Sudoku für Senioren: Warum Miridoku mehr Spaß machen kann als die ewigen Zahlen

7 Min. Lesezeit

Wer nach Sudoku für Senioren sucht, findet ein erstaunlich einheitliches Angebot. Sudoku mit großen Zahlen, Sudoku im Großdruck, leichte Sudokus, Sudoku zum Ausdrucken und natürlich zahlreiche Sudoku-Apps. Auch bei den digitalen Angeboten geht es vor allem darum, das bekannte Zahlenrätsel seniorengerecht aufzubereiten: gut lesbare Ziffern, einfache Bedienung, Hilfen und möglichst wenig Zeitdruck.

Das ist sinnvoll. Es lässt aber eine andere Frage offen: Muss ein Logikspiel für ältere Menschen eigentlich immer wieder aus den gleichen Zahlen bestehen?

Wir entwickeln mit Miridoku selbst ein Logikspiel für Smartphones und haben es einer Seniorin zum Ausprobieren gegeben. Das ist weder eine wissenschaftliche Untersuchung noch ein repräsentativer Test. Gerade die Reaktion nach den ersten Spielrunden fanden wir trotzdem interessant. Denn sie zeigt, dass eine Alternative zum klassischen Sudoku für Senioren vielleicht weniger mit besonders einfachen Rätseln zu tun hat, als mit einer anderen Art, Logik auf dem Smartphone zu präsentieren.

In diesem Artikel7 Abschnitte

Erst Skepsis, dann noch eine Runde

Anne spielt nach eigener Aussage normalerweise nicht besonders viele Spiele auf dem Smartphone. Entsprechend zurückhaltend war ihre erste Reaktion auf Miridoku. Hinzu kam eine Hürde, die klassische Sudoku-Apps kaum haben: Sudoku muss man vielen älteren Spielern nicht mehr erklären. Ein neues Spiel schon.

„Am Anfang war ich etwas skeptisch, weil ich normalerweise nicht so viele Spiele auf dem Smartphone spiele. Ich musste erst einmal verstehen, was die Farben und die Tiere bedeuten“, beschreibt Anne ihren Einstieg.

Das änderte sich bereits nach wenigen Rätseln. „Nach den ersten paar Rätseln ging es erstaunlich schnell. Dann wollte ich eigentlich immer noch eines machen. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass mir so ein Spiel auf dem Handy so viel Spaß macht.“

Dieser Moment ist für uns interessanter als die Frage, ob Miridoku leichter oder schwieriger als Sudoku ist. Offenbar war die größte Hürde zunächst das unbekannte Spielprinzip. War diese überwunden, entstand genau das, was ein gutes Rätselspiel erreichen sollte: der Wunsch, gleich das nächste Rätsel zu lösen.

Sudoku für Senioren bedeutet häufig: dasselbe Rätsel mit größeren Zahlen

Die aktuellen Google-Ergebnisse zeigen recht deutlich, wie der Markt auf die Suche nach „Sudoku für Senioren“ reagiert. Bei gedruckten Rätseln dominieren Großdruck, große Zahlen, verschiedene Schwierigkeitsstufen und Lösungen. Bei der Suche nach einer Sudoku-App für Senioren nennt Google ebenfalls große Zahlen, Werbefreiheit, fehlenden Zeitdruck und einfache Hilfen als wichtige Eigenschaften.

Daran ist zunächst wenig auszusetzen. Gute Lesbarkeit und eine verständliche Bedienung sind auf dem Smartphone entscheidend. Auffällig ist eher, wie selten das eigentliche Spielprinzip infrage gestellt wird. Senioren bekommen weiterhin das klassische Sudoku – lediglich besser lesbar und einfacher bedienbar.

Dabei ist gerade Sudoku ein gutes Beispiel dafür, dass die verwendeten Zahlen weniger wichtig sind, als es zunächst scheint. Beim klassischen Sudoku wird mit 1 bis 9 nicht gerechnet. Die Ziffern dienen als eindeutig unterscheidbare Zeichen, deren Positionen bestimmten Regeln folgen. Die eigentliche Leistung besteht im Beobachten, Ausschließen und logischen Folgern.

Miridoku setzt ebenfalls auf dieses schrittweise Ausschließen, verwendet dafür jedoch Tiere, farbige Bereiche und ein eigenes Regelwerk. Es ist deshalb kein Sudoku, bei dem einfach die Zahlen durch niedliche Bilder ersetzt wurden. Die Verwandtschaft liegt im logischen Denken, das Spiel selbst funktioniert anders.

Tiere machen ein Logikspiel nicht automatisch zum Kinderspiel

Genau an diesem Punkt hatten wir vor dem Test eine weitere Frage. Tiere, freundliche Farben und ein überschaubares Spielfeld können schnell nach einem Spiel für Kinder aussehen. Für ein Logikspiel, das wir auch älteren Erwachsenen anbieten möchten, wäre das keine besonders glückliche Wirkung.

Anne nahm das anders wahr. „Besonders überrascht hat mich, dass das Spiel trotz der Tiere nicht kindlich wirkt. Es ist freundlich gemacht, aber man muss trotzdem richtig nachdenken.“

Das ist ein wichtiger Unterschied. Ein Spiel für Senioren muss nicht möglichst nüchtern gestaltet sein, um ernst genommen zu werden. Ebenso wenig sollte „für Senioren geeignet“ automatisch bedeuten, dass Aufgaben besonders leicht sein müssen. Wer seit Jahrzehnten Kreuzworträtsel, Sudoku oder andere Logikaufgaben löst, braucht keine intellektuell vereinfachte Beschäftigung.

Eine zugängliche Gestaltung betrifft vielmehr die Art, wie ein Spiel seine Regeln vermittelt, Informationen darstellt und Eingaben ermöglicht.

Miridoku gegen Sudoku: Die Zahlen haben einen großen Vorteil

Ganz verabschieden sollten wir uns von den Zahlen deshalb nicht. Im direkten Vergleich nennt Anne selbst einen entscheidenden Vorteil des klassischen Sudoku: „Sudoku ist vielleicht etwas klarer, weil man es schon kennt.“

Das dürfte für viele ältere Spieler gelten. Ein 9×9-Raster mit den Ziffern 1 bis 9 erklärt sich einem erfahrenen Sudoku-Spieler praktisch selbst. Miridoku besitzt diesen jahrzehntelang aufgebauten Bekanntheitsvorsprung nicht. Tiere, Farben und die Regeln müssen zunächst verstanden werden.

Nach dieser Eingewöhnung verschob sich Annes Urteil allerdings: „Bei Miridoku finde ich die Tiere und die farbigen Flächen abwechslungsreicher. Man sieht schneller, was auf dem Spielfeld passiert. Sudoku ist vielleicht etwas klarer, weil man es schon kennt. Bei Miridoku musste ich die Regeln zuerst lernen, danach fand ich es aber unterhaltsamer.“

Das trifft den Unterschied ziemlich gut. Sudoku bietet Vertrautheit und eine extrem reduzierte, bewährte Logik. Miridoku kann mehr visuelle Abwechslung bieten und sich dadurch weniger repetitiv anfühlen. Wer seit Jahren gerne täglich Sudoku spielt, wird darin möglicherweise überhaupt keinen Vorteil sehen. Wer von den immer gleichen Zahlenrastern etwas müde geworden ist, könnte gerade darin den Reiz finden.

Der Test zeigt auch, wo Miridoku noch besser werden muss

Da wir Miridoku selbst entwickeln, wäre ein ausschließlich positiver Vergleich wenig hilfreich. Anne hatte bei ihrem Test auch Schwierigkeiten. Das eigentliche Spielfeld verstand sie nach der Einführung schnell, bei einzelnen Symbolen und nächsten Schritten wünschte sie sich jedoch teilweise eine eindeutigere Erklärung.

Ihre Beobachtung dazu ist für die weitere Entwicklung interessant: „Bei einem neuen Spiel ist man als älterer Nutzer vielleicht vorsichtiger und fragt sich schneller, ob man gerade etwas falsch macht.“

Genau solche Situationen sind bei einer Smartphone-App leicht zu unterschätzen. Wer täglich Apps und Spiele ausprobiert, tippt im Zweifel auf einen Button und schaut, was passiert. Weniger routinierte Nutzer können dieselbe Situation als Unsicherheit erleben. Ein unbekanntes Symbol oder eine nicht eindeutig erkennbare Funktion wird dann zu einer unnötigen Hürde.

Auch deshalb arbeiten wir weiter an Miridoku. Schrift, Schaltflächen und Symbole müssen gut erkennbar sein, gleichzeitig sollte der Bildschirm nicht mit Erklärungen und Bedienelementen überladen werden. Anne formulierte ihren Wunsch sehr einfach: „Lieber etwas weniger und dafür eindeutig.“

Das ist für uns wahrscheinlich die brauchbarste UX-Regel aus diesem kleinen Test.

Kein Zeitdruck ist für den Einstieg wichtiger als ein möglichst leichtes Rätsel

Ein weiterer Punkt passt auffällig gut zu dem, was auch bei der Suche nach Sudoku-Apps für Senioren hervorgehoben wird: Zeitdruck kann unnötigen Stress erzeugen.

Anne gefiel an Miridoku gerade, „dass man wirklich überlegen muss, aber nicht unter Druck steht“. Wenn sie nicht sofort weiterwisse, könne sie das Spielfeld noch einmal in Ruhe betrachten.

Das bedeutet für unsere weitere Entwicklung allerdings auch, zwischen dem normalen Miridoku und speziellen Spielmodi zu unterscheiden. Zusätzliche Herausforderungen können mit Zeitmechaniken arbeiten und erfahrenen Spielern bewusst mehr Druck machen. Für den normalen Einstieg sollte das eigene Tempo erhalten bleiben. Ein schwieriges Rätsel darf einige Minuten liegen bleiben, ohne dass der Spieler das Gefühl bekommt, deshalb schlechter zu spielen.

Gerade bei einem Logikspiel ist diese Ruhe kein Mangel an Herausforderung. Das Nachdenken ist schließlich das Spiel.

Vielleicht brauchen Senioren nicht das nächste spezielle Seniorenspiel

Aus einer einzelnen Testerin lässt sich selbstverständlich nicht ableiten, dass Miridoku generell das bessere Sudoku für Senioren wäre. Unser kleiner Versuch hat uns eher auf einen anderen Gedanken gebracht.

Bei vielen Angeboten wird „für Senioren“ über Vereinfachung und größere Darstellung definiert. Beides kann sinnvoll sein. Es reicht aber möglicherweise nicht aus, wenn man ältere Menschen als ganz normale Spieler ernst nimmt. Sie können genauso neugierig auf neue Spielideen sein, sich an einer gelungenen Gestaltung freuen und Abwechslung von einem jahrzehntealten Rätselprinzip suchen.

Dazu passt auch Annes Überraschung darüber, dass Miridoku von einem unabhängigen Entwickler aus Deutschland stammt und laufend weiterentwickelt wird. Bei einem kleinen Projekt können Rückmeldungen wie ihre unmittelbar in die weitere Gestaltung einfließen. Gerade Fragen der Zugänglichkeit lassen sich dadurch während der Entwicklung immer wieder überprüfen.

Am Ende würden wir deshalb weiterhin niemandem sein Sudoku wegnehmen wollen. Das klassische Zahlenrätsel hat gute Gründe dafür, seit Jahrzehnten erfolgreich zu sein.

Anne würde Miridoku trotzdem anderen älteren Rätselspielern empfehlen. Ihre Beschreibung dafür ist vermutlich treffender als jede Produktbeschreibung, die wir selbst formulieren könnten: „Probier es einfach ein paar Runden aus und lass dich von den Tieren nicht täuschen.“

Und dann kommt der Satz, mit dem unser kleiner Vergleich eigentlich begonnen hat:

„Es ist mal etwas anderes als immer nur Zahlen.“

Miridoku ausprobieren: kostenlos für Android

Wer selbst testen möchte, ob Tiere mehr Abwechslung ins Logikrätsel bringen als die klassischen Zahlen, kann Miridoku kostenlos für Android herunterladen. Das Spiel wird von einem unabhängigen Entwickler aus Deutschland entwickelt und laufend erweitert. Der Einstieg ist bewusst ruhig gehalten: Du kannst die ersten Rätsel ohne Zeitdruck lösen, Tiere setzen, falsche Positionen ausschließen und dich Schritt für Schritt mit den Regeln vertraut machen. Miridoku gibt es im Google Play Store.

Miridoku
Miridoku
Entwickler: Salamandr Apps
Preis: Kostenlos

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