Wir verfolgen Lieferando auf Check-App seit dem eher missglückten App-Redesign 2024 noch genauer als früher: erst wegen der Nutzerbeschwerden zur neuen Oberfläche, später wegen Bonusprogramm, KI-Support, Aktionen und dem Alltag beim Bestellen. Also schauen wir, ob Lieferando 2026 an den Stellen besser wird, an denen Nutzer im Alltag wirklich Nerven lassen.
Ein Beispiel dafür ist der Mindestbestellwert. In einer aktuellen Diskussion geht es darum, dass fehlende Cent oder Euro offenbar direkt ergänzt werden können, statt noch eine Cola, ein Dessert oder eine Beilage in den Warenkorb legen zu müssen. Einige Nutzer auf TikTok schreiben, das habe es früher schon gegeben oder sei bei anderen Diensten bekannt. Praktisch ist sie trotzdem: Wenn bei 15 Euro Mindestbestellwert nur 14,99 Euro im Warenkorb liegen, ist ein direkter Ausgleich sinnvoller als ein unnötiges Zusatzprodukt., was niemand braucht Offen bleibt allerdings, wie der Betrag genau ausgewiesen wird und wer ihn am Ende erhält: Restaurant oder Lieferando?
Damit sind wir beim eigentlichen Punkt: Lieferando 2026 wird nicht durch eine einzelne kleine Funktion bewertet, sondern durch den gesamten App-Alltag. Und genau dort zeigen aktuelle Bewertungen weiterhin ein ziemlich klares Bild. Also ein trübes, trotz 4,5 im Playstore.
Die aktuellen Bewertungen klingen nicht nach entspannter App-Nutzung
Für diesen Check haben wir aktuelle Nutzerbewertungen aus dem Google Play Store ausgewertet. Der Zeitraum reicht von Anfang Januar bis Ende Juni 2026. In dieser Stichprobe liegen 905 Bewertungen vor, der Durchschnitt beträgt nur 1,75 Sterne. 611 Bewertungen vergeben einen Stern, weitere 108 Bewertungen zwei Sterne. Damit sind knapp 80 Prozent der erfassten Rückmeldungen im unteren Bereich. Auffällig ist dabei nicht nur die schlechte Stimmung, sondern wie konkret viele Nutzer beschreiben, wo Lieferando im Alltag scheitert.
Natürlich ist das nicht die gesamte Lieferando-Nutzerschaft. Zufriedene Nutzer schreiben oft gar nichts, genervte Nutzer eher schon. Trotzdem sind solche Bewertungen relevant, weil sie konkrete Reibungspunkte zeigen. Und die wiederholen sich auffällig oft.
Ein wiederkehrender Punkt sind die Restaurantbewertungen. Viele Nutzer kritisieren, dass einzelne Rezensionen nicht mehr lesbar sind. Ein Nutzer schreibt etwa: „Der Sterne-Durchschnitt sagt doch gar nichts aus über eine aktuelle Tendenz.“ Ein anderer nennt es „essenziell wichtig“, Kundenrezensionen lesen zu können, gerade weil die Preise steigen. Lieferando antwortet in mehreren Fällen sinngemäß, dass aktuell nur noch die Sternebewertung sichtbar sei, während Lokale intern weiterhin alle Bewertungen einsehen könnten. Aus Nutzersicht ist genau das der falsche Schwerpunkt: Das Restaurant bekommt mehr Kontext, der Kunde weniger.
Dazu kommt der Wegfall oder die Verschlechterung gewohnter Funktionen. Eine besonders deutlich markierte Bewertung mit 69 Zustimmungen kritisiert den Wegfall der Favoritenfunktion, verschwundene alte Bestellungen, Punkte und höhere Servicegebühren. Der Nutzer schreibt, er müsse nach dem Wegfall der Favoriten „jedesmal neu nach Lokalen“ suchen. Eine andere Bewertung mit 118 Zustimmungen bemängelt ebenfalls fehlende Favoriten und zusätzlich Restaurantvorschläge mit langen Fahrwegen. Das ist kein kleines Schönheitsproblem. Wer regelmäßig bestellt, erwartet Wiederholung, gespeicherte Vorlieben und kurze Wege. Wenn genau diese Routinen verschwinden, fühlt sich die App langsamer an, selbst wenn sie technisch modernisiert wurde.
Auch der Support bleibt ein harter Kritikpunkt. Mehrere Bewertungen nennen den KI-Chatbot direkt. Formulierungen wie „Der KI Chat bot kann gar nichts“, „Richtigen Support gibt es nicht mehr“ oder „man erreicht keinen Menschen mehr“ tauchen nicht als Randnotiz auf, sondern hängen oft an konkreten Fällen: falsche Lieferung, fehlende Erstattung, Storno, unklare Reklamation. Eine Bewertung beschreibt, dass bei einer Bestellung seit anderthalb Stunden nur der KI-Chat auf baldige Lieferung verweise, während die Zeit weiter nach hinten rutsche. Das ist genau der Moment, in dem Automatisierung nicht wie Hilfe wirkt, sondern wie eine Wand.
Beim Bezahlen gibt es ebenfalls konkrete Beschwerden. Die am stärksten markierte Bewertung in der Datei stammt vom 29. Juni 2026 und beschreibt, dass online keine Zahlung mehr möglich sei. Genannt wird ausdrücklich PayPal, dazu die Fehlermeldung, dass Bezahlen per Gutschein nicht möglich sei, obwohl gar kein Gutschein ausgewählt wurde. Andere Nutzer berichten von Rabattcodes, die zunächst funktionieren, beim Bezahlen dann aber abgelehnt werden, ohne dass klar wird, was korrigiert werden muss. Für eine Bestell-App ist das zentral. Wenn der Nutzer schon Essen ausgewählt hat und dann an Bezahlung oder Gutscheinlogik hängen bleibt, ist der Frust maximal.
Auch Gebühren und Preise ziehen sich durch die Bewertungen. Nutzer nennen Servicegebühren, Liefergebühren, höhere Preise gegenüber Direktbestellung und schlecht nachvollziehbare Rabatte. Eine Bewertung kritisiert eine Servicegebühr von „8%“ und behauptet, dieselbe Bestellung sei direkt oder über einen anderen Anbieter deutlich günstiger gewesen. Eine andere Bewertung nennt „1,49 Euro Servicegebühr bzw. 5 %“ zusätzlich zur Liefergebühr. Solche Angaben muss man nicht automatisch als allgemeingültige Preisregel übernehmen, aber sie zeigen, wie Lieferando wahrgenommen wird: nicht mehr nur als bequemer Vermittler, sondern als zusätzliche Kostenschicht.
Der Mindestbestellwert passt in dieses Bild. Schon vor der aktuellen Diskussion taucht er in Bewertungen als Reibungspunkt auf. Nutzer kritisieren, dass Mindestbestellwerte teilweise erst spät sichtbar seien, nicht gut genug gefiltert werden könnten oder für Einzelbesteller zu hoch ausfallen. Ein Nutzer schreibt, in seiner Region lägen Mindestbestellwerte teils bei 20, 25 oder 30 Euro, was die Auswahl für Singles stark einschränke. Die mögliche Funktion, fehlende Cent oder Euro direkt aufzufüllen, löst deshalb ein echtes Problem. Sie löst aber nur die letzte Lücke im Warenkorb, nicht die Frage, ob Mindestbestellwerte, Gebühren und Filterung vorher verständlich genug sind.
Ein weiterer konkreter Ärgerpunkt sind Push-Benachrichtigungen. Eine Bewertung kritisiert tägliche Werbe-Pushs, obwohl diese in der App deaktiviert seien. Besonders brisant: In der Entwicklerantwort heißt es sinngemäß, wer alles abschalten wolle, müsse Benachrichtigungen über das Smartphone-System deaktivieren. Das bedeutet aus Nutzersicht: Wer keine Werbung will, riskiert auch keine Bestellhinweise mehr zu bekommen. Genau solche Details machen eine App im Alltag nervig, weil Nutzer nicht fein genug steuern können, was wichtig ist und was nur Werbung ist.
Das Bild aus den Bewertungen ist damit ziemlich klar. Lieferando hat 2026 nicht nur ein Imageproblem wegen alter Kritik am Redesign. Die Beschwerden sind konkret: weniger lesbare Restaurantbewertungen, fehlende Favoriten, schwer erreichbarer Support, Chatbot-Frust, Zahlungsfehler, undurchsichtige Gebühren, schwache Filter beim Mindestbestellwert und aufdringliche Push-Werbung. Die neue Aufrundungsfunktion beim Mindestbestellwert ist deshalb sinnvoll, aber sie steht neben vielen größeren Baustellen. Sie macht einen nervigen Moment besser. Der Rest der App muss trotzdem liefern.
Die App wirkt an manchen Stellen weiter unnötig schwer
Lieferando hat 2026 also zwei Seiten. Auf der einen Seite gibt es kleine sinnvolle Änderungen wie den möglichen Ausgleich beim Mindestbestellwert. Das ist praktisch, besonders für Einzelbestellungen. Niemand sollte ein Zusatzprodukt kaufen müssen, nur weil ein paar Cent fehlen.
Auf der anderen Seite zeigen die aktuellen Bewertungen, dass viele alte Kritikpunkte nicht verschwunden sind. Die App wird weiterhin als unübersichtlich, teuer, schwer nachvollziehbar oder schlecht erreichbar beschrieben. Besonders problematisch ist die Kombination aus weniger sichtbaren Bewertungen, mehr Gebührengefühl und automatisiertem Support. Genau diese Mischung nimmt Nutzern Vertrauen.
Das ist für Lieferando gefährlicher als ein einzelner App-Bug. Ein Fehler bei PayPal ist nervig, kann aber behoben werden. Wenn Nutzer aber das Gefühl bekommen, weniger Informationen zu Restaurants zu erhalten, bei Problemen nur Bot-Antworten zu bekommen und gleichzeitig mehr Gebühren zu zahlen, kippt die Wahrnehmung grundsätzlicher.
Unser Eindruck zu Lieferando 2026
Die neue Mindestbestellwert-Funktion ist eine gute Idee, sofern sie transparent umgesetzt wird. Sie ist klein, aber alltagsnah. Gerade deshalb passt sie besser zu dem, was Lieferando eigentlich verbessern müsste: weniger Reibung im Checkout, weniger unnötige Zusatzkäufe, klarere Kosten.
Für ein positives Gesamtbild reicht das aber nicht. Die aktuellen Play-Store-Bewertungen zeigen, dass Nutzer weiter an zentralen Stellen hadern. Bewertungen sind weniger hilfreich als früher, Support wird häufig als distanziert oder automatisiert erlebt, Gebühren sorgen für Misstrauen und technische Probleme treffen genau den Bestellmoment.
Lieferando muss 2026 nicht noch mehr erklären, warum die App modern ist. Die App muss beim Bestellen weniger nerven. Ein paar Cent beim Mindestbestellwert direkt auszugleichen, ist dafür ein brauchbarer Schritt. Der größere Test bleibt aber der Rest des Warenkorbs.


