Amazfit wird auf der IFA 2026 in Berlin keinen eigenen Auftritt haben. Das bestätigte uns die zuständige Pressebetreuung auf Nachfrage. Statt einer großen Messepräsenz konzentriert sich die Marke derzeit stärker auf Sportveranstaltungen wie HYROX und das UTMB-Umfeld. Interessant war dabei ein anderer Hinweis: Neue Hardware habe man zuletzt tatsächlich weniger kommuniziert, dafür stärker die Apple-Integration von Amazfit.
Dahinter steckt mehr als die übliche Verbesserung einer Begleit-App. Apple hat mit iOS 26.5 in der Europäischen Union neue Möglichkeiten für Zubehörgeräte geschaffen. Amazfit nutzt diese inzwischen, um eine der größten Einschränkungen seiner Smartwatches am iPhone zu reduzieren: Benachrichtigungen lassen sich auf unterstützten Modellen nicht mehr nur lesen. Nutzer können teilweise direkt auf der Uhr reagieren und Nachrichten beantworten.
Amazfit-Uhren konnten am iPhone bisher deutlich weniger
Wer eine Amazfit-Uhr mit einem Android-Smartphone verwendet, kennt schon länger vergleichsweise umfangreiche Möglichkeiten beim Umgang mit Benachrichtigungen. Am iPhone waren Drittanbieter-Uhren stärker eingeschränkt. Nachrichten erschienen auf der Uhr, eine echte Interaktion mit ihnen war jedoch weitgehend Sache des Smartphones beziehungsweise der Apple Watch.
Genau an dieser Stelle setzt das neue Notification Forwarding von iOS an. Apple ermöglicht Zubehörgeräten damit, weitergeleitete Benachrichtigungen nicht nur darzustellen. Unterstützt eine Benachrichtigung entsprechende Aktionen, können diese ebenfalls auf dem verbundenen Gerät verfügbar gemacht werden. Amazfit hat die Funktion inzwischen als Beta in Zepp OS integriert.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail. Im Alltag macht es allerdings einen erheblichen Unterschied, ob beim Eingang einer WhatsApp-Nachricht lediglich der Text auf dem Handgelenk erscheint oder ob sich dort gleich antworten lässt.
Nachrichten beantworten und Aktionen direkt auf der Amazfit-Uhr ausführen
Amazfit nennt drei wesentliche Erweiterungen. Unterstützte Nachrichten können direkt von der Uhr beantwortet werden. Bei Benachrichtigungen mit hinterlegten Schnellaktionen lassen sich diese ebenfalls ausführen, etwa ein Rückruf nach einem verpassten Anruf. Enthält eine Benachrichtigung ein Bild und gibt iOS dieses an das Zubehörgerät weiter, kann auch das Bild auf der Uhr angezeigt werden.
Welche Möglichkeiten tatsächlich erscheinen, entscheidet allerdings weiterhin iOS. Eine Amazfit-Uhr erhält nur die Aktionen, die das iPhone für die jeweilige Benachrichtigung zur Verfügung stellt und an das Gerät weiterleitet. Amazfit nennt iMessage und WhatsApp als Beispiele für Nachrichten, bei denen Antworten möglich sein können. Systemmeldungen, Werbebenachrichtigungen oder andere Benachrichtigungstypen müssen dagegen keine Antwortfunktion besitzen.
Damit nähert sich die Bedienung einer Amazfit-Uhr am iPhone dem an, was Nutzer von stärker integrierten Smartwatch-Systemen erwarten. Vollständig gleichgestellt mit einer Apple Watch ist eine Amazfit damit trotzdem nicht.
Die Funktion startet ausgerechnet in der EU
Bemerkenswert ist, dass europäische Nutzer dieses Mal zuerst profitieren. Notification Forwarding ist nach Angaben von Zepp derzeit auf berechtigte Nutzer innerhalb der Europäischen Union beschränkt. Hintergrund sind Änderungen, die Apple im Zusammenhang mit dem europäischen Digital Markets Act vorgenommen hat.
Das erklärt auch, warum Amazfit diese Entwicklung derzeit stärker kommuniziert. Die Verbesserung entsteht teilweise dadurch, dass Apple sein bislang sehr geschlossenes Zusammenspiel zwischen iPhone und Zubehör öffnen muss. Für Hersteller wie Zepp Health ergeben sich dadurch Funktionen, die technisch vorher nur eingeschränkt erreichbar waren.
Für Nutzer ist die regulatorische Vorgeschichte letztlich zweitrangig. Praktisch zählt, dass eine Smartwatch eines anderen Herstellers am iPhone weniger stark eingeschränkt wird.
Welche Amazfit-Uhren unterstützen die neue iPhone-Funktion?
Der Rollout erfolgt schrittweise. Zum Start nennt Zepp aktuell Amazfit Cheetah 2 Ultra, Balance Ultra und Balance 3 mit der entsprechenden Softwareversion. Weitere Modelle sollen folgen. Dazu gehören Active 3 Premium, Cheetah 2 Pro, T-Rex 3, beide Größen der T-Rex 3 Pro, T-Rex Ultra 2, Active MAX, Bip Max und Balance 2. Weitere Geräte mit Zepp OS 6 oder neuer sollen ebenfalls hinzukommen.
Vorausgesetzt werden derzeit mindestens iOS 26.5, die Zepp App ab Version 10.5.5 und eine passende Firmware auf der Uhr. Zusätzlich muss das Apple-Konto beziehungsweise das Gerät für die Funktion in der EU berechtigt sein.
In der Zepp App lässt sich Notification Forwarding über die Gerätefunktionen beziehungsweise die Einstellungen für App-Benachrichtigungen aktivieren. Anschließend bestimmt der Nutzer in iOS, welche Apps ihre Meldungen an die Uhr weiterreichen dürfen.
Ganz fertig ist die Apple-Integration noch nicht
Zepp bezeichnet Notification Forwarding ausdrücklich als Beta. Das ist relevant, denn die offizielle Dokumentation nennt derzeit mehrere bekannte Probleme. Benachrichtigungen können vereinzelt ausbleiben, Antworten fehlschlagen oder Aktionen auf der Uhr ohne Wirkung bleiben. Auch die Synchronisierung beim Löschen einer Nachricht funktioniert noch nicht in jeder Situation zuverlässig. Bilder können fehlen oder nur in reduzierter Qualität übertragen werden.
Live Activities unterstützt Amazfit über diesen Weg derzeit ebenfalls nicht. Die Funktion konzentriert sich zunächst auf normale App-Benachrichtigungen. Wer mit dem neuen System Probleme hat, kann laut Zepp außerdem wieder auf die bisherige einfache Weiterleitung von Benachrichtigungen zurückwechseln.
Das ist deshalb wichtig, weil aus der Ankündigung schnell der Eindruck entstehen könnte, Amazfit habe nun praktisch die gleichen Möglichkeiten wie eine Apple Watch. So weit ist es noch nicht. Apple kontrolliert weiterhin, welche Aktionen iOS weitergibt, und Amazfit hängt bei der Umsetzung von diesen Schnittstellen ab.
Für iPhone-Nutzer wird Amazfit trotzdem deutlich interessanter
Die Entwicklung trifft einen empfindlichen Punkt bei der Kaufentscheidung. Amazfit bietet schon lange Smartwatches mit Laufzeiten, die bei klassischen Smartwatches von Apple oder Wear OS schwer erreichbar sind. Dazu kommen inzwischen ein deutlich stärkerer Sportfokus, eigene Trainingsfunktionen und mit Zepp OS eine Plattform, die kontinuierlich ausgebaut wird.
Ein iPhone-Nutzer musste dafür bisher bei den Smartwatch-Funktionen einige Einschränkungen akzeptieren. Je besser Apple Drittanbieter-Wearables in Bereiche wie Benachrichtigungen und Gesundheitsdaten einbindet, desto weniger schwer wiegt dieser Nachteil.
Das dürfte für Amazfit strategisch wichtiger sein als manche neue Sensorangabe auf dem Datenblatt. Eine Balance oder T-Rex muss am iPhone keine Apple Watch ersetzen, um attraktiv zu sein. Sie muss im Alltag ausreichend gut integriert sein, damit lange Akkulaufzeit, Sportfunktionen oder der Preis nicht durch störende Einschränkungen beim Smartphone erkauft werden.
Amazfit ohne IFA, aber mit einer interessanten Softwareentwicklung
Dass Amazfit 2026 keinen eigenen IFA-Auftritt in Berlin plant, bedeutet deshalb nicht, dass bei der Marke wenig passiert. Die offizielle Presseübersicht zeigt für dieses Jahr bereits neue Modelle wie Balance 3, Balance Ultra, Cheetah 2 Ultra, T-Rex Ultra 2 und den Helio Strap Pro. Ende Juni folgte die Mitteilung über die interaktiven iOS-Benachrichtigungen.
Gerade diese Softwareseite werden wir genauer beobachten. Interessant ist weniger, ob eine einzelne WhatsApp-Antwort grundsätzlich funktioniert. Entscheidend ist, wie zuverlässig eine aktuelle Amazfit-Uhr inzwischen mit einem iPhone zusammenspielt und welche Einschränkungen gegenüber Android und der Apple Watch übrig bleiben.
Das wäre auch der sinnvollere Praxistest: dieselbe Amazfit-Uhr einige Tage mit Android und anschließend mit einem aktuellen iPhone nutzen. Dann lässt sich ziemlich schnell feststellen, ob die neue Apple-Integration nur auf dem Datenblatt gut aussieht oder ob Amazfit für iPhone-Nutzer 2026 tatsächlich eine ernsthafte Alternative geworden ist.


