Nach dem Frostmond, Sandrones Rückkehr und Stellar-Supraleiter in Genshin Impact Luna VIII beginnt am 12. August 2026 das deutlich größere Kapitel: Genshin Impact Version 7.0 „Gottverlassenes Land des Schnees“ öffnet Snezhnaya. Auf diese Region arbeitet die Geschichte seit Jahren hin. Die Fatui, Tartaglia, La Signora, Arlecchino und andere Figuren haben unser Bild von Snezhnaya geprägt, obwohl wir das Land selbst bisher kaum kannten. Jetzt muss HoYoverse zeigen, ob hinter den Vorboten und ihrer politischen Macht auch eine Region steckt, die beim Erkunden und in der Geschichte trägt.
Version 7.0 bringt dafür erstaunlich viele Systeme gleichzeitig mit. Es gibt eine neue Archontenquest, die 5-Sterne-Figur Odette, den kostenlosen 4-Sterne-Charakter Alyosha, eine weitere Stellarfunkeln-Reaktion und sogar einen Third-Person-Shooter-Modus. Wer Genshin regelmäßig spielt, muss deshalb trotzdem nicht versuchen, am ersten Tag jede Mechanik zu verstehen und sofort über das nächste Banner zu entscheiden. Einige Neuerungen sind offensichtlich für den langfristigen Aufbau Snezhnayas wichtig, andere müssen erst zeigen, ob sie über den Reiz des neuen Patches hinaus Bestand haben.
Snezhnaya muss nach Jahren der Vorbereitung als echte Region funktionieren
Eine neue Nation ist in Genshin normalerweise schon genug Motivation, wieder einige Abende in Teyvat zu verbringen. Bei Snezhnaya ist die Erwartung größer, weil das Reich seit den ersten Kapiteln ständig präsent war. Wir kennen seine Agenten, seine militärische Macht und einen Teil seiner politischen Interessen. Weniger wissen wir darüber, wie Menschen dort leben, wie die Orte miteinander verbunden sind und welches Verhältnis die normale Bevölkerung zu den Fatui überhaupt hat.
Genau an dieser Stelle setzt Version 7.0 an. Snezhnaya ist von schweren Schneestürmen geprägt und nutzt sogenannte Kresnik-Energie zur Wärmeversorgung. Die neue Archontenquest beschäftigt sich laut HoYoverse mit einem verheerenden Schneesturm, einer daraus entstehenden Energiekrise und den Konflikten verschiedener Kräfte innerhalb des Landes. Das klingt für mich wesentlich interessanter als die offensichtliche Frage, wie hübsch Eisflächen und verschneite Berge aussehen werden. Nach Fontaine und den stark inszenierten Regionen der vergangenen Jahre dürfte eine reine Winterkulisse ohnehin nicht ausreichen.
Auch das Eisenbahnnetz passt dazu. Die weit auseinanderliegenden Siedlungen werden durch Züge verbunden, die unter anderem nach Snezhnograd führen. Dort befinden sich lebendige Stadtbereiche und das Hauptquartier der Fatui. Für Spieler ist dabei spannend, ob diese Orte tatsächlich unterschiedliche Seiten des Landes zeigen oder ob die bekannten Fatui-Strukturen wieder fast alles dominieren. Gerade Snezhnaya bietet HoYoverse die Gelegenheit, Figuren und Institutionen, die wir jahrelang als Gegenspieler erlebt haben, einmal aus ihrer eigenen Umgebung heraus zu erklären.

Die Kälte erinnert zwangsläufig an den Drachengrat
Wer den Drachengrat noch aus seiner ursprünglichen Veröffentlichung kennt, wird bei einer Region mit extremer Kälte vermutlich kurz zusammenzucken. Snezhnaya besitzt erneut ein System, bei dem die Umgebungstemperatur eine Rolle spielt. Zentral dafür ist diesmal das Auge von Graeae, das Spieler nach ihrer Ankunft erhalten und das unter anderem beim Schutz vor der Kälte hilft.
Das muss kein Problem sein. Der Drachengrat hat damals durchaus gezeigt, dass Umweltgefahren eine Region charakterisieren können. Gleichzeitig konnte die Kälteleiste bei längerer Erkundung ziemlich schnell von Atmosphäre zu Routinearbeit wechseln. Bei Snezhnaya wird deshalb entscheidend sein, wie oft das Spiel den Spieler tatsächlich zum Wärmemanagement zwingt und wie selbstverständlich sich die dafür vorgesehenen Mechaniken in die Erkundung einfügen.

Das Auge von Graeae übernimmt dabei mehrere Aufgaben und könnte deshalb wichtiger werden als frühere regionale Gadgets. Spieler können damit Züge rufen und Konstrukte aus Ureis erzeugen, die für Rätsel und Interaktionen gedacht sind. Wenn sich diese Funktionen sinnvoll ergänzen, könnte Snezhnaya dadurch einen eigenen Erkundungsrhythmus bekommen. Sollte man das Werkzeug dagegen hauptsächlich hervorholen, weil eine Quest gerade danach verlangt, wäre viel Potenzial verschenkt.
Der Zug ist ein schönes Feature – solange Teleportpunkte ihn nicht sofort überflüssig machen
Das Eisenbahnsystem gehört für mich zu den interessanteren Ideen des Updates, gerade weil Genshin normalerweise sehr schnell auf Teleportation hinausläuft. In einer frisch geöffneten Region fährt man vielleicht noch bewusst Straßen entlang und sieht sich die Landschaft an. Wenige Tage später klickt man meistens nur noch auf den nächstgelegenen Teleportpunkt. Für ein Land, dessen verstreute Orte ausdrücklich durch ein Eisenbahnnetz verbunden sind, wäre das etwas schade.

HoYoverse müsste den Zug deshalb so in die Erkundung einbauen, dass er einen echten praktischen Wert besitzt. Schon die Möglichkeit, ihn über das Auge von Graeae zu rufen, spricht dafür, dass er mehr als eine einmalige Questfahrt sein soll. Ob Spieler ihn nach der ersten Woche weiterhin nutzen, wird sich dennoch erst im Alltag zeigen. Effizienz gewinnt in Open-World-Spielen meistens ziemlich schnell gegen Romantik.
Ich würde Snezhnaya gerade deshalb anfangs bewusst langsamer spielen. Wer sofort alle Teleportpunkte auf der Karte abarbeitet, bekommt zwar schnell eine komfortable Infrastruktur, überspringt aber möglicherweise einen Teil dessen, was die Region räumlich besonders machen soll. Bei einem Land, auf das wir so lange gewartet haben, muss der erste Abend nicht direkt zur Optimierungsübung werden.
Der Shooter-Modus ist spannend, aber noch kein zweites Genshin-Kampfsystem
Die ungewöhnlichste Neuerung von Version 7.0 ist ohne Zweifel der Third-Person-Shooter-Modus. Spieler erhalten Zugang zu Schusswaffen und kämpfen damit in unterschiedlichen Umgebungen, die laut HoYoverse verschiedene Taktiken verlangen. Zum Start werden drei neue Schusswaffen eingeführt, während weitere Erweiterungen in Snezhnaya gefunden werden können.
Das klingt zunächst deutlich größer als eines der üblichen kleinen Event-Minispiele. Trotzdem würde ich daraus vor dem Spielen keine grundlegende Neuausrichtung von Genshin ableiten. HoYoverse experimentiert seit Jahren mit Spielmechaniken, die für einige Wochen erstaunlich umfangreich wirken und später nur noch eine Nebenrolle spielen. Erst wenn der TPS-Modus über mehrere Versionen gepflegt, erweitert und wieder aufgegriffen wird, kann man sinnvoll von einem dauerhaften zweiten Kampfsystem sprechen.

Aus Spielersicht ist das momentan auch gar nicht nötig. Drei Waffen in Genshin auszuprobieren, reicht als Grund vollkommen aus, den Modus anzusehen. Interessanter wird später die Frage, ob Waffen unterschiedliche Rollen wirklich spürbar machen und ob das System mehr verlangt als Zielen, Schießen und gelegentlich eine besondere Mechanik aktivieren. Version 7.0 liefert hier vor allem einen ungewöhnlichen Testballon.
Stellar-Verwirbelung macht das neue Reaktionssystem langsam ernst
Beim Kampfsystem steckt die wichtigere Entwicklung wahrscheinlich an anderer Stelle. Mit Stellar-Verwirbelung führt HoYoverse direkt nach Stellar-Supraleiter die nächste Stellarfunkeln-Reaktion ein. Sie entsteht aus Anemo und Kryo und erzeugt einen Sternenglanz-Wirbelwind, dessen Wirkung sich durch wiederholtes Auslösen steigern lässt. Für die Erkundung bekommt die Reaktion zusätzlich eine Funktion, weil sie die Sprunghöhe erhöhen kann.
Damit wird klarer, dass Luna VIII kein einzelnes Experiment mit Stellar-Supraleiter war. HoYoverse baut die bekannte Elementarlogik schrittweise um eine weitere Reaktionsebene aus. Für Spieler mit älteren Accounts kann das interessanter werden als eine einzelne neue Figur, weil solche Systeme vorhandene Charaktere und Teamkombinationen neu bewerten können. Ob daraus tatsächlich starke neue Teams entstehen, hängt allerdings davon ab, wie zuverlässig die Reaktionen ausgelöst werden und welche Figuren sie sinnvoll unterstützen.
Auch der Reisende bekommt in Snezhnaya Kryo-Kräfte und soll damit innerhalb der Truppe Stellarfunkeln-Reaktionen auslösen können. Gerade für Spieler, die erst einmal ausprobieren wollen, wie sich das System überhaupt anfühlt, ist das wichtig. Man muss nicht sofort einen neuen 5-Sterne-Charakter ziehen, nur um Zugang zu den grundlegenden Mechaniken von Version 7.0 zu bekommen.
Bei Odette sollte man den Banner-Hype vom tatsächlichen Account-Nutzen trennen
Odette ist eine 5-Sterne-Kryo-Figur mit Einhänder und als Ballerina eng mit der künstlerischen Seite Snezhnayas verbunden. Gleichzeitig gehört sie zu den Fatui und arbeitete unter La Signora. Spielerisch ist vor allem relevant, dass sie normale Reaktionen in ihre Stellar-Varianten überführen und den Schaden von Stellarfunkeln-Reaktionen innerhalb ihrer Gruppe erhöhen kann. Ihre Mechanik mit einem Solotanz-Schatten ist ebenfalls direkt auf dieses System zugeschnitten.
Damit sieht Odette nach einer Figur aus, die für Spieler besonders interessant wird, wenn sie Stellar-Reaktionen gezielt aufbauen wollen. Genau deshalb würde ich vor einem Pull trotzdem die ersten praktischen Tests abwarten. Wie flexibel funktioniert sie außerhalb solcher Teams? Welche vorhandenen Figuren harmonieren tatsächlich mit ihr? Und wie groß ist der Unterschied zwischen einem Team mit Odette und einer günstigeren Variante mit bestehenden Charakteren?
Diese Fragen sind besonders relevant, weil Arlecchino ebenfalls in Phase eins zurückkehrt. Wer schon länger auf sie wartet, sollte seinen Sparplan nicht nur deshalb umwerfen, weil Odette neu ist und gerade im Zentrum des Versionsmarketings steht. Phase zwei bringt anschließend Flins und Ineffa zurück. Version 7.0 bietet also genug Möglichkeiten, Urgestein loszuwerden; eine neue Region bedeutet trotzdem nicht automatisch, dass der eigene Account dringend eine neue 5-Sterne-Figur braucht.
Alyosha, 560 Urgestein und Diona sind die praktischeren Belohnungen
Deutlich unkomplizierter ist Alyosha. Der neue 4-Sterne-Elektro-Charakter kämpft mit einer Stangenwaffe und wird von seinem Jagdhund Tugarin begleitet. Er unterstützt Stellar-Supraleiter und kann Lebenspunkte von Gruppenmitgliedern wiederherstellen. Vor allem lässt er sich im Verlauf des neuen Archontenauftrags kostenlos freischalten.
Das ist für Spieler relevanter, als ein weiterer 4-Sterne-Charakter auf einem Banner zunächst klingt. Wer schon einmal gezielt einen bestimmten 4-Sterne-Charakter ziehen wollte, kennt das Problem: Selbst viele Wünsche garantieren nicht unbedingt die gewünschte Figur. Alyosha über die Geschichte zu bekommen, nimmt diesen Zufallsfaktor komplett heraus. Gleichzeitig eignet er sich thematisch natürlich gut, um das neue Reaktionssystem auszuprobieren.
Auch sonst lohnt sich die Archontenquest direkt zum Start. HoYoverse nennt bis zu 560 Urgestein als Belohnung für den Abschluss. Dazu kommen die neuen „Abenteuernotizen über Snezhnaya“, die den Erkundungsfortschritt übersichtlicher erfassen sollen. Über zeitlich begrenzte Aktionen kann außerdem Diona kostenlos eingeladen werden, während Miliastra Wonderland mit einem weiteren Event und kosmetischen Belohnungen erweitert wird.
Am ersten Tag würde ich deshalb nicht mit dem Banner anfangen
Wenn ich Version 7.0 heute starte, wäre Odette tatsächlich nicht mein erster Klick. Ich würde zunächst Snezhnaya öffnen, mir ansehen, wie störend oder angenehm die Kältemechanik umgesetzt wurde und ein Gefühl dafür bekommen, wie Zug, Auge von Graeae und die neue Landschaft zusammenspielen. Danach bietet sich die Archontenquest an, weil sie Story, Alyosha und einen relevanten Teil der neuen Urgestein-Belohnungen miteinander verbindet.
Erst danach würde ich mich intensiver mit Stellar-Verwirbelung und Odette beschäftigen. Gerade neue Reaktionssysteme wirken auf dem Papier schnell mächtiger oder komplizierter, als sie sich nach einigen Tagen tatsächlich spielen. Ein paar frühe Teamtests aus der Community können bei der Pull-Entscheidung mehr wert sein als jede Beschreibung eines neuen Kits.
Der TPS-Modus darf währenddessen einfach das sein, was er zunächst ist: eine ziemlich seltsame und deshalb interessante neue Aktivität in Genshin. Ob daraus mehr wird, muss HoYoverse später beweisen. Für Version 7.0 liegt das größere Versprechen ohnehin woanders. Nach Jahren, in denen wir Snezhnaya fast ausschließlich über Fatui und ihre Konflikte kennengelernt haben, können wir dieses Land jetzt erstmals selbst betreten – und genau daran wird sich dieser Versionssprung messen lassen.



