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Dr. Fressnapf Erfahrungen: Lohnt sich der Online-Tierarzt in der Fressnapf-App?

8 Min. Lesezeit

Dein Dackel frisst nicht, dein Hamster kratzt sich und du überlegst schon, ob das jetzt ein Fall für den Tierarzt ist oder einfach wieder ein Tier mit eigener Meinung. Vielleicht ist es harmlos, vielleicht sollte sich das tatsächlich jemand anschauen. Genau für diese Unsicherheit bietet Fressnapf mit Dr. Fressnapf eine tierärztliche Beratung per Videochat an. Aktuell kostet sie 21,90 Euro für 15 Minuten.

Das klingt zunächst ziemlich praktisch. Entscheidend ist allerdings, was du für diese 21,90 Euro tatsächlich bekommst. Wer eine komplette digitale Tierarztpraxis mit Diagnose, Medikament und Rezept erwartet, könnte am Ende feststellen, dass nach dem Videochat trotzdem noch der normale Tierarztbesuch notwendig ist.

In diesem Artikel9 Abschnitte

Dr. Fressnapf ist mehr als eine weitere Funktion in der Fressnapf-App

Fressnapf baut seine App seit einiger Zeit zu einer zentralen Oberfläche rund um Haustiere aus. Neben Kundenkonto, Tierprofilen, Bestellungen und Angeboten gehört inzwischen auch die tierärztliche Beratung dazu. Hinter Dr. Fressnapf stehen echte Tierärztinnen und Tierärzte, mit denen du nach vorheriger Terminbuchung per Video sprechen kannst.

Die allgemeine Gesundheitsberatung kostet derzeit 21,90 Euro für 15 Minuten. Laut Anbieter ist der Dienst täglich von 7 bis 24 Uhr erreichbar. Beraten werden unter anderem Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen, Nager, Reptilien und Amphibien. Gerade abends, unterwegs oder bei einem Tier, das sich nur widerwillig in eine Transportbox verfrachten lässt, ist der grundsätzliche Gedanke attraktiv.

Im Kern kaufst du dir eine tierärztliche Einschätzung. Der Tierarzt sieht das Tier über die Kamera, stellt Fragen zu den Symptomen und kann beurteilen, wie dringend die Situation erscheint. Anschließend gibt es einen Beratungsbericht. Damit eignet sich Dr. Fressnapf vor allem für Fragen wie: Muss ich damit heute noch in eine Praxis? Kann das bis morgen warten? Ist eine Hautveränderung auffällig? Sollte ich in den Notdienst fahren? Oder kann ich das Tier zunächst weiter beobachten?

Der entscheidende Punkt: Beim ersten Videochat gibt es nicht einfach ein Rezept

Interessant wird der Dienst an einer Stelle, die in der Werbung für einen Online-Tierarzt schnell untergeht: Bei einem reinen telemedizinischen Erstkontakt werden verschreibungspflichtige Medikamente nicht verordnet.

Das steht auch in den Bedingungen des tierärztlichen Anbieters Activet. Folgeverordnungen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich, wenn zuvor eine eingehende klinische Untersuchung durch denselben Tierarzt stattgefunden hat. Für jemanden, der den Dienst zum ersten Mal mit einem akut erkrankten Tier nutzt, bedeutet das jedoch: Ein Videochat kann eine fachliche Einschätzung liefern, führt bei einer behandlungsbedürftigen Erkrankung aber möglicherweise direkt zum nächsten Termin in einer Praxis.

Warum ist das so streng geregelt? An der Qualifikation der Tierärzte liegt es nicht. Die Ursache steckt im deutschen Tierarzneimittelrecht und in den Anforderungen an eine ordnungsgemäße tierärztliche Behandlung.

Tierärzte dürfen apothekenpflichtige Tierarzneimittel nur im Rahmen einer solchen Behandlung abgeben. Dafür muss der Gesundheitszustand des Tieres nach den Regeln der veterinärmedizinischen Wissenschaft untersucht oder in vergleichbarer Weise geprüft worden sein. Genau an dieser Stelle stößt ein Videochat an praktische Grenzen.

Ein Tierarzt kann über die Kamera beispielsweise sehen, dass ein Hund lahmt, eine Katze ein Auge zukneift oder ein Hamster kahle Hautstellen hat. Er kann Verhalten beobachten und gezielt nachfragen. Abtasten, Temperatur messen, Herz und Lunge abhören, Schleimhäute genauer untersuchen oder einen Abstrich nehmen kann er über das Smartphone jedoch nicht. Auch Blutuntersuchungen, Hautgeschabsel oder eine vollständige Untersuchung von Zähnen und Ohren sind auf diesem Weg unmöglich.

Die Bundestierärztekammer weist bei Telemedizin deshalb darauf hin, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht allein auf Grundlage einer telemedizinischen Befunderhebung verordnet werden sollen. Eine mögliche Ausnahme sind Folgeverordnungen nach einer vorherigen eingehenden klinischen Untersuchung. Genau diese Grenze findet sich auch bei Dr. Fressnapf wieder.

Bei Tieren ist Telemedizin noch komplizierter als beim Menschen

Ein weiteres Problem ist die Kommunikation. Ein Mensch kann seinem Arzt ziemlich genau beschreiben, wo etwas schmerzt, wann die Beschwerden auftreten oder wie sich ein Symptom verändert hat. Ein Tier kann das nicht. Der Tierhalter beschreibt seine Beobachtungen, der Tierarzt sieht einen begrenzten Ausschnitt über die Kamera und muss daraus eine Einschätzung ableiten.

Auch Medikamente sind in der Tiermedizin kompliziert. Derselbe Wirkstoff kann je nach Tierart, Gewicht, Konzentration und Erkrankung sehr unterschiedlich eingesetzt werden. Was für einen Hund geeignet ist, muss für eine Katze oder ein Kaninchen noch lange nicht passen. Hinzu kommt die Besonderheit der tierärztlichen Hausapotheke: Tierärzte dürfen viele Medikamente selbst abgeben. Deshalb ist diese Abgabe eng an die ordnungsgemäße Behandlung des konkreten Tieres gekoppelt.

Die Einschränkung bei Dr. Fressnapf ist damit keine ungewöhnliche Sonderregel des Unternehmens. Sie ergibt sich aus den allgemeinen Anforderungen an tierärztliche Behandlung und Arzneimittelabgabe. Über Sinn und Aktualität einzelner Regelungen kann man diskutieren. Medizinisch lässt sich aber nachvollziehen, warum ein reiner Video-Erstkontakt Grenzen hat.

Der Hamster kratzt sich: Ein gutes Beispiel für die Grenze des Video-Tierarztes

Nehmen wir einen typischen Fall. Ein Hamster kratzt sich plötzlich deutlich häufiger, das Fell wird dünner und die Haut wirkt schuppig. Dahinter könnten Parasiten, eine Pilzerkrankung oder andere Hautprobleme stecken. Über Dr. Fressnapf könnte ein Tierarzt das Tier ansehen, weitere Fragen stellen und einschätzen, ob eine Untersuchung notwendig ist.

Diese Einschätzung kann fachlich vollkommen richtig und hilfreich sein. Vielleicht lautet das Ergebnis allerdings schlicht, dass der Hamster in einer Praxis untersucht werden sollte. Dort könnte ein Hautgeschabsel oder Abstrich notwendig werden. Eventuell braucht das Tier anschließend ein verschreibungspflichtiges Medikament.

Dann zahlst du zuerst 21,90 Euro für die Videoberatung und anschließend noch einmal den regulären Tierarztbesuch. Genau deshalb sollte man sich vor der Buchung überlegen, welche Frage man eigentlich beantwortet haben möchte.

Wann sich Dr. Fressnapf wirklich lohnt

Der größte Nutzen liegt dort, wo noch unklar ist, ob überhaupt ein persönlicher Tierarztbesuch notwendig ist. Ein Hund hat einmal erbrochen, verhält sich anschließend aber normal. Eine Katze kneift plötzlich ein Auge zu. Ein Vogel wirkt seit einigen Stunden ungewöhnlich ruhig. Ein Nager hat eine kleine Hautveränderung. In solchen Situationen kann eine fachliche Einschätzung helfen, die Dringlichkeit besser einzuordnen.

Auch auf Reisen ist der Dienst interessant. Wer im Urlaub plötzlich ein gesundheitliches Problem beim Tier bemerkt, kennt häufig keine Praxis vor Ort und weiß nicht, ob sofort gehandelt werden muss. Dann können 15 Minuten mit einem Tierarzt durchaus sinnvoller sein als eine längere Suche durch Foren, soziale Netzwerke und widersprüchliche Suchergebnisse.

Ähnlich sieht es bei Menschen aus, die lieber früh fachlich nachfragen. Für 21,90 Euro bekommst du keine umfassende Untersuchung, aber unter Umständen die Information, dass du das Tier zunächst beobachten kannst. Wenn dadurch ein unnötiger Tierarztbesuch entfällt, hat sich der Videochat schnell gerechnet.

Weniger sinnvoll erscheint die Buchung, wenn bereits vorher klar ist, dass eine Untersuchung oder Behandlung vor Ort notwendig sein wird. Wer ein verschreibungspflichtiges Medikament benötigt, eine Blutuntersuchung erwartet, eine Verletzung behandeln lassen muss oder einen Abstrich beziehungsweise eine Hautprobe braucht, wird durch den Videochat wahrscheinlich nur einen zusätzlichen kostenpflichtigen Zwischenschritt einbauen.

Vor der Buchung gibt es immerhin eine kostenlose Möglichkeit zur Einschätzung

Fressnapf beziehungsweise Dr. Fressnapf hat dafür einen durchaus sinnvollen Weg vorgesehen. Wer unsicher ist, ob sich ein Problem überhaupt für eine Videoberatung eignet, kann vor der Terminbuchung per Chat nachfragen.

Genau das würde ich nutzen. Wer beispielsweise schreibt, dass sein Hamster vermutlich Parasiten hat und wahrscheinlich eine medikamentöse Behandlung benötigt, kann vor der Zahlung klären, ob ein Videochat in diesem Fall überhaupt sinnvoll ist. Wird direkt zu einer Tierarztpraxis geraten, spart man sich die 21,90 Euro.

Das macht den Dienst wesentlich interessanter, weil sich zumindest ein Teil der offensichtlich ungeeigneten Fälle aussortieren lässt.

Dr. Fressnapf ersetzt weder Tierarztpraxis noch Untersuchung

Allgemeine Informationen zu Symptomen lassen sich heute an vielen Stellen finden. Suchmaschinen, Foren und inzwischen auch KI-Systeme können erklären, welche Ursachen für ein bestimmtes Verhalten oder Symptom grundsätzlich infrage kommen. Der Mehrwert von Dr. Fressnapf liegt an einer anderen Stelle: Ein Tierarzt sieht dein konkretes Tier und bezieht deine Angaben unmittelbar in seine Einschätzung ein.

Das ist besonders wertvoll bei der Frage nach der Dringlichkeit. Muss das Tier heute noch untersucht werden? Reicht ein Termin am nächsten Tag? Ist eine Tierklinik notwendig? Oder kann man eine Veränderung zunächst beobachten?

Genau für diese Art von Triage eignet sich Telemedizin gut. Sobald eine körperliche Untersuchung, Diagnostik oder verschreibungspflichtige Behandlung erforderlich wird, stößt der Videochat dagegen schnell an seine Grenze.

Fazit: Für 21,90 Euro kaufst du vor allem eine Entscheidungshilfe

Dr. Fressnapf kann sinnvoll sein, wenn du unsicher bist, wie ernst ein gesundheitliches Problem deines Tieres ist. Die tägliche Erreichbarkeit bis Mitternacht, der direkte Kontakt mit einem Tierarzt und die Möglichkeit, das Tier per Kamera zu zeigen, sind praktische Vorteile. Gerade abends, auf Reisen oder bei kleineren Auffälligkeiten kann der Dienst einen echten Nutzen haben.

Man sollte allerdings mit der richtigen Erwartung buchen. 21,90 Euro kaufen dir in erster Linie eine fachliche Einschätzung. Eine vollständige Untersuchung oder Behandlung lässt sich über das Smartphone häufig nicht durchführen. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gelten zudem klare rechtliche Grenzen für einen reinen telemedizinischen Erstkontakt.

Die entscheidende Frage vor der Buchung lautet deshalb: Möchte ich wissen, ob mein Tier zum Tierarzt muss, oder weiß ich bereits, dass es untersucht und behandelt werden muss?

Im ersten Fall kann Dr. Fressnapf ziemlich praktisch sein. Im zweiten würde ich mir den zusätzlichen Video-Termin meistens sparen und direkt eine Tierarztpraxis aufsuchen.

Dr. Fressnapf kurz beantwortet

Was kostet Dr. Fressnapf?
Die allgemeine Gesundheitsberatung kostet aktuell 21,90 Euro für 15 Minuten.

Wann ist Dr. Fressnapf erreichbar?
Laut Anbieter täglich von 7 bis 24 Uhr.

Welche Tiere werden beraten?
Unter anderem Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen, Nager, Reptilien und Amphibien.

Kann Dr. Fressnapf ein Rezept ausstellen?
Bei einem reinen telemedizinischen Erstkontakt werden verschreibungspflichtige Medikamente grundsätzlich nicht verordnet. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Folgeverordnungen möglich, wenn zuvor eine eingehende klinische Untersuchung durch denselben Tierarzt stattgefunden hat.

Warum ist das so geregelt?
Tierarzneimittel dürfen nur im Rahmen einer ordnungsgemäßen tierärztlichen Behandlung abgegeben werden. Dafür ist eine ausreichende Untersuchung oder vergleichbare Prüfung des Gesundheitszustands erforderlich, die sich über einen reinen Videochat nicht in jedem Fall durchführen lässt.

Lohnt sich Dr. Fressnapf?
Für eine schnelle fachliche Einschätzung kann der Dienst sinnvoll sein. Wenn bereits klar ist, dass das Tier untersucht, diagnostiziert oder mit einem verschreibungspflichtigen Medikament behandelt werden muss, ist der direkte Weg in die Tierarztpraxis meist sinnvoller.

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