Im Herbst 2025 war Lidl Plus zuletzt Thema, damals unter dem Eindruck einer App, die ihren frühen Reiz für viele Nutzer verloren hatte. Früher standen Gratisartikel, Rubbellose und spürbare Sofortvorteile im Vordergrund. Später blieben immer häufiger kleine Coupons, technische Probleme und die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt noch lohnt.

Jetzt versucht Lidl, Lidl Plus neu aufzuladen. Seit Juni 2026 gibt es Lidl Punkte. In den Filialen hängen Aufsteller, in der App wird gesammelt, Lidl spricht von neuen Vorteilen und mehr Flexibilität. Das klingt zunächst nach einem Neustart. Wer sich die ersten Nutzerreaktionen anschaut, merkt aber schnell: Die alten Probleme sind damit nicht verschwunden. Sie haben nur eine neue Oberfläche bekommen.

Lidl ersetzt Rabattsammler und Rubbellose durch Punkte

Das neue System ist auf den ersten Blick einfach. Wer beim Einkauf die Lidl Plus App scannt oder im Onlineshop mit seinem Lidl Plus Konto einkauft, sammelt Punkte. Ein Euro Umsatz entspricht einem Punkt. Die Punkte können später in der App gegen Prämien-Coupons eingelöst werden. Zum Start gibt es außerdem einen Willkommensbonus von 50 Punkten.

Damit verabschiedet sich Lidl von Teilen des alten Systems. Rabattsammler und Rubbellose waren für viele Nutzer zwar nicht perfekt, aber sie hatten einen klaren Vorteil: Nach dem Einkauf gab es direkt etwas Sichtbares. Ein Coupon, ein Gratisartikel, manchmal wenigstens das Gefühl, dass sich das Scannen der App gelohnt hat.

Genau daran entzündet sich jetzt die Kritik. Das Punktesystem wirkt für einige Nutzer wie ein Umweg. Erst einkaufen, dann Punkte sammeln, später Prämien auswählen, Coupon aktivieren und beim nächsten Einkauf wieder daran denken. Wer vorher an der Kasse sofort sparen wollte, bekommt nun ein System, das mehr Aufmerksamkeit verlangt.

Die ersten Bewertungen klingen ziemlich eindeutig

Eine Auswertung von 1.000 Lidl-Plus-Bewertungen bis Mitte Juni 2026 zeigt ein raues Bild. Der Durchschnitt im Datensatz liegt bei nur 2,1 Sternen. Mehr als zwei Drittel der Bewertungen fallen auf ein oder zwei Sterne. Besonders auffällig wird es bei Bewertungen, in denen Begriffe wie Punkte, Punktesystem, Sammeln, Rabattsammler oder Rubbellos vorkommen.

Seit dem Start der Lidl Punkte am 1. Juni tauchen solche Begriffe deutlich häufiger auf. In diesem Teil der Bewertungen liegt der Schnitt nur noch bei rund 1,6 Sternen. Das ist kein sauberer repräsentativer Marktforschungswert, aber als Stimmungsbild ist es deutlich genug. Die Nutzer, die das neue System aktiv kommentieren, tun das überwiegend aus Ärger.

Der Ton ist dabei erstaunlich konkret. Viele schreiben nicht allgemein, dass ihnen die App nicht gefällt. Sie vergleichen das neue System direkt mit dem alten. Früher habe es nach bestimmten Einkaufswerten Prämien oder Coupons gegeben, jetzt müsse man Punkte sammeln und sich durch Prämien klicken. Einige empfinden den Gegenwert als schwach. Andere stören sich daran, dass Gratisprodukte oder Rabatte nun stärker an Bedingungen hängen.

Der zentrale Vorwurf: weniger direkter Vorteil

Lidl verkauft die Punkte als flexibleres System. Aus Nutzersicht zählt aber eine andere Frage: Kommt am Ende mehr bei mir an oder weniger?

In den Bewertungen taucht genau diese Rechnung mehrfach auf. Nutzer vergleichen ihre früheren Vorteile mit dem neuen Punktestand und landen bei dem Eindruck, dass Lidl Plus für sie schlechter geworden ist. Besonders hart fällt die Kritik aus, wenn Prämien erst nach höheren Umsätzen erreichbar sind oder wenn der eingelöste Coupon nicht als echter Rabatt wahrgenommen wird.

Das Problem ist psychologisch simpel. Ein Sofortrabatt fühlt sich unmittelbar an. Ein Punktestand fühlt sich erst einmal wie Arbeit an. Wer ohnehin jede Woche bei Lidl einkauft, kann damit vielleicht leben. Wer die App nur scannt, weil ab und zu ein echter Vorteil winkt, verliert schneller die Geduld.

Dazu kommt: Supermarkt-Apps konkurrieren nicht nur mit anderen Apps, sondern mit dem Einkaufsalltag. An der Kasse muss es schnell gehen. Coupons müssen auffindbar sein. Der digitale Bon muss funktionieren. Punkte müssen nachvollziehbar gutgeschrieben werden. Sobald das System mehr Aufmerksamkeit verlangt, steigt die Erwartung an den Gegenwert.

Technische Probleme verschärfen den Eindruck

Die Kritik an Lidl Plus dreht sich nicht nur um Punkte. In den aktuellen Bewertungen häufen sich weiter technische Beschwerden. Nutzer berichten von Abstürzen, Problemen mit Kassenbons, Fehlern bei Lidl Pay, Meldungen über angeblich fehlende Internetverbindung und Schwierigkeiten rund um E-Mobilität.

Gerade das ist für Lidl ungünstig. Ein neues Punktesystem braucht Vertrauen. Wenn Nutzer nach dem Einkauf nicht sicher sind, ob Punkte korrekt gutgeschrieben wurden, ob der Bon auftaucht oder ob die App beim nächsten Öffnen wieder abstürzt, wird aus einem Bonusprogramm schnell zusätzlicher Ärger.

Auffällig ist auch, dass manche Bewertungen mehrere Probleme gleichzeitig nennen. Erst funktioniert Lidl Pay nicht, dann fehlt der digitale Bon, dann sind keine Punkte sichtbar. Aus Sicht eines Nutzers ist das keine getrennte Funktionsliste. Es ist eine App, die im wichtigsten Moment nicht sauber arbeitet.

Lidl Plus wird stärker zur Kundenbindungsmaschine

Die Richtung ist trotzdem klar. Lidl Plus ist längst mehr als eine Coupon-App. Mit Punkten, digitalen Bons, Lidl Pay, Filialangeboten, Onlineshop-Anbindung und personalisierten Coupons wird daraus eine umfassende Kundenbindungsplattform. Lidl will Einkäufe sichtbarer, messbarer und stärker an die eigene App binden.

Das ist im Supermarktmarkt kein Sonderfall. Kaufland arbeitet mit der Kaufland Card XTRA ebenfalls stärker mit Punkten. Rewe hat sich nach dem Ende der Payback-Partnerschaft mit Rewe Bonus neu aufgestellt. Fast jede große Kette versucht, Rabatt, App, Bezahlung und Kundendaten enger zusammenzubringen.

Für Kunden entsteht dadurch ein merkwürdiger Alltag. Wer überall sparen will, braucht für jeden Einkauf eine andere App. Wer keine App nutzt, zahlt häufiger den normalen Preis. Der Rabatt ist damit nicht mehr einfach ein Angebot am Regal, sondern hängt an Registrierung, Smartphone, Aktivierung und Scan.

Das neue System muss sich im Alltag beweisen

Lidl Punkte können für regelmäßige Lidl-Kunden sinnvoll sein, wenn die Prämien passen und die App zuverlässig funktioniert. Die lange Gültigkeit von zwei Jahren ist grundsätzlich kundenfreundlicher als kurzlebige Coupons, die nach wenigen Tagen verschwinden. Auch die Idee, Punkte für unterschiedliche Prämien einzusetzen, ist nicht automatisch schlecht.

Der Start zeigt aber, wo das Risiko liegt. Viele Nutzer messen Lidl Plus nicht an der Theorie, sondern am alten Nutzen. Wenn früher ein Gratisartikel oder ein klarer Rabatt erreichbar war und jetzt ein Punktestand wächst, fühlt sich das schnell nach Verschlechterung an. Besonders dann, wenn die App parallel hakt.

Für Lidl ist das heikel. Die Filialwerbung setzt stark auf das neue Punkteversprechen. In den App-Bewertungen kommt davon bisher wenig Begeisterung an. Dort geht es weniger um „endlich Punkte“, sondern um verlorene Sofortvorteile, unklare Einlösung und technische Zuverlässigkeit.

Fazit: Lidl Plus hat ein neues System, aber kein neues Vertrauensproblem

Lidl Plus steht 2026 wieder an derselben Stelle wie schon im vergangenen Jahr. Die App soll den Einkauf attraktiver machen, erzeugt bei vielen Nutzern aber zusätzlichen Aufwand. Das neue Punktesystem löst dieses Problem nicht automatisch. Es macht den Vorteil nur anders sichtbar.

Wer oft bei Lidl einkauft, sollte die Punkte nicht ignorieren. Sie können sich über die Zeit summieren, vor allem wenn passende Prämien auftauchen. Wer aber nur wegen klarer Rabatte oder Gratisartikel zur App gegriffen hat, wird die Umstellung kaum als Verbesserung empfinden.

Die ersten Bewertungen zeigen jedenfalls: Lidl hat mit den Punkten ein neues Loyalitätsprogramm gestartet. Überzeugt sind davon längst nicht alle.

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