Es gibt Multiplayer-Spiele, bei denen man erst nach mehreren Stunden versteht, warum andere Spieler so viel besser sind. SpeedRunners 2: King of Speed schafft dieses Gefühl schon nach wenigen Minuten. Rennen, springen, rutschen, Hindernissen ausweichen und möglichst weit vorne bleiben – die Grundlagen sind sofort klar. Dann zieht ein Gegner mit perfektem Timing an einem Booster vorbei, nimmt die bessere Route durch die Strecke und verschwindet so schnell nach vorn, dass der eigene Charakter wenige Sekunden später aus dem Bild fliegt. Runde verloren.
Genau daraus zieht SpeedRunners 2 seinen Reiz. Der Platformer verbindet klassische 2D-Bewegung mit einem Rennspiel, bei dem sich das eigentliche Spielfeld ständig verschiebt. Wer vorne liegt, zwingt den Rest der Gruppe zur Reaktion. Wer hängen bleibt, einen Sprung verpasst oder von einem Item erwischt wird, muss den verlorenen Abstand innerhalb weniger Sekunden wieder aufholen. Das sorgt für Rennen, die auf den ersten Blick ziemlich chaotisch aussehen können, sich nach kurzer Eingewöhnung aber überraschend präzise spielen.
Der zweite Teil greift damit eine ungewöhnliche Formel wieder auf, die schon das ursprüngliche SpeedRunners ausgezeichnet hat. Entwickler Fair Play Labs und Publisher tinyBuild haben SpeedRunners 2: King of Speed am 3. September 2026 veröffentlicht. Auf dem PC steht das Spiel über Steam zur Verfügung, außerdem gibt es Versionen für PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch. Der Schwerpunkt liegt weiter klar auf den schnellen Multiplayer-Rennen, hinzu kommen unter anderem eine Einzelspieler-Kampagne, Ranglisten-Partien, Turniere und Crossplay. (Steam Store)
Das klingt zunächst nach einer überschaubaren Idee für ein Partyspiel. Schon die ersten Online-Partien zeigen allerdings, wie schnell aus dem simplen Rennen ein ziemlich anspruchsvolles Duell um Streckenkenntnis, Bewegung und Timing wird. SpeedRunners 2 bestraft kleine Fehler deutlich. Gleichzeitig bleiben die Runden kurz genug, damit eine Niederlage kaum lange nachwirkt. Ein paar Sekunden später startet bereits der nächste Versuch.
Damit landet SpeedRunners 2: King of Speed in einer interessanten Nische zwischen Partyspiel, 2D-Platformer und kompetitivem Rennspiel. Für Gelegenheitsspieler funktioniert das direkte Chaos mit Freunden. Wer tiefer einsteigt, entdeckt hinter den bunten Figuren ein Bewegungssystem, bei dem Erfahrung einen enormen Unterschied macht.
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Das Rennen wird gewonnen, indem die anderen verschwinden
Das Grundprinzip von SpeedRunners 2 lässt sich schnell erklären. Mehrere Spieler laufen gleichzeitig durch eine seitlich scrollende Strecke. Der Bildschirm folgt dem vorderen Bereich des Feldes. Gerät ein Spieler zu weit zurück und verschwindet aus dem zulässigen Bereich, ist die Runde für ihn beendet.
Dadurch entsteht eine interessante Dynamik. Ein klassisches Rennspiel besitzt ein klar definiertes Ziel, auf das alle Teilnehmer zusteuern. Hier entscheidet zunächst der Abstand zwischen den Spielern. Wer seine Konkurrenten weit genug hinter sich lässt, kann eine Runde gewinnen, lange bevor sich die Frage nach einer normalen Ziellinie stellt.
Die offiziellen Beschreibungen sprechen von einem kleiner werdenden Feuerring, der zurückliegende Spieler eliminiert. Entscheidend bleibt derselbe Effekt: Das Feld wird immer enger, bis nur noch ein Runner übrig ist.
In einer normalen Partie werden mehrere solcher Runden gespielt. Wer zuerst die notwendige Anzahl an Rundensiegen holt, entscheidet das Match für sich. Dadurch kann sich eine Partie schnell drehen. Ein Spieler kann den Anfang dominieren und anschließend durch einen schlechten Sprung, einen Treffer oder eine ungünstige Route selbst unter Druck geraten.
Streckenkenntnis ist in SpeedRunners 2 fast genauso wichtig wie Reaktion
Nach den ersten Rennen fällt vor allem auf, wie stark Map-Kenntnis über Erfolg und Niederlage entscheidet. Wer eine Strecke zum ersten Mal sieht, reagiert auf Hindernisse. Erfahrene Spieler wissen bereits vorher, an welcher Stelle sie springen, rutschen oder einen Booster mitnehmen müssen.
Das macht enorme Unterschiede aus. Eine kleine Kollision kostet vielleicht nur eine halbe Sekunde. In einem engen Rennen kann genau diese halbe Sekunde reichen, damit der Bildschirm weiterzieht und der eigene Runner anschließend kaum noch zurückkommt.
Hinzu kommen unterschiedliche Wege durch die Maps. Wandsprünge, Plattformen, Booster-Flächen, Hindernisse, Deckenbereiche für den Enterhaken und Schalter verändern den optimalen Laufweg. Die Entwickler haben nach eigenen Angaben acht Karten eingebaut, die jeweils zwei unterschiedliche Layouts besitzen. Damit ergeben sich zum Start 16 Varianten, deren Streckenführung sich nach und nach einprägen lässt.
Hier liegt vermutlich auch die langfristige Stärke des Spiels. Die Steuerung ist schnell verstanden. Einen wirklich sauberen Lauf durch eine bekannte Strecke hinzubekommen, verlangt wesentlich mehr Übung.
Items machen aus einem guten Lauf innerhalb einer Sekunde ein Problem
Reine Geschwindigkeit reicht trotzdem nicht. Auf den Strecken liegen Pick-ups, mit denen sich Gegner angreifen oder ausbremsen lassen. Raketen, Fallen, Gefrierstrahlen und der charakteristische Enterhaken gehören zu den Möglichkeiten. Insgesamt nennt tinyBuild zum Start zehn unterschiedliche Pick-ups, darunter acht bekannte und zwei neue.
Das verändert die Rennen deutlich. Ein Spieler kann technisch sauber unterwegs sein und trotzdem durch einen Treffer zurückfallen. Gleichzeitig entsteht dadurch die Chance, einen bereits verlorenen Abstand wieder aufzuholen.
Gerade der Enterhaken passt gut zum Spielprinzip. Er dient einerseits der Bewegung und kann an geeigneten Stellen Schwung erzeugen. In bestimmten Situationen lässt er sich auch offensiv gegen Konkurrenten einsetzen. Dadurch besitzt SpeedRunners 2 trotz seiner überschaubaren Steuerung genügend Mechaniken, die erst mit Erfahrung wirklich sinnvoll kombiniert werden.
Online zeigt SpeedRunners 2 sofort seine härtere Seite
Wer direkt ins normale Matchmaking springt, dürfte relativ schnell auf Spieler treffen, die Strecken und Bewegungsabläufe bereits gut beherrschen. Das Matchmaking selbst ist unkompliziert aufgebaut. Neben Quick Play gibt es unter anderem Ranked-Partien, Turniere und weitere Multiplayer-Optionen.
Auf PC und Xbox können Online-Rennen mit bis zu acht Spielern stattfinden. Lokal sind kleinere Gruppen möglich. Zusätzlich gibt es plattformübergreifendes Spielen zwischen unterstützten Systemen, was für ein Spiel dieser Art besonders wichtig ist: Ein kompetitiver Multiplayer-Titel lebt langfristig davon, ausreichend Gegner für schnelle Matches zusammenzubringen.
Der Unterschied zwischen Einsteiger und erfahrenem Runner ist allerdings sofort sichtbar. Gute Spieler bewegen sich kaum noch reaktiv durch eine Karte. Sie starten Sprünge bereits dort, wo Anfänger noch versuchen zu erkennen, welches Hindernis als Nächstes kommt.
Genau deswegen fühlt sich SpeedRunners 2 stellenweise stärker nach einem echten Speedrun an, als der bunte Comic-Stil zunächst vermuten lässt. Zehntelsekunden summieren sich. Wer einen schlechten Weg nimmt, verliert Meter. Wer anschließend noch von einem Pick-up getroffen wird, sieht seinen Charakter unter Umständen unmittelbar vom Bildschirm verschwinden.
Die Kampagne ist mehr als Beschäftigung für Solospieler
Interessant ist deshalb die Singleplayer-Kampagne von SpeedRunners 2: King of Speed. Sie enthält eine kleine Geschichte rund um die Charaktere und verbindet diese mit einzelnen Herausforderungen und Rennen. Offiziell gehört eine vollständige Story-Kampagne zum Umfang des Spiels.
Spielerisch erfüllt sie gleichzeitig einen sehr praktischen Zweck. Hier lassen sich Bewegung und Streckenmechaniken lernen, ohne sofort gegen deutlich erfahrenere menschliche Gegner antreten zu müssen. Zeitlimits, Hindernisse und kleinere Aufgaben zwingen dazu, grundlegende Bewegungsabläufe sauber auszuführen.
Gerade für Neueinsteiger dürfte das sinnvoll sein. Wer sofort einige Online-Niederlagen kassiert, könnte das Spiel zunächst für hektischer halten, als es tatsächlich ist. Nach etwas Übung wird deutlicher, dass viele Situationen kontrollierbar sind. Der Runner reagiert präzise, und Fehler lassen sich meistens nachvollziehen.
Damit fungiert die Kampagne beinahe als verlängertes Training. Sie bietet gleichzeitig genug eigenen Kontext, damit man sie auch unabhängig vom Online-Modus spielen kann.
Zwölf Runner und freischaltbare Outfits sorgen für etwas Fortschritt
Bei der Charakterauswahl stehen zum Start zwölf spielbare Runner zur Verfügung. Darunter befinden sich bekannte Figuren aus dem Vorgänger und neue Charaktere. Zusätzlich lassen sich Kostüme sowie weitere kosmetische Elemente für das Profil freischalten.
Spielerisch bleibt dabei entscheidend, wie gut man selbst mit den Bewegungsmechaniken zurechtkommt. Der größere Reiz der Figuren liegt daher in ihrer Präsentation. Die teilweise ziemlich absurden Superhelden passen zum bewusst überzeichneten Stil des Spiels und sorgen dafür, dass sich eine Lobby mit mehreren Teilnehmern visuell leichter auseinanderhalten lässt.
Das ist bei acht gleichzeitig laufenden Figuren durchaus relevant. Wenn Items explodieren, mehrere Runner springen und sich das Kamerafeld schnell verschiebt, muss die eigene Figur weiterhin erkennbar bleiben. SpeedRunners 2 wirkt bunt und teilweise hektisch, hält die für das Gameplay wichtigen Elemente dabei erstaunlich gut lesbar.
Ranked und Turniere geben dem Spiel eine zweite Ebene
Wer das grundlegende Spiel beherrscht, kann sich über den Ranked-Modus mit anderen Spielern messen. Darüber hinaus unterstützt SpeedRunners 2 Turniere mit bis zu 64 Teilnehmern. Private Lobbys und eigene Herausforderungen richten sich wiederum stärker an Gruppen, die untereinander spielen wollen.
Diese Mischung ist wichtig, weil das Spiel zwei ziemlich unterschiedliche Zielgruppen anspricht. In einer privaten Runde kann bereits das gegenseitige Sabotieren mit Items für Unterhaltung sorgen. Im Ranked-Modus wird aus derselben Mechanik schnell eine Frage optimaler Linien und sauberer Ausführung.
Der Skill-Ceiling dürfte entsprechend hoch ausfallen. Wer nur gelegentlich spielt, versteht trotzdem innerhalb kurzer Zeit, was auf dem Bildschirm passiert. Wer ernsthaft bessere Zeiten und Ergebnisse erreichen möchte, kann an Bewegungsabläufen, Abkürzungen und Item-Timing arbeiten.
SpeedRunners 2 lebt von diesem „eine Runde noch“-Effekt
Nach einigen Partien wird klar, weshalb dieses Spielprinzip auch zehn Jahre nach dem ersten SpeedRunners noch funktioniert. Eine Runde dauert nicht lange, Fehler sind sofort sichtbar und der nächste Versuch beginnt praktisch unmittelbar danach. Selbst eine deutliche Niederlage erzeugt schnell den Gedanken, dass es beim nächsten Mal besser laufen müsste.
Genau da setzt SpeedRunners 2: King of Speed an. Die Fortsetzung erweitert die alte Idee mit mehr Spielern, neuen Runnern, zusätzlichen Pick-ups, überarbeiteten Kartenvarianten, einer Kampagne und moderner Online-Infrastruktur. Gleichzeitig bleibt der eigentliche Kern erstaunlich kompakt: Du musst schneller und sauberer durch die Strecke kommen als die Leute neben dir.
Und sobald ein erfahrener Gegner in drei aufeinanderfolgenden Runden scheinbar mühelos davonläuft, weißt du auch, womit du die nächsten Matches verbringen wirst: dieselbe Strecke noch einmal spielen, den einen schlechten Sprung korrigieren und herausfinden, wo dieser verdammte Runner jedes Mal die entscheidenden zwei Meter Vorsprung herbekommt.



