133 Prozent mehr Brände mit Solaranlagen innerhalb von drei Jahren, die derzeit kursierende Überschrift klingt zunächst alarmierend. Doch wie groß ist die Brandgefahr durch Photovoltaik tatsächlich? Rechnet man die Fälle auf die Zahl der installierten Anlagen herunter und vergleicht sie mit alltäglichen Risiken durch Akkus und Ladegeräte, ergibt sich ein deutlich differenzierteres Bild.
Die News lautet: 2025 wurden in Großbritannien 212 Brände registriert, an denen eine Solaranlage beteiligt war. Gleichzeitig waren dort rund 1,93 Millionen PV-Anlagen installiert. Das entspricht ungefähr 11 gemeldeten Bränden je 100.000 Anlagen oder 0,011 Prozent des Anlagenbestands innerhalb eines Jahres. Statistisch kam damit auf rund 9.100 installierte Solaranlagen ein gemeldeter Brand mit PV-Beteiligung.
Das Risiko ist also nicht null und es ist seit 2022 sogar gestiegen. Die Größenordnung klingt allerdings deutlich anders als die Schlagzeile „Solarbrände steigen um 133 Prozent“. Wir checken mal.
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133 Prozent mehr PV-Brände – aber auch viel mehr Solaranlagen
Grundlage der aktuellen Meldungen ist eine Untersuchung des internationalen Versicherers QBE. Das Unternehmen hatte britische Feuerwehren über Informationsfreiheitsanfragen nach Bränden mit Beteiligung von Solaranlagen befragt.
| Jahr | PV-Anlagen | Brände mit PV-Beteiligung | Brände je 100.000 Anlagen |
|---|---|---|---|
| 2022 | 1.268.795 | 91 | 7,2 |
| 2023 | 1.467.806 | 131 | 8,9 |
| 2024 | 1.663.904 | 155 | 9,3 |
| 2025 | 1.933.148 | 212 | 11,0 |
Zwischen 2022 und 2025 stieg die Zahl der gemeldeten Brände tatsächlich um 133 Prozent. Gleichzeitig nahm der Bestand an PV-Anlagen aber um 52 Prozent zu. Bezieht man den Ausbau der Photovoltaik mit ein, erhöhte sich die Zahl der Brände je installierter Anlage um ungefähr 53 Prozent. Die 133 Prozent sind damit nicht falsch. Sie beantworten nur nicht die eigentlich relevante Frage für einen Hausbesitzer: Wie wahrscheinlich ist ein Brand bei einer einzelnen installierten Solaranlage?
0,011 Prozent: So sieht die Brandgefahr relativ zum Anlagenbestand aus
Bei 212 gemeldeten Ereignissen und rund 1,93 Millionen Anlagen ergibt sich für 2025 eine Quote von ungefähr 0,011 Prozent. Diese Zahl bedeutet nicht, dass eine Anlage über ihre gesamte Lebensdauer nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,011 Prozent brennt. Verglichen werden lediglich die gemeldeten Ereignisse eines Jahres mit dem Anlagenbestand desselben Jahres.
Die Zahl zeigt trotzdem die Größenordnung recht gut. Ein PV-Brand ist ein reales Ereignis, bleibt gemessen am Anlagenbestand aber selten. Gleichzeitig ist die steigende Rate von 7,2 auf 11 Fälle je 100.000 Anlagen ein Grund, genauer auf Installationsqualität und technische Ursachen zu schauen.
„Solaranlage beteiligt“ heißt nicht automatisch „Solaranlage war schuld“
Ein weiterer Punkt geht bei Überschriften schnell verloren: QBE zählt Brände mit Beteiligung von Solaranlagen. Das ist nicht zwangsläufig dasselbe wie ein Brand, der nachweislich durch die PV-Anlage ausgelöst wurde.
Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigte bereits eine deutsche Untersuchung von Fraunhofer ISE und TÜV Rheinland. Bei damals rund 1,3 Millionen PV-Anlagen waren über einen längeren Untersuchungszeitraum 350 Brände bekannt, bei denen eine Photovoltaikanlage beteiligt war. Nur in 120 Fällen wurde die PV-Anlage tatsächlich als Brandursache ermittelt.
In 75 Fällen entstand ein größerer Brandschaden, zehn Gebäude brannten vollständig ab. Fraunhofer bezifferte den Anteil der Anlagen mit größerem Brandschaden damals auf rund 0,006 Prozent. Diese Zahlen stammen aus einer deutlich früheren Phase des PV-Ausbaus und können nicht einfach auf 2026 übertragen werden, zeigen aber die Bedeutung der Unterscheidung zwischen Beteiligung und Ursache.
Warum gibt es aus Deutschland keine ähnlich aktuellen Zahlen?
Deutschland hat inzwischen einen gewaltigen Bestand an Photovoltaikanlagen. Trotzdem existiert keine öffentlich zugängliche, bundesweit einheitliche aktuelle Statistik, mit der sich für jedes Jahr genau berechnen ließe, wie viele Gebäudebrände tatsächlich durch PV-Anlagen verursacht wurden.
Die bekannten Untersuchungen von Fraunhofer ISE und TÜV Rheinland sind fachlich weiterhin interessant, inzwischen aber alt. Die aktuellen britischen Daten eignen sich deshalb besser, um zumindest eine Größenordnung zu erkennen. Sie dürfen allerdings nicht einfach als deutsche Statistik ausgegeben werden.
Gerade bei einem Thema, bei dem hohe Prozentwerte schnell Angst erzeugen, wäre eine aktuelle deutsche Erhebung hilfreich. Sie müsste idealerweise nicht nur Brände mit PV-Beteiligung erfassen, sondern auch unterscheiden, ob Module, Wechselrichter, Verkabelung oder Speicher tatsächlich die Brandursache waren.
Was brennt an einer Solaranlage überhaupt?
Auch bei den Ursachen lohnt sich der genauere Blick. Die britischen Daten für 2025 zeigen, dass nicht allein die Solarmodule selbst eine Rolle spielen. Auffällig sind insbesondere Kabel und Steckverbindungen.
| Komponente | gemeldete Brände 2025 |
|---|---|
| DC-Kabel und Steckverbindungen | 49 |
| Solarmodule | 36 |
| Batteriespeicher | 23 |
| Wechselrichter | 19 |
Damit stehen DC-Kabel und Steckverbindungen in dieser Auswertung an erster Stelle. QBE verweist entsprechend auf Installationsqualität, beschädigte Leitungen, lose Anschlüsse und mögliche Lichtbögen.
Das passt zu den Erkenntnissen der deutschen PV-Forschung. Fraunhofer nennt ebenfalls schlecht installierte oder sich lösende Modulsteckverbinder als mögliche Ursache elektrischer Lichtbögen und damit einer Brandentstehung. Das verbreitete Bild vom Solarmodul, das plötzlich selbst in Flammen aufgeht, greift deshalb zu kurz. Ein erheblicher Teil des Risikos liegt in klassischer Elektrotechnik: Kabeln, Steckverbindungen, Kontakten und deren fachgerechter Installation.
Und nun zum Ladegerät neben dem Bett
Für Check-App ist ein anderer Vergleich besonders interessant. Während sich viele Hausbesitzer Gedanken über einen möglichen PV-Brand auf dem Dach machen, liegen in den meisten Wohnungen längst zahlreiche andere Energiespeicher und Ladegeräte herum.
Smartphone, Tablet, Notebook, Powerbank, Kopfhörer, Smartwatch, Akkustaubsauger, Werkzeug, E-Bike oder E-Scooter: Lithium-Ionen-Akkus gehören praktisch zum Alltag. Auch sie können bei Defekten, Beschädigungen oder Problemen während des Ladens Brände verursachen.
Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, kurz IFS, führt rund 2.000 Brandursachenermittlungen pro Jahr durch. Seine Statistik für den Zeitraum 2016 bis 2025 zeigt, dass rund 30 Prozent der untersuchten größeren Brandschäden der Elektrizität zugerechnet wurden. Damit bildet Elektrizität die größte einzelne Ursachengruppe.
Innerhalb dieser elektrischen Brandursachen haben Lithium-Ionen-Akkus inzwischen einen Anteil von mehr als 20 Prozent. Das IFS führt diese Entwicklung unter anderem darauf zurück, dass immer mehr Produkte überhaupt mit Akkus ausgestattet sind. Besonders auffällig ist außerdem, dass etwa drei von vier vom IFS untersuchten Akkubränden während der Ladephase entstanden.
Brennen also mehr Ladegeräte als Solaranlagen?
Diese Frage lässt sich für Deutschland seriös nicht beantworten. Die verfügbaren Statistiken sind dafür weder vollständig noch detailliert genug.
Die IFS-Daten bilden nicht sämtliche Brände in Deutschland ab. Das Institut untersucht vor allem größere Schadenfälle, bei denen es mit der Ursachenermittlung beauftragt wurde. Hinzu kommt, dass unter Lithium-Ionen-Akkus sehr unterschiedliche Geräte zusammengefasst werden. Ein brennender E-Bike-Akku ist nicht dasselbe wie ein Smartphone-Akku, und ein Defekt des Akkus bedeutet nicht automatisch einen Defekt des verwendeten Ladegerätes.
Eine bundesweite Statistik nach dem Muster „So viele Smartphone-Ladegeräte verursachten 2025 einen Wohnungsbrand“ gibt es in Deutschland nicht. Deshalb wäre auch die Behauptung, Smartphone-Ladegeräte seien gefährlicher als Photovoltaikanlagen, durch die verfügbaren Daten nicht gedeckt.
Millionen Akkus verändern ebenfalls die Brandstatistik
Wenn immer mehr Solaranlagen installiert werden, steigt grundsätzlich auch die Zahl der Anlagen, bei denen irgendwann ein technischer Fehler auftreten kann. Ein ähnlicher Effekt ist bei Akkus zu beobachten.
Das IFS registriert seit Jahren eine zunehmende Bedeutung von Akkubränden und weist gleichzeitig darauf hin, dass die Zahl akkubetriebener Produkte massiv gewachsen ist. Heute steckt selbst in Geräten ein Lithium-Ionen-Akku, die früher mit Kabel, Netzteil oder einfachen Batterien betrieben wurden.
Damit begegnet uns bei beiden Technologien dasselbe statistische Problem: Mehr gemeldete Fälle bedeuten nicht automatisch, dass das einzelne Produkt entsprechend gefährlicher geworden ist. Entscheidend ist immer auch, wie viele Geräte oder Anlagen überhaupt in Betrieb sind.
Bei Photovoltaik lässt sich diese Bezugsgröße dank der Zahl der installierten Anlagen relativ gut bestimmen. Bei Smartphone-Akkus, Powerbanks, Ladegeräten und anderen Akkugeräten ist eine solche Berechnung deutlich schwieriger.
Alte Smartphones bleiben trotzdem kein guter Schubladenfund
Dass Akkubrände gemessen an Millionen genutzter Geräte selten sind, bedeutet nicht, dass beschädigte Lithium-Ionen-Akkus ignoriert werden sollten. Auf Check-App haben wir bereits ausführlicher über alte Smartphones und Tablets berichtet, die jahrelang in Schubladen liegen und deren Akkus sich mit der Zeit verändern können.
Besonders aufmerksam sollte man bei sichtbar aufgeblähten, beschädigten oder ungewöhnlich warm werdenden Akkus werden. Ein Lithium-Ionen-Akku speichert auf engem Raum vergleichsweise viel Energie. Bei einem internen Defekt kann es zum sogenannten thermischen Durchgehen kommen. Mechanische Beschädigungen, Fehler innerhalb der Zelle oder Probleme während des Ladens können dabei eine Rolle spielen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein intaktes Smartphone nachts neben dem Bett automatisch eine tickende Zeitbombe ist. Entscheidend sind Zustand des Akkus, verwendetes Zubehör und die Bedingungen beim Laden.
PV gegen Ladegerät ist der falsche Wettbewerb
Die interessante Frage lautet deshalb nicht, ob häufiger ein Smartphone oder ein Solardach brennt. Für einen solchen direkten Vergleich fehlen belastbare Daten und vor allem eine gemeinsame statistische Grundlage. Bei Photovoltaik können wir eine alarmierend klingende Prozentzahl von 133 Prozent dank des bekannten Anlagenbestands einordnen. Aus 212 Fällen werden so für 2025 ungefähr 11 gemeldete Brände je 100.000 installierte Anlagen. Bei Lithium-Ionen-Akkus wissen wir dagegen, dass sie einen wachsenden Anteil an untersuchten Elektrobränden haben und viele dieser Brände während des Ladens entstehen. Eine saubere Quote pro verwendetem Akku lässt sich daraus aber nicht berechnen. Der eigentliche Vergleich liegt deshalb in der Statistik selbst: Eine absolute Zahl oder ein starker prozentualer Anstieg sagt wenig über das persönliche Risiko aus, solange die Bezugsgröße fehlt.
Was bedeutet das für Besitzer einer Solaranlage?
Die aktuellen Zahlen liefern keinen Grund, eine fachgerecht installierte PV-Anlage grundsätzlich als außergewöhnliches Brandrisiko zu betrachten. Sie zeigen aber, an welchen Stellen besonders sorgfältig gearbeitet werden sollte.
Wichtig sind vor allem:
- fachgerecht montierte DC-Kabel und Steckverbinder,
- unbeschädigte und korrekt ausgeführte elektrische Verbindungen,
- geeignete und korrekt installierte Wechselrichter,
- fachgerechte Installation von Batteriespeichern,
- Kontrolle auffälliger oder beschädigter Komponenten.
Fraunhofer fasst die grundsätzliche Einordnung ähnlich zusammen: Photovoltaikanlagen besitzen wie andere elektrische Installationen ein Brandrisiko. Entscheidend ist, dieses durch geeignete Komponenten, Planung und fachgerechte Installation möglichst gering zu halten.
Und beim Smartphone?
Auch dort ist die Konsequenz unspektakulärer, als manche Warnmeldung vermuten lässt. Ein intakter Akku und ein vernünftiges Ladegerät sind im Alltag normalerweise kein Grund zur Sorge.
Anders sieht es aus, wenn ein Akku sichtbar beschädigt oder aufgebläht ist, ungewöhnlich heiß wird oder Kabel und Ladegerät offensichtliche Defekte aufweisen. Weil ein großer Teil der vom IFS untersuchten Akkubrände während des Ladens entstand, sollten Akkus außerdem nicht dort geladen werden, wo sich Hitze stauen kann oder ein Defekt unmittelbar auf leicht brennbares Material übergreifen könnte.
Fazit: Reale Brandgefahr statt Angst durch Prozentzahlen
Photovoltaikanlagen können Brände verursachen, ebenso Lithium-Ionen-Akkus, Ladegeräte und andere elektrische Geräte. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob ein Brand theoretisch möglich ist, sondern wie häufig er im Verhältnis zur Zahl der genutzten Geräte oder Anlagen tatsächlich vorkommt.
Bei den britischen PV-Daten standen 2025 insgesamt 212 gemeldete Brände rund 1,93 Millionen installierten Anlagen gegenüber. Das entspricht etwa 0,011 Prozent des Anlagenbestands innerhalb eines Jahres beziehungsweise rund 11 Ereignissen je 100.000 Anlagen. Diese Rate ist gegenüber 2022 gestiegen und sollte nicht ignoriert werden.
Aus 11 Fällen je 100.000 Anlagen wird in einer Überschrift jedoch schnell „133 Prozent mehr Solarbrände“. Beides kann mathematisch richtig sein, vermittelt aber ein vollkommen anderes Gefühl für das Risiko. Gerade bei Technikthemen lohnt sich deshalb ein zweiter Blick auf die Bezugsgröße hinter der Schlagzeile.



