IFA 2026: größer, internationaler – aber nicht automatisch besser

7 Min. Lesezeit

Die IFA 2026 ist mit starken Zahlen zu Ende gegangen. Nach Angaben der Veranstalter kamen an den fünf Messetagen 240.000 Besucher aus 155 Ländern nach Berlin, mehr als 2.000 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Technologien. Damit legte die Messe gegenüber dem Vorjahr noch einmal zu. Hinzu kamen 47 Pressekonferenzen und mehr als 5.200 akkreditierte Journalistinnen und Journalisten. Inhaltlich waren vor allem KI, Robotik, Smart Home und vernetzte Haushaltsgeräte allgegenwärtig.

Die Zahlen zeigen: An mangelnder Größe leidet die IFA nicht. Eher am Gegenteil. Das Berliner Messegelände ist weiterhin so umfangreich, dass selbst mehrere Tage kaum reichen, um mehr als einen Ausschnitt wirklich sinnvoll zu erfassen. Zwischen großen Markenauftritten, asiatischen Herstellern, Start-ups, Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik und immer neuen Themenwelten liegen teilweise erstaunlich weite Wege. Für Besucher ist das beeindruckend, für journalistisches Arbeiten aber nicht unbedingt effizient.

Gleichzeitig darf die gute Bilanz nicht darüber hinwegtäuschen, dass die IFA an einigen Stellen dringend mehr Dynamik und Modernisierung vertragen könnte. Mein Eindruck vor Ort war auch 2026 zwiespältig: Auf der einen Seite stehen aufwendig inszenierte Produktneuheiten, Roboter, KI-Anwendungen und teilweise hervorragende Markenstände. Wenige Hallen oder Verbindungsgänge weiter wirkt das Messegelände dagegen stellenweise erstaunlich nüchtern, abgegriffen oder schlicht schmuddelig. Eine Messe, die zeigen möchte, wie unser technologischer Alltag von morgen aussieht, sollte diesen Zukunftsanspruch stärker über das gesamte Erlebnis transportieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Samsung. Einer der wichtigsten Namen der Consumer Electronics war 2026 nicht mehr mit dem früher typischen großen Publikumsauftritt in den klassischen Messehallen vertreten. Samsung fungierte stattdessen als Hauptsponsor des Creator Hubs und verlagerte seinen auf Fachhandel, B2B und Medien ausgerichteten Auftritt ins Humboldt Carré in der Berliner Innenstadt. Das ist kein vollständiger Abschied von der IFA – aber durchaus ein Hinweis darauf, dass selbst große Marken inzwischen neu darüber nachdenken, wie und wo sich ein Messeauftritt noch lohnt.

Gerade deshalb bleibt für mich nach der IFA 2026 weniger die Frage, ob die Messe groß genug ist. Das ist sie zweifellos. Entscheidend wird vielmehr sein, ob es der IFA gelingt, ihre enorme Fläche, die vielen Marken und die neuen Formate künftig zu einem moderneren und dynamischeren Gesamterlebnis zu verbinden. Interessante Produkte gab es jedenfalls auch 2026 reichlich – und einige davon haben wir uns in Berlin genauer angesehen.

COSORI ICONIC Dual: Die Edelstahl-Serie bekommt zwei Garzonen

Nach der ICONIC Single im vergangenen Jahr erweitert COSORI seine Premium-Airfryer-Serie auf der IFA 2026 um die ICONIC Dual. Statt eines großen Korbs gibt es nun zwei unabhängig steuerbare 4,3-Liter-Garzonen mit insgesamt 8,6 Litern Volumen. Beide Bereiche besitzen einen eigenen DC-Motor und lassen sich mit unterschiedlicher Temperatur, Garzeit und Luftleistung betreiben; über Sync können zwei Gerichte gleichzeitig fertig werden, während Match die Einstellungen auf beide Körbe überträgt. COSORI bleibt beim hochwertigen Edelstahlgehäuse mit Bedienfeld aus gehärtetem Glas und setzt im Garraum auf eine PFAS-freie Keramikbeschichtung. Sieben Garfunktionen, fünf Lüfterstufen, 2.700 Watt Leistung sowie die Anbindung an die VeSync-App mit Rezepten und Zutatenhinweisen runden das Konzept ab. Die COSORI ICONIC Dual kostet 369 Euro und ist zum Start der IFA 2026 in Deutschland erhältlich.

Ebenfalls neu ist bei der Schwestermarke Levoit der Eleva 300X Luftreiniger. Er überwacht mit dem AirSight Plus 2.0 Sensor kontinuierlich PM1.0-, PM2.5- und PM10-Partikel, passt seine Leistung automatisch an und soll per KI sogar Hinweise darauf geben, wodurch sich die Luftqualität verschlechtert hat. Das DuoShield-Filtersystem kombiniert HEPA- und Aktivkohlefilter, für das Schlafzimmer gibt es einen besonders leisen Modus ab 19 dB sowie eine Auswertung der nächtlichen Luftqualität in der VeSync-App. Der Eleva 300X ist zum Start für rund 170 Euro erhältlich.

ECOVACS auf der IFA 2026: Neue DEEBOTs und ein stärkerer WINBOT

ECOVACS brachte zur IFA 2026 gleich mehrere neue Reinigungsroboter nach Berlin. An der Spitze steht die DEEBOT X12S Familie mit OZMO ROLLER 3.0, bis zu 27.000 Pa Saugkraft und erstmals einem beheizbaren Schmutzwassertank, der Ablagerungen und Gerüche reduzieren soll. Dazu kommt mit AGENT YIKO 3.0 die neue Generation des KI-Assistenten. Der X12S PRO OMNI startet bei 1.099 Euro, der beutellose X12S OmniCyclone bei 1.299 Euro. Darunter positioniert ECOVACS die neuen T90S- und T90-MAX-Modelle mit bis zu 40.000 Pa Saugkraft und einer 27 Zentimeter breiten, während der Reinigung kontinuierlich gespülten Wischwalze. Neu ist außerdem der WINBOT W2S PRO OMNI für Fenster: TruEdge 2.0 soll bis an die Ränder reinigen, WIN-SLAM 4.0 übernimmt die Routenplanung und der vergrößerte 120-ml-Tank reicht laut Hersteller für bis zu 75 Quadratmeter Glasfläche. Preis: 599 Euro.

Reolink: Neue OMVI-Kameras und lokale KI ohne Abo

Reolink hat auf der IFA 2026 vor allem seine OMVI-Serie und die lokale ReoNeura-KI ausgebaut. Neu ist die kabellose OMVI 2i Ultra mit 8-MP-Weitwinkelkamera, zusätzlicher 5-MP-Pan-Tilt-Kamera, SyncTrack-Tracking, 10.000-mAh-Akku und integriertem 6-Watt-Solarpanel; sie soll Ende Oktober für etwa 200 bis 250 Euro erscheinen. Darüber steht die OMVI X16 PoE als Flaggschiff mit 24 Megapixeln und 16-fachem optischem Zoom, deren Marktstart für das vierte Quartal zu 650 bis 700 Euro geplant ist. Spannend ist vor allem die Weiterentwicklung von ReoNeura: Mit der kommenden Custom AI Detection sollen Nutzer eigene Situationen wie ein geöffnetes Seitentor trainieren und dafür gezielte Benachrichtigungen erhalten – lokal und ohne Cloud-Abo. Die Funktion ist zunächst für den neuen Home Hub 2 vorgesehen, der bis zu acht Kameras verwaltet, lokale KI-Videosuche bietet und ab Herbst 159,99 Euro kosten soll; das dafür notwendige Firmware-Update wird allerdings erst für Dezember erwartet. Ergänzt wird das IFA-Line-up durch die neue TrackFlex WiFi mit 4K, Dual-Objektiv, 270-Grad-Erkennung und automatischem Tracking-Zoom.

JONR X9 Pro: Sauberer wischen mit Frischwasser und weniger Gerüchen

Mit dem JONR X9 Pro stellt JONR auf der IFA 2026 einen neuen Saug- und Wischroboter vor, der vor allem beim Thema Hygiene interessant wird. Die Wischwalze wird während der Reinigung über 16 Düsen kontinuierlich mit Frischwasser versorgt, während das Schmutzwasser direkt wieder abgesaugt wird. Im internen Schmutzwassertank des Roboters arbeitet ein Fünf-Klingen-Rührer, der das Abwasser in Bewegung hält und damit Ablagerungen sowie unangenehme Gerüche reduzieren soll. Dazu kommen KI-gestützte Haustiererkennung, ein Anti-Tangle-System gegen verhedderte Haare und eine dreifache Auto-Lift-Funktion. Bei meinem Termin am JONR-Stand machte der X9 Pro einen sehr überzeugenden Eindruck. Besonders spannend wird deshalb der angekündigte Langzeittest: Ich möchte nicht nur zeigen, wie sich der Roboter direkt nach dem Auspacken schlägt, sondern vor allem, wie zuverlässig Reinigung, Wartung und Geruchskontrolle nach mehreren Monaten im Alltag funktionieren.

Mudita Kompakt: Minimalistisches E-Ink-Smartphone mit MuditaOS K 2.0 für weniger Ablenkung

Eine der ungewöhnlicheren Smartphone-Neuheiten der IFA 2026 kommt von Mudita: Das bereits erhältliche Mudita Kompakt ist ein bewusst reduziertes Smartphone mit 4,3 Zoll großem E-Ink-Touchscreen, 32 GB Speicher, 3 GB RAM, LTE, WLAN, Bluetooth, NFC, GPS, eSIM/Dual-SIM, 8-Megapixel-Kamera und einem 3.300-mAh-Akku, der laut Hersteller bis zu sechs Tage Standby ermöglichen soll. Statt klassischem Android mit Google-Diensten läuft MuditaOS K, eine eigene, auf AOSP basierende und entgoogelte Oberfläche, deren Ziel weniger Ablenkung, mehr Datenschutz und ein bewussterer Umgang mit dem Smartphone ist; dazu gehören unter anderem Offline-Karten, Kalender, Notizen, Musik, E-Book-Reader sowie der spezielle Offline+ Modus, der Mobilfunk und Mikrofone auf Hardware-Ebene abschalten kann.

Zur IFA steht vor allem das kommende MuditaOS K 2.0 im Mittelpunkt: Neu sind unter anderem zwei unterschiedliche Launcher, Google-Kalender-Synchronisation, die kuratierte InkApps-Sammlung mit E-Ink-optimierten Apps sowie eine einfachere Verwaltung kompatibler Android-Apps, die weiterhin per Sideload installiert werden können. Das Kompakt kostet in Deutschland derzeit rund 399 Euro und richtet sich damit nicht an Käufer günstiger Handys, sondern an Nutzer, die Smartphone-Funktionen behalten, Social-Media-Dauerfeuer und ständige Ablenkung aber bewusst reduzieren wollen. Wir werden uns das Mudita Kompakt in einem ausführlicheren Praxistest noch einmal genauer anschauen.

TDM Neo: Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher in einem

Mit dem TDM Neo zeigt die noch junge Audiomarke TDM auf der IFA 2026 ein ungewöhnliches 2-in-1-Konzept: Der kabellose On-Ear-Kopfhörer lässt sich mit einer Drehbewegung zusammenklappen und verwandelt sich dadurch in einen kompakten Bluetooth-Lautsprecher. Dafür arbeiten insgesamt vier separat abgestimmte 40-mm-Treiber im Gehäuse – zwei für den Kopfhörer- und zwei für den Lautsprechermodus. Dazu kommen Bluetooth 6.0 mit Multipoint, austauschbare Ohrpolster und sogar ein austauschbarer Akku. TDM verspricht mehr als 200 Stunden Laufzeit als Kopfhörer und rund 16 Stunden als Lautsprecher; ANC gibt es allerdings nicht. Auf der IFA konnten wir den Neo selbst ausprobieren, und gerade der schnelle Wechsel zwischen privatem Hören und überraschend kräftiger Wiedergabe über die Lautsprecher machte deutlich mehr Spaß, als das zunächst etwas nach Gimmick klingende Konzept vermuten lässt. Der TDM Neo soll ab Oktober 2026 für 279 Euro in Deutschland erhältlich sein – ein ausführlicher Test wäre definitiv interessant.

Weitere Neuheiten auf der IFA 2026

Abseits dieser sieben Marken gab es auf der IFA 2026 noch einige weitere Produkte und Konzepte, die einen zweiten Blick verdienen. Zendure zeigte seine aktuellen Lösungen rund um Balkonkraftwerke, Batteriespeicher und intelligentes Energiemanagement, während Ulanzi mit neuer Creator-Hardware wie dem AU05 Vibe Key AI Keypad auftrat. Bei Looki stand ein ungewöhnliches Wearable im Mittelpunkt, das inzwischen auch auf dem deutschen Markt angekommen ist. Sharp zeigte neben seinem klassischen Unterhaltungselektronik-Portfolio unter anderem eine Smartwatch mit neuen Funktionen rund um Ernährung und Kalorienaufnahme. Auch Shelly war mit seinem weiter wachsenden Smart-Home-Ökosystem vertreten. Midea wiederum stellte mit SMART MASTER ein KI-gestütztes Smart-Home-Konzept vor, bei dem verschiedene Haushaltsgeräte über spezialisierte AI Agents und Sprachbefehle gemeinsam gesteuert werden sollen. Damit zeigte die IFA auch 2026 wieder, dass interessante Neuheiten längst nicht mehr nur aus Fernsehern, Smartphones und Saugrobotern bestehen.

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