Siemens-Sportclub goes Digital
Wenn selbst ein Traditionsverein wie der Siemens-Sportclub, gegründet Anfang des letzten Jahrhunderts, inzwischen auf eGym setzt, merkst du: Die smarten Gerätezirkel mit Armband und Display sind endgültig im Mainstream angekommen. Aber sind sie wirklich Fortschritt – oder nur Technikspielerei? Ich habe trainiert, die App genutzt, hunderte Bewertungen gelesen und mich in Reddit-Diskussionen eingeklinkt. Hier mein Fazit.
So funktioniert eGym
Im Studio läufst du einen Zirkel ab, Gerät für Gerät. Alles stellt sich automatisch ein, sobald du dein Armband scannst. Keine Bolzen mehr, kein mühsames Anpassen der Sitzhöhe. Dazu gibt es Programme, die nicht nur regulär belasten, sondern auch negative oder isokinetische Wiederholungen möglich machen – Dinge, die du an klassischen Maschinen nur schwer hinbekommst. Die App ist der zweite Teil des Systems: Sie trackt deine Fortschritte, zeigt dir Krafttests und Muskelungleichgewichte, hält dein Trainingstagebuch fest und motiviert dich mit Leveln und Medaillen.
Zwischen Motivation und Frust
Viele Anfänger schwärmen, dass sie so endlich eine klare Struktur im Training haben. Gerade Wiedereinsteiger nach Verletzungen oder Pausen finden das System praktisch, weil es kontrolliert belastet und wenig falsch gemacht werden kann. Und ja, es fühlt sich ein bisschen wie ein Fitness-Videospiel an – die Kurve auf dem Display will man einfach perfekt treffen.
Doch auf Dauer kippt die Stimmung. Wer schon länger trainiert, empfindet den Zirkel schnell als zu starr. Keine Pausen zwischen den Geräten, wenig Flexibilität für Splits, und Maximalkraft bis zum Muskelversagen ist kaum drin. Manche Nutzer schreiben, dass sie irgendwann gelangweilt waren und in den Freihantelbereich gewechselt sind.
Die App als Schwachstelle
Noch deutlicher wird die Kritik bei der App. Laut Play-Store-Rezensionen 2025 kämpft eGym immer noch mit denselben Problemen wie vor Jahren. Fitbit-Synchronisation? Mal wieder kaputt. Login-Probleme ohne Fehlermeldung, Updates, die Funktionen verschlechtern statt verbessern. Dazu kommt die Ungleichheit zwischen Android und iOS: Auf iPhones sehen Trainer und Nutzer mehr Daten, während Android-User im Dunkeln tappen.
Und dann ist da noch das Premium-Abo: 11,90 Euro monatlich für zusätzliche Trainingsmethoden. Auf dem Papier klingt das stark, in der App selbst merkt man aber kaum einen Unterschied. Viele Nutzer sagen: Für Einsteiger nett, für Fortgeschrittene wenig Mehrwert.
Das sagen die Nutzer 2025
Im Google Play Store steht die eGym Fitness App mit 4,3 Sternen bei über 3.600 Bewertungen auf den ersten Blick stabil da.
Schaut man aber nur auf die neuesten Rezensionen aus 2025, zeigt sich ein anderes Bild: Von 177 Reviews lag der Schnitt nur bei 3,67 Sternen. Fast ein Drittel vergab nur 1 oder 2 Sterne.
Die häufigsten Beschwerden:
- Synchronisation funktioniert nicht (Fitbit, Garmin, Strava).
- Login hakt oder dauert ewig.
- Updates bringen neue Bugs, statt Probleme zu lösen.
Lob gibt es dagegen für die einfache Bedienung und die übersichtliche Darstellung. Viele schreiben, dass die App motiviert und zuverlässig die Grundfunktionen erfüllt – solange man keine Extras erwartet.
Fazit: Langfristig wirkt die App solide, kurzfristig polarisiert sie stark. Zwischen Top-Bewertungen und völliger Frustration liegen oft nur ein Update auseinander.
Für wen lohnt es sich wirklich?
Das Bild ist ziemlich klar. eGym senkt die Hürde für alle, die einfach anfangen oder wieder einsteigen wollen. Wer nur fitter werden möchte, ein paar Muskeln aufbauen und regelmäßig Bewegung sucht, bekommt hier Struktur und Motivation. Wer aber gezielt Muskeln aufbauen, Maximalkraft steigern oder frei trainieren will, stößt schnell an Grenzen.
Mein Fazit
eGym ist kein Blödsinn – aber auch nicht die große Revolution. Es ist ein Werkzeug. Für manche das perfekte, für andere eine nette Ergänzung. Mich motivieren die klaren Vorgaben und das Videospiel-Feeling, aber die App muss dringend stabiler werden und mehr können als nur Kurven anzeigen.
Wenn selbst der Siemens-Sportclub eGym integriert, zeigt das: Das System ist gekommen, um zu bleiben. Ob es auch für dich passt, hängt allein von deinem Ziel ab. Für den ersten Schritt ins Gym ist es Gold wert – für den letzten Schritt zur Bestform brauchst du wahrscheinlich mehr.



