTE sieht teuer aus, spielt sich direkt und hat mit Hethereau einen klaren Aufhänger. Ob daraus ein langfristig gutes Open-World-RPG wird, hängt weniger von den ersten Bosskämpfen ab als von der Frage, wie gut die Stadt nach zehn, zwanzig oder fünfzig Stunden trägt. Wenn Hotta Studio die Balance aus Story, Erkundung, Charakteren, Events und fairer Monetarisierung hält, kann Neverness to Everness eines der spannendsten urbanen Gacha-RPGs des Jahres werden.

Für den Einstieg lohnt sich NTE vor allem dann, wenn du ein modernes Action-RPG suchst, das nicht schon wieder in einer mittelalterlichen Fantasywelt beginnt. Die Mischung aus Anomalie-Jagd, Anime-Stadt, Teamkämpfen und Open-World-Erkundung hat genug Eigenprofil, um neugierig zu machen. Der nüchterne Rat bleibt trotzdem: ausprobieren, Speicherplatz einplanen, die Performance auf dem eigenen Gerät prüfen und beim Gacha-System nicht sofort die Brieftasche zum Bossgegner machen.

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