Ein Auto steht am Straßenrand, also wird es genommen. Wenig später hängt die Polizei am Heck, der Wagen sieht nach einigen Kollisionen nur noch bedingt straßentauglich aus und auf der Minikarte wird hektisch nach einer Möglichkeit gesucht, die Verfolger abzuschütteln. Dazwischen gibt es Schusswechsel, einen Überfall, einen Waffenladen, ein Apartment und die ersten Kontakte in einer Stadt, die langfristig von anderen Spielern bevölkert werden soll. Wer bei dieser Beschreibung sofort an GTA denkt, liegt mit der Assoziation ziemlich genau dort, wo Gangstar Mirage City: Online hinwill.
Die Gangstar-Reihe begleitet Mobile Gaming schon deutlich länger als viele der heute dominierenden Free-to-Play-Marken. Ihre Spiele hatten dabei immer eine leicht erklärbare Aufgabe: ein Stück der großen offenen Crime-Game-Fantasie auf Smartphones zu bringen. Mit Gangstar Mirage City kehrt dieses Konzept 2026 in einer Form zurück, die stärker auf Multiplayer, dauerhafte Progression und eine gemeinsame Online-Welt zugeschnitten ist. Level Infinite veröffentlicht das Spiel unter offizieller Lizenz von Gameloft und bezeichnet es als Multiplayer-Open-World-Action-RPG. Seit dem 20. August 2026 läuft der Titel auf Android und iOS in einem regionalen Soft Launch. Die deutsche Google-Play-Seite ist ebenfalls erreichbar.
Damit trifft Gangstar Mirage City auf einen Mobile-Markt, der technisch längst bereit für größere 3D-Welten ist, bei der eigentlichen Spielidee aber erstaunlich wenige überzeugende GTA-Alternativen hervorgebracht hat. Es gibt zahllose Shooter, Rennspiele, Survival-Games und MMOs. Ein Spiel, in dem man einfach durch eine Stadt fährt, Jobs übernimmt, Waffen kauft, Ärger mit der Polizei bekommt, andere Spieler trifft und sich vom kleinen Straßenkriminellen zum Besitzer eines Penthouses hocharbeitet, ist auf dem Smartphone weiterhin ungewöhnlicher, als man vermuten könnte.
Genau deshalb fällt Gangstar Mirage City sofort auf. Das Spiel versucht gar nicht erst, seine Vorbilder zu verstecken. Schon die ersten Minuten bedienen fast das komplette Vokabular moderner Open-World-Crime-Games: Charaktererstellung, bewaffneter Überfall, Deckungssystem, Fluchtwagen, Fahndungsstufen, Polizeiverfolgung, Straßenverkehr, Waffenladen, Apartment, Smartphone-Menü und eine große Karte voller Aktivitäten. Selbst das klassische Prinzip, dass mit zunehmender Zahl der Fahndungssterne der Druck durch die Polizei steigt, gehört zum System.
Wer deshalb nach einem GTA RP für Android oder iPhone sucht, dürfte Gangstar Mirage City schnell entdecken. Ganz korrekt ist diese Bezeichnung allerdings nicht. Mirage City ist bislang deutlich stärker Action-RPG und GTA-Online-artige Sandbox als echte Rollenspielsimulation mit festen Spielerrollen, ausgefeilter Wirtschaft und konsequentem In-Character-Spiel. Trotzdem entsteht schon beim Einstieg genau der Reiz, der solche Spiele trägt: Man bekommt eine Stadt und möchte wissen, was sich darin alles anstellen lässt.
Gangstar Mirage City startet gleich mit einem großen Überfall
Der Einstieg hält sich nicht lange mit kleinen Botengängen auf. Nach der Charaktererstellung landet man praktisch direkt mitten in einer größeren kriminellen Operation. Aussehen, Frisur, Make-up und verschiedene optische Vorgaben lassen sich zunächst anpassen, bevor die eigentliche Geschichte beginnt.
Anschließend wird geschossen, Deckung gesucht und Geld eingesammelt. Besonders angenehm fällt dabei auf, dass Gangstar Mirage City seine Touch-Steuerung recht klassisch aufbaut. Bewegung und Kamera liegen auf den üblichen Bildschirmbereichen, während kontextabhängige Aktionen zusätzliche Buttons einblenden. Beim Schießen kann Deckung genutzt werden, Waffen müssen nachgeladen werden und Gegner reagieren auf Treffer. Auch Teile der Umgebung lassen sich beschädigen.
Der Überfall dient dabei geschickt als Tutorial. Statt zuerst zwanzig einzelne Hinweistafeln durchzuklicken, lernt man zentrale Mechaniken während einer Mission kennen. Wie funktioniert das Zielen? Wie gehe ich in Deckung? Wie sammle ich Beute ein? Wie fliehe ich mit einem Fahrzeug? Viele dieser Grundlagen werden innerhalb weniger Minuten abgearbeitet.
Beim Einsammeln des Geldes entsteht sogar etwas Zeitdruck. Die Polizei ist unterwegs und irgendwann muss entschieden werden, ob noch ein paar zusätzliche Scheine mitgenommen werden oder besser die Flucht beginnt. Es ist eine kleine Mechanik, funktioniert aber besser als ein vollständig geskripteter Tutorialablauf, weil zumindest kurz ein eigenes Risiko-Nutzen-Gefühl entsteht.
Die Verfolgungsjagden gehören schon früh zu den stärkeren Momenten
Sobald Gangstar Mirage City den Spieler hinter das Steuer setzt, wird der Vergleich mit GTA noch deutlicher. Fahrzeuge können beschädigt werden, verschiedene Kameraperspektiven stehen zur Verfügung und bei Straftaten steigt der Fahndungslevel.
Das System ist leicht verständlich. Wer von der Polizei gesucht wird, muss Abstand gewinnen und anschließend lange genug außerhalb des Sichtbereichs der Patrouillen bleiben. Wird man wieder entdeckt, geht die Jagd weiter. Mit höheren Fahndungsstufen wächst der Druck.
Dabei entsteht schnell jene Mischung aus Chaos und Improvisation, die für Open-World-Spiele wichtiger ist als perfekt geskriptete Missionen. Eine geplante Flucht verwandelt sich nach wenigen Sekunden in eine Irrfahrt durch Nebenstraßen, der Wagen kassiert Treffer und Kollisionen, irgendwo scheint eine Sackgasse aufzutauchen und plötzlich fährt die Polizei doch am Spieler vorbei. Solche Situationen sind letztlich der eigentliche Test dafür, ob eine offene Stadt als Spielplatz funktioniert.
Die Fahrzeugsteuerung wirkt dabei grundsätzlich brauchbar und ausreichend direkt. Während des Tutorials wird sie zunächst teilweise eingeschränkt, weil einzelne Funktionen schrittweise erklärt werden. Später lässt sich deutlich freier fahren. Verkehr, Laternen, andere Fahrzeuge und kleinere Objekte sorgen dafür, dass eine hektische Flucht schnell entsprechend chaotisch aussieht.
Mirage City wirkt für ein Mobile-Spiel erstaunlich aufwendig
Grafisch gehört Gangstar Mirage City zu den interessanteren aktuellen Open-World-Spielen auf dem Smartphone. Gerade bei Nacht funktioniert die Stadt mit beleuchteten Straßen, Gebäuden und Fahrzeugen gut. Auch Innenräume wie der Waffenladen sind detailliert genug gestaltet, dass sie nicht nur wie funktionale Menü-Hintergründe wirken.
In den Einstellungen lässt sich die Grafikqualität anpassen. Bereits auf der hohen Stufe macht das Spiel einen guten Eindruck, stärkere Smartphones können entsprechend weiter experimentieren. Zusätzlich gibt es Optionen, mit denen sich der Energieverbrauch reduzieren lässt.
Ganz sauber läuft die technische Seite noch nicht. Während der ersten Spielzeit können kleinere Ruckler auftreten, und auch vereinzelte Darstellungsfehler sind möglich. Das passt zum aktuellen Soft-Launch-Status. Im Google Play Store berichten Nutzer ebenfalls sowohl von guter Grafik als auch von Abstürzen, Performance-Problemen oder Schwierigkeiten beim Start auf einzelnen Geräten.
Interessant wird deshalb sein, wie gut Level Infinite das Spiel für die enorme Bandbreite an Android-Hardware optimiert. Eine große Online-Stadt mit Verkehr, anderen Spielern, Feuergefechten und detaillierter 3D-Grafik ist erheblich anspruchsvoller als ein typisches Mobile Game.
Nach dem Tutorial beginnt die eigentliche Gangster-Karriere
Nach der actionreichen Einführung springt die Handlung mehrere Jahre weiter. Jetzt beginnt der Teil, der für die langfristige Qualität von Gangstar Mirage City entscheidend sein dürfte.
Der Spieler erhält ein Apartment, kann dort seine Kleidung wechseln und bekommt Zugriff auf ein virtuelles Smartphone. Darüber werden unter anderem Missionen, Freunde, Erfolge und Hilfefunktionen verwaltet. Wohnungen sind zugleich geschützte Bereiche, in denen keine Angriffe möglich sind.
Dieses Smartphone ist mehr als ein optisches GTA-Zitat. Es dient als zentrale Oberfläche für verschiedene Systeme und dürfte mit zunehmendem Fortschritt wichtiger werden. Gerade ein dauerhaftes Online-Spiel braucht einen Ort, an dem soziale Funktionen, Aktivitäten und Progression zusammenlaufen.
Kurz darauf führt die Handlung zum Waffenhändler. Dort lassen sich verschiedene Waffenklassen, Munition und Verbrauchsgegenstände ansehen. Pistolen bilden erwartungsgemäß nur den Anfang. Später kommen unter anderem Maschinenpistolen, Gewehre, Granaten und schwerere Waffen hinzu. Zu den einzelnen Waffen zeigt das Spiel Werte wie Schaden und Feuerrate an.
Einige Gegenstände sind an höhere Level gekoppelt. Schon hier wird deutlich, dass hinter der offenen Stadt ein klassisches Progressionssystem arbeitet. Wer bessere Ausrüstung, Fahrzeuge und Lebensstil-Objekte besitzen möchte, muss spielen, Geld verdienen und seinen Charakter weiterentwickeln.
Das große Versprechen heißt Multiplayer
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie gut sich die erste Stunde spielt. Interessanter ist, was nach zehn, zwanzig oder hundert Stunden noch passiert.
Gangstar Mirage City soll eine dauerhaft belebte Multiplayer-Welt bieten. Level Infinite nennt Koop-Überfälle, PvP-Kämpfe, Straßenrennen, rivalisierende Crews, eigene Geschäfte und Kämpfe um Territorien als zentrale Bestandteile. Erfolgreiche Spieler sollen ihr Vermögen in bessere Fahrzeuge, Immobilien und ihr eigenes kriminelles Imperium investieren können.
Während des frühen Einstiegs bekommt man davon zwangsläufig noch wenig zu sehen. Das Spiel führt zunächst kontrolliert durch seine Systeme und schützt neue Spieler außerdem vor direkten Angriffen erfahrener Nutzer. Eine solche Anfängerschutz-Funktion ist sinnvoll. In einer offenen PvP-Welt würde ein neuer Spieler ansonsten möglicherweise bereits auf dem Weg zum ersten Waffenladen von einem deutlich stärkeren Gegner ausgeschaltet.
Erst wenn diese Schutzphase endet und mehr Spieler gleichzeitig durch die Stadt ziehen, wird sichtbar werden, wie gut das eigentliche Online-Konzept funktioniert. Eine große Karte allein erzeugt noch keine glaubwürdige Multiplayer-Welt. Dafür braucht es genügend interessante Aktivitäten, Begegnungen und Gründe, sich mit anderen Spielern zusammenzutun.
GTA RP fürs Handy? Der Vergleich greift nur teilweise
Der Begriff GTA RP dürfte rund um Gangstar Mirage City trotzdem häufiger auftauchen. Autos, Waffen, Apartments, Jobs, Spielerinteraktion und eine offene Stadt liefern schließlich fast alle Zutaten, die oberflächlich dazu passen.
Beim klassischen GTA Roleplay kommt jedoch etwas Entscheidendes hinzu: Spieler übernehmen Rollen und verhalten sich innerhalb einer gemeinsam akzeptierten Spielwelt entsprechend. Polizisten, Rettungsdienste, Geschäftsinhaber oder Kriminelle entstehen dort häufig durch Serverregeln und die Community selbst.
Gangstar Mirage City folgt bisher einem stärker durch das Spiel vorgegebenen Aufbau. Missionen, Waffenprogression, Geschäfte, Heists, PvP und Crew-Systeme stehen im Mittelpunkt. Deshalb erinnert es derzeit stärker an eine für Smartphones entwickelte Interpretation von GTA Online als an einen mobilen Ersatz für klassische GTA-RP-Server.
Das muss kein Nachteil sein. Auf einem Touchscreen kann ein klar strukturiertes Online-Spiel sogar besser funktionieren als eine möglichst vollständige Simulation. Entscheidend ist, wie viel Freiheit zwischen den vorgegebenen Aktivitäten bestehen bleibt.
Mit Autos, Wohnungen und Waffen entsteht langsam ein eigenes Leben in Mirage City
Gerade diese Freiheit könnte Gangstar Mirage City langfristig interessant machen. Bereits der Anfang zeigt, dass der Charakter nicht ausschließlich von Mission zu Mission geschoben wird. Kleidung kann gewechselt werden, Fahrzeuge stehen überall in der Stadt, Geschäfte lassen sich besuchen und das Smartphone verbindet verschiedene Systeme miteinander.
Später sollen eigene Untergrundgeschäfte, bessere Wohnungen und umfangreiche Fahrzeugsammlungen hinzukommen. Level Infinite spricht außerdem von modifizierbaren Fahrzeugen und verschiedenen Territorien, um die Crews konkurrieren können.
Damit bekommt Geld eine wichtige Funktion. Es ist nicht einfach nur eine Zahl für bessere Waffen. Es bildet die Grundlage für den sichtbaren sozialen Fortschritt innerhalb der Spielwelt. Ein Spieler beginnt mit wenig und arbeitet sich zu teuren Autos, Immobilien und einem eigenen Imperium hoch.
Genau dieses Prinzip trägt viele langlebige Online-Games. Spieler brauchen Ziele, die sie sehen und zeigen können. Ein neues Gewehr verbessert Werte. Ein Penthouse und eine Garage voller Fahrzeuge verändern dagegen auch die eigene Position innerhalb der Spielwelt.
Der erste Eindruck von Gangstar Mirage City ist überraschend ordentlich
Gangstar Mirage City löst das große Versprechen einer vollständigen GTA-Alternative auf dem Smartphone nach den ersten Spielstunden natürlich noch nicht ein. Dafür müsste man wesentlich länger sehen, wie abwechslungsreich Missionen und Jobs bleiben, wie gut der Multiplayer skaliert und wie aggressiv die Free-to-Play-Monetarisierung später in die Progression eingreift.
Der Einstieg macht allerdings vieles richtig. Die Steuerung funktioniert für ein Mobile-Spiel ordentlich, die Stadt sieht gut aus, Fahrzeuge und Schusswechsel vermitteln schnell das gewünschte Open-World-Gefühl und das Tutorial führt durch erstaunlich viele Mechaniken, ohne vollständig in Menüerklärungen zu versinken.
Vor allem wirkt Gangstar Mirage City tatsächlich wie ein Spiel, das für diese offene Stadt gebaut wurde. Man fährt nicht bloß von einer instanzierten Mission zur nächsten. Polizei, Fahrzeuge, Apartments, Waffenläden, andere Spieler und das Fahndungssystem gehören zur gleichen Umgebung.
Mit mehr als 500.000 Downloads bei Google Play kurz nach dem aktuellen Launch ist zudem bereits eine relevante Spielerbasis vorhanden. Die Store-Bewertungen zeigen zugleich, dass Level Infinite bei Stabilität und Optimierung noch Arbeit vor sich hat.
Für Fans von GTA-ähnlichen Spielen auf Android und iPhone ist Gangstar Mirage City deshalb schon jetzt einer der interessanteren Neustarts des Jahres. Wer eine komplette RP-Simulation erwartet, sollte seine Erwartungen korrigieren. Wer dagegen eine offene Crime-Sandbox mit Autos, Waffen, Polizei, Missionen, Koop-Heists und Multiplayer sucht, findet hier ein Spiel, das genau diese Lücke besetzen möchte.
Und vielleicht ist das derzeit die spannendere Frage: weniger, ob Gangstar Mirage City irgendwann ein „GTA fürs Handy“ wird, sondern ob Mirage City genug eigene Aktivitäten, Chaos und Spielerinteraktion entwickelt, damit man nach dem ersten spektakulären Banküberfall überhaupt nicht mehr darüber nachdenkt.



