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Ist das Vintage? Nein, das ist Retro: Mein iPod nano von 2007 lebt noch

6 Min. Lesezeit

„Ist das Vintage? Nein, das ist Retro.“ Die Kraftklub-Zeile passt erstaunlich gut zu einem Fund, den ich gestern eher zufällig gemacht habe. In einer Schublade lag ein alter iPod, zusammen mit dem passenden weißen Kabel. Blaues Aluminium, Click Wheel, winziges Display, 8 GB Speicher. Ein Gerät aus einer Zeit, in der Musik noch bewusst auf einen Player kopiert wurde und 8 Gigabyte ziemlich ordentlich klangen.

Das Überraschende kam nach dem Anschließen. Der iPod ließ sich laden. Er startete. Das Menü reagierte. Und sogar die Musikbibliothek war noch da. Nach fast zwei Jahrzehnten funktioniert dieses kleine Stück Unterhaltungselektronik einfach weiter.

Bei dem Fund handelt es sich um einen iPod nano der dritten Generation, den Apple im September 2007 vorgestellt hat. Wegen seiner ungewöhnlich breiten Bauform bekam diese Generation unter Fans schnell Spitznamen wie „Fat Nano“. Verglichen mit den extrem schlanken Modellen davor und danach wirkt das Gerät heute fast ein wenig kurios. Gleichzeitig ist genau diese Form inzwischen unverkennbar.

In diesem Artikel7 Abschnitte

Der iPod nano 3 ist inzwischen fast 20 Jahre alt

Mein Modell besitzt 8 GB Speicher und ein blaues Aluminiumgehäuse. 2007 gab es den iPod nano der dritten Generation mit 4 oder 8 GB Flash-Speicher. Das wirkt aus heutiger Sicht absurd klein. Ein einziges modernes Smartphone-Foto kann mehrere Megabyte groß sein, Apps belegen teilweise mehrere Gigabyte. Damals reichten 8 GB jedoch für eine ziemlich große Musiksammlung.

Apple gab für das 8-GB-Modell Platz für ungefähr 2.000 Songs an, abhängig von Kompression und Dateigröße. Dazu kamen Videos und Fotos. Der nano war damit längst mehr als der minimalistische Musikplayer früherer Generationen.

Besonders auffällig ist das 2 Zoll große Farbdisplay mit 320 × 240 Pixeln. Auf meinem Gerät sieht man noch die klassische deutsche Menüstruktur mit „Musik“, „Videos“, „Fotos“, „Podcasts“, „Extras“ und „Einstellungen“. Rechts daneben zeigt das damalige Cover-Flow-artige Interface Albumgrafiken an. Allein dieses Menü wirkt heute wie eine kleine Zeitkapsel.

Interessant ist außerdem, wie wenig Erklärung das Gerät braucht. Das Click Wheel funktioniert unmittelbar. Mit dem Finger bewegt man sich durch Menüs, ein Druck in die Mitte bestätigt die Auswahl. Keine Gestensteuerung, keine Accounts, keine Benachrichtigungen und keine Verbindung zu irgendeiner Cloud sind erforderlich.

Das alte 30-Pin-Kabel gehört inzwischen fast genauso zum Fund

In der Schublade lag sogar noch das passende Apple-30-Pin-Dock-Connector-Kabel. Wer damals einen iPod oder eines der frühen iPhones genutzt hat, erkennt diesen breiten Stecker sofort.

Heute wirkt er riesig. USB-C ist deutlich kleiner, universeller und technisch sehr viel leistungsfähiger. 2007 war der Dock Connector allerdings ein zentraler Bestandteil des Apple-Ökosystems. Darüber wurde der iPod geladen und mit iTunes synchronisiert. Zubehörhersteller bauten Lautsprecher-Docks, Autoradios und unzählige andere Geräte rund um diese Schnittstelle.

Genau das macht den Fund interessant. Es ist nicht nur ein alter MP3-Player. Das Gerät erinnert an eine komplette technische Infrastruktur, die innerhalb weniger Jahre praktisch verschwunden ist.

Musik musste damals noch auf den iPod

Besonders merkwürdig fühlt sich heute die Vorstellung an, dass sich die Musik tatsächlich auf dem Gerät befindet. Kein Spotify, kein Apple Music, kein Streaming und keine WLAN-Verbindung.

Der typische Ablauf bestand aus iTunes auf dem Computer, einer eigenen Musikbibliothek und anschließendem Synchronisieren des iPods. Neue Musik musste gekauft, von CD importiert oder anderweitig als Datei vorhanden sein. Danach entschied man, welche Titel auf den begrenzten Speicher des Players kamen.

Damit wurde ein alter iPod automatisch zu einer persönlichen Zeitkapsel. Die Musikbibliothek zeigt nicht, was ein Algorithmus aktuell empfiehlt. Sie zeigt, was der Besitzer damals tatsächlich auf das Gerät kopiert hat.

Und genau deshalb wollte unter meinem kurzen TikTok-Clip natürlich sofort jemand wissen, welche Musik noch darauf gespeichert ist.

Abspielen konnte ich sie im Video aus offensichtlichen Gründen nicht. Ein Blick auf die alten Titel ist allerdings fast spannender als ein Blick auf die Hardware. Ein Musikplayer aus dem Jahr 2007 konserviert schließlich auch ein kleines Stück des eigenen damaligen Geschmacks.

Erstaunlich ist vor allem, dass der Akku noch mitmacht

Dass Elektronik nach 19 Jahren grundsätzlich noch startet, ist nicht völlig ungewöhnlich. Flash-Speicher und Elektronik können bei vernünftiger Lagerung sehr lange funktionieren. Beim Akku sieht die Sache schwieriger aus.

Im iPod nano steckt ein fest verbauter Lithium-Ionen-Akku. Solche Akkus altern chemisch, auch wenn sie kaum benutzt werden. Nach fast zwei Jahrzehnten wäre es daher keineswegs überraschend gewesen, wenn der iPod ausschließlich am Kabel funktioniert oder überhaupt nicht mehr lädt.

Mein Exemplar lässt sich jedoch weiterhin normal bedienen und spielt Musik ab. Wie viel seiner ursprünglichen Laufzeit noch vorhanden ist, müsste ich einmal gezielt testen. Apple bewarb diese Generation damals mit bis zu etwa 24 Stunden Musikwiedergabe. Diesen Wert dürfte ein originaler Akku nach 19 Jahren kaum noch erreichen.

Dass er überhaupt noch brauchbar funktioniert, ist schon bemerkenswert.

Das Design hat mehr überlebt als viele technische Funktionen

Auf den Fotos sieht man dem Gerät sein Alter durchaus an. Vor allem die hochglänzende Metallrückseite trägt zahlreiche feine Kratzer. Wer damals einen iPod besaß, kennt das Problem. Diese Rückseiten sahen teilweise bereits nach wenigen Wochen aus, als hätte man sie gemeinsam mit einem Schlüsselbund transportiert.

Die blaue Aluminiumfront meines Gerätes ist dagegen überraschend gut erhalten. Auch Display und Click Wheel sehen noch ordentlich aus.

Interessanterweise wirkt das Gerät dadurch heute kaum wie Elektroschrott. Das sehr reduzierte Design funktioniert weiterhin: Display oben, Bedienrad darunter, klare Materialien, wenige Anschlüsse. Ein Smartphone von 2007 würde technisch und optisch wesentlich stärker aus der Zeit gefallen.

Der iPod nano hatte zudem eine Aufgabe, die er bis heute erfüllen kann: Musik wiedergeben. Dafür braucht er keine Server, keinen App Store und keine laufenden Sicherheitsupdates.

8 GB waren damals tatsächlich eine Ansage

Heute klingt die Zahl fast komisch: 8 GB.

Ein aktuelles Smartphone mit 128 GB gilt bereits als eher knapp ausgestattet. 2007 war Flash-Speicher teuer. Der iPod nano sollte möglichst klein bleiben und ohne mechanische Festplatte auskommen. Das war einer seiner großen Vorteile gegenüber den klassischen iPods.

Die dritte Generation konnte neben Musik erstmals deutlich überzeugender mit Videos umgehen. Apple positionierte den nano damit als sehr kompakten Medienplayer. Das erklärt auch seine breitere Form: Das Display musste groß genug werden, um Videos halbwegs sinnvoll darstellen zu können.

Aus heutiger Perspektive würde wohl niemand freiwillig einen Film auf einem Zwei-Zoll-Bildschirm ansehen. Damals war allein die Tatsache beeindruckend, überhaupt Videos in der Hosentasche dabeihaben zu können.

Und natürlich besitzt jemand im Kommentar ein noch älteres Gerät

Unter dem TikTok-Beitrag dauerte es nicht lange, bis der Retro-Wettbewerb eröffnet wurde. Ein Nutzer schrieb:

„Ich habe ein Telefunken Tonbandgerät im Original Zustand und Funktionsfähig.“

Okay. Gegen ein funktionierendes Tonbandgerät muss der iPod dann doch noch ein paar Jahrzehnte durchhalten.

Genau solche Kommentare zeigen allerdings, warum alte Technik derzeit wieder so viel Interesse bekommt. Viele Geräte sind unmittelbar verständlich. Man kann sie anfassen, einschalten und ihre Funktion nachvollziehen. Gleichzeitig hängen persönliche Erinnerungen daran.

Beim iPod kommt noch etwas hinzu. Für eine ganze Generation war er eines der Geräte, die den Umgang mit digitaler Musik grundlegend verändert haben. Heute wirkt das Prinzip eines dedizierten Musikplayers fast schon wieder ungewöhnlich.

Mein blauer iPod nano von 2007 bleibt deshalb erst einmal auf dem Schreibtisch. Nach 19 Jahren Schublade hat er sich das verdient.

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