Früher war es ganz normal: Rückseite vom Handy abnehmen, Akku raus, neuer Akku rein, fertig. Dann kamen dünnere Gehäuse, Glasrückseiten, Kleber, Wasserschutz und ein Reparaturmodell, bei dem der Akkuwechsel oft eher nach Werkstatt als nach Alltag klang. Jetzt wirkt es so, als würde die EU den alten Wechselakku zurückbringen. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Ab Februar 2027 sollen tragbare Batterien in Geräten in der EU grundsätzlich so verbaut sein, dass Nutzerinnen und Nutzer sie selbst entfernen und ersetzen können. Gemeint sind damit auch viele Smartphones. Die Batterie soll also nicht mehr so fest verklebt oder versteckt sein, dass man Heißluft, Lösungsmittel, Spezialwerkzeug oder Mut braucht, um sie überhaupt aus dem Gerät zu bekommen. Die EU-Regel spricht von „removable and replaceable by the end-user“, also entfernbar und austauschbar durch den Endnutzer.
Das Fairphone zeigt schon heute, wie es gehen kann
Wer ein Fairphone nutzt, kennt die Richtung bereits. Beim Fairphone Gen. 6 lässt sich der Akku als Ersatzteil kaufen, Fairphone beschreibt ihn offiziell als herausnehmbaren 4415-mAh-Akku. Der Wechsel ist nicht mehr ganz so simpel wie bei alten Handys, bei denen man den Akku einfach herausklipste. Laut Fairphone-Support müssen beim Gen. 6 Schrauben mit einem Torx-T5-Schraubendreher gelöst werden, danach lässt sich der Akku entfernen.
Genau hier liegt der wichtige Unterschied: Die EU zwingt Hersteller nicht automatisch zurück zum alten Plastikdeckel-Handy mit Akku zum Herausfallen. Es reicht, wenn der Akku mit normalen Werkzeugen erreichbar ist und ohne zerstörerische Reparatur ersetzt werden kann. Das kann also weiterhin Schrauben, Abdeckungen und klare Reparaturschritte bedeuten. Es soll nur nicht mehr dieses moderne Ritual sein: Gerät erwärmen, Kleber lösen, hoffen, dass nichts bricht.
Wechselakku heißt nicht zwingend „Akku in zehn Sekunden tauschen“
Die neue Regel wird oft so verstanden, als müssten alle Smartphones wieder einen sofort herausnehmbaren Akku bekommen. Das ist wahrscheinlich zu romantisch gedacht. Realistischer ist: Akkus müssen zugänglicher werden, Ersatzteile müssen sinnvoll verfügbar sein und der Wechsel darf nicht künstlich erschwert werden.
Kommerziell erhältliche Werkzeuge sollen genügen. Spezialwerkzeug darf nur eine Rolle spielen, wenn es kostenlos bereitgestellt wird. Außerdem braucht es Anleitungen und Sicherheitsinformationen. Damit geht es weniger um Nostalgie und mehr um Reparierbarkeit.
Für Nutzer bedeutet das: Ein Akkuwechsel könnte künftig wieder etwas werden, das man selbst oder zumindest deutlich einfacher durchführen kann. Aber es wird nicht zwingend heißen, dass man morgens einen Ersatzakku in die Tasche steckt und ihn mittags wie bei einem alten Nokia wechselt. Schade eigentlich. Das wäre immerhin die ehrlichste Powerbank der Welt.
Warum macht die EU das überhaupt?
Der Akku ist bei Smartphones oft der erste große Schwachpunkt. Display, Kamera und Prozessor sind häufig noch brauchbar, aber nach zwei, drei oder vier Jahren hält der Akku spürbar schlechter durch. Viele Geräte werden dann ersetzt, obwohl ein neuer Akku reichen würde.
Die EU will genau diesen Punkt angreifen: Geräte sollen länger nutzbar bleiben, weniger Elektroschrott verursachen und besser reparierbar werden. Parallel gibt es bereits neue Anforderungen an Energieeffizienz, Haltbarkeit und Reparierbarkeit von Smartphones und Tablets, inklusive neuer EU-Labels seit Juni 2025.
Was heißt das für Samsung, Apple und Co.?
Für große Hersteller wird die Regel unangenehm, aber nicht unmöglich. Sie müssen ihre Geräte nicht zwangsläufig wieder dicker und klobiger machen. Das Fairphone zeigt, dass ein moderneres Gerät mit Schrauben, modularen Teilen und gewissem Schutz gegen Staub und Wasser möglich ist. Aber es wird schwieriger, Akkus komplett zu verkleben und Reparaturen stark zu kontrollieren.
Interessant ist auch: Es gibt Diskussionen über Ausnahmen oder Grenzfälle, etwa wenn Akkus besonders langlebig sind. Genau deshalb sollte man bei der Regel nicht zu früh jubeln. Am Ende entscheidet die konkrete Umsetzung, wie viel davon wirklich beim Nutzer ankommt.
Für Käufer wird der Akku wieder ein echtes Kaufargument
Bisher schauen viele beim Smartphonekauf auf Kamera, Display, Speicher und Preis. Künftig könnte eine einfache Frage wichtiger werden: Kann ich den Akku später vernünftig wechseln?
Das Fairphone ist hier heute schon ein Sonderfall, weil Reparierbarkeit Teil des Konzepts ist. Bei vielen anderen Geräten ist der Akkuwechsel dagegen weiterhin etwas für Werkstatt, Garantieabwicklung oder YouTube-Mutproben. Ab 2027 dürfte sich der Druck erhöhen, das besser zu lösen.
Für Nutzer wäre das gut. Denn ein Smartphone, das nach drei Jahren nur einen schwachen Akku hat, ist nicht automatisch alt. Es ist oft nur schlecht weitergedacht.
Fazit: Der Wechselakku kommt zurück, aber anders
Ja, der Wechselakku kommt ein Stück weit zurück. Aber nicht unbedingt so, wie viele ihn von früher kennen. Die EU-Regel bedeutet eher: Schluss mit unnötig verklebten Akkus, mehr Reparierbarkeit, bessere Ersatzteilchancen und weniger Wegwerf-Design.
Das Fairphone zeigt bereits heute, wie so ein Mittelweg aussehen kann: nicht nostalgisch, nicht perfekt, aber deutlich nutzerfreundlicher als viele versiegelte Glas-Sandwiches. Für normale Käufer wird ab 2027 spannend, ob auch Samsung, Apple, Xiaomi und Co. wirklich einfacher reparierbare Geräte bauen – oder ob sie nur so viel ändern, wie unbedingt nötig.
Der alte Handydeckel wird wahrscheinlich nicht massenhaft zurückkommen. Aber der Gedanke dahinter schon: Ein Akku sollte kein Todesurteil für ein ganzes Smartphone sein.


