Auf Android und iOS erscheinen ständig neue Rollenspiele, doch viele davon lassen sich inzwischen schon nach wenigen Minuten ziemlich genau einsortieren. Charakter erstellen, erste Gegner erledigen, neue Ausrüstung anlegen, Fähigkeiten freischalten und Schritt für Schritt immer größere Zahlen produzieren: Das Grundgerüst ist bekannt. Interessant wird es deshalb weniger bei der Frage, ob ein Spiel diese Systeme besitzt, sondern wie sie miteinander verbunden werden und wie schnell der Spieler tatsächlich eigene Entscheidungen treffen darf. Whoa Adventure von Joy Nice Games (u.a. auch Zombie.io Potato Shooter und Duck Survival) gehört genau in diese Kategorie und versucht, klassische Mobile-RPG-Progression mit einer leicht zugänglichen Steuerung, unterschiedlichen Fähigkeiten und einem relativ lockeren Ton zu verbinden.
Der Einstieg macht daraus zunächst keine große Wissenschaft. Eine Monsterinvasion bedroht die Welt, ein Held wird beschworen und soll das Problem möglichst schnell lösen. Viel mehr Motivation braucht das Spiel für seine ersten Minuten auch nicht. Whoa Adventure führt direkt in Kämpfe, erklärt unterwegs seine Systeme und verteilt früh erste Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände. Statt langer Menüs oder umfangreicher Charaktereditoren steht der Spielfluss im Vordergrund.
Dabei wirkt Whoa Adventure zunächst wie eines jener Mobile-RPGs, bei denen ein Teil des Fortschritts beinahe automatisch abläuft. Ganz zum Idle-RPG wird es allerdings nicht. Der Charakter greift zwar selbstständig an, sobald er stehen bleibt, bewegt werden muss er zumindest zu Beginn weiterhin vom Spieler. Dazu kommen aktiv auswählbare Fähigkeiten, Talententscheidungen und die Frage, welche Skills für bestimmte Gegnertypen sinnvoll sind.
Gerade diese Mischung dürfte entscheidend dafür sein, ob Whoa Adventure länger interessant bleibt. Die ersten Spielminuten zeigen bereits mehrere RPG-Systeme, die später deutlich umfangreicher werden könnten. Klassenentwicklung, Talentbäume, Ausrüstung, Gebietsfortschritt und stärkere Monster greifen relativ schnell ineinander. Das Spiel versucht dabei nicht, jeden Mechanismus sofort vollständig zu erklären. Vieles wird freigeschaltet, während man bereits kämpft.
Whoa Adventure startet bewusst unkompliziert
Nach der Beschwörung des Helden wird zunächst zwischen einem männlichen und weiblichen Charakter gewählt. Große Auswirkungen scheint diese Entscheidung zumindest am Anfang nicht zu haben. Anschließend landet der Spieler direkt in der ersten Umgebung und bekommt die grundlegende Kampfsteuerung gezeigt.
Die Besonderheit dabei: Der Held attackiert Gegner automatisch, wenn er stehen bleibt. Für ein Mobile-RPG ist das ein interessanter Mittelweg. Whoa Adventure nimmt einem einen Teil der häufig repetitiven Standardangriffe ab, ohne den Spieler vollständig zum Zuschauer zu machen.
Bewegung und Positionierung bleiben relevant. Wer einfach mitten in mehrere Gegnergruppen hineinläuft, kann dadurch unnötig viele Monster gleichzeitig aktivieren. Später weist das Spiel sogar ausdrücklich darauf hin, Gegnergruppen getrennt anzulocken. Damit deutet Whoa Adventure zumindest an, dass Positionierung und Gegnerkontrolle mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad wichtiger werden.
Klassen und Fähigkeiten entwickeln sich während des Spiels
Sehr früh wird das sogenannte Klassenhandbuch beziehungsweise Talentsystem freigeschaltet. Hier beginnt einer der interessanteren Teile von Whoa Adventure. Anstatt dem Spieler ausschließlich eine starre Klasse mit festgelegten Fähigkeiten vorzusetzen, stehen verschiedene Angriffe und Verbesserungen zur Auswahl.
Zu den ersten Möglichkeiten gehören beispielsweise Nahkampfangriffe mit einer Waffe sowie magisch wirkende Fernkampffähigkeiten. Später kommen weitere Skills hinzu. Dazu gehört etwa eine Fähigkeit, die Gegner in unmittelbarer Umgebung trifft, oder eine Eisattacke gegen weiter entfernte Ziele.
Dadurch lässt sich bereits früh beeinflussen, wie der eigene Charakter kämpfen soll. Wer lieber mitten zwischen Gegnern steht, kann Fähigkeiten wählen, die Flächenschaden rund um die Spielfigur verursachen. Andere Skills eignen sich stärker für einzelne Ziele oder für Gegner, die auf Distanz gehalten werden sollen.
Interessant ist dabei, dass Whoa Adventure diese Fähigkeiten nicht nur freischaltet, sondern anschließend weiterentwickeln lässt.
Talente verändern bestehende Skills
Die Talentverbesserungen gehen über einfache Schadenssteigerungen hinaus. Eine rotierende Nahkampffähigkeit kann beispielsweise so verbessert werden, dass beim Angriff zusätzlich ein Tornado entsteht. Später lässt sich ein weiterer Tornado hinzufügen.
Andere Verbesserungen erhöhen die Reichweite oder ergänzen Statuseffekte. Besonders interessant ist dabei Blutung. Angriffe verursachen dann zusätzlichen Schaden über einen längeren Zeitraum. Gerade gegen Gegner mit vielen Lebenspunkten kann ein solcher Effekt wertvoller sein als etwas mehr unmittelbarer Schaden.
Damit entsteht zumindest in Ansätzen ein Build-System. Spieler wählen nicht lediglich neue Fähigkeiten aus, sondern entscheiden auch, in welche Richtung vorhandene Skills weiterentwickelt werden.
Wie komplex dieses System im späteren Spiel tatsächlich wird, lässt sich aus der Anfangsphase noch nicht abschließend beurteilen. Die ersten Talententscheidungen zeigen aber bereits, dass verschiedene Kombinationen möglich sind.
Neue Ausrüstung sorgt für den klassischen RPG-Fortschritt
Parallel zu den Fähigkeiten setzt Whoa Adventure auf ein sehr klassisches Ausrüstungssystem. Besiegte Monster und Truhen liefern neue Gegenstände, die direkt angelegt werden können. Schon früh erscheinen neue Waffen, Rüstungsteile und Kopfbedeckungen.
Das Spiel macht dabei schnell klar, worum es geht: stärkere Ausrüstung bedeutet mehr Kampfkraft. Wer einen besseren Gegenstand findet, kann ihn gegen seine bisherige Ausrüstung austauschen.
Dieser Teil wirkt vertraut und dürfte für Spieler anderer Mobile-RPGs kaum Erklärungsbedarf verursachen. Gleichzeitig sorgt das regelmäßige Finden neuer Gegenstände dafür, dass die ersten Gebiete ständig kleine Fortschrittsmomente liefern.
Neben normalen Gegnern gibt es stärkere Monster und besondere Herausforderungen. Diese versprechen wiederum bessere Belohnungen. Damit entsteht die typische Schleife aus Kämpfen, Beute, Aufwertungen und anschließend schwierigeren Kämpfen.
Die Spielwelt wird über Missionen und Gebiete erschlossen
Whoa Adventure führt den Spieler über Missionen durch die Umgebung. Ein Missionsziel kann ausgewählt werden, woraufhin das Spiel die entsprechende Route markiert beziehungsweise später teilweise automatisch verfolgt.
Komplett automatisch läuft die Erkundung allerdings zumindest am Anfang nicht. Gegner müssen bekämpft, Hindernisse beseitigt und Gegenstände eingesammelt werden. In der Umgebung befinden sich außerdem Truhen und andere interaktive Elemente.
Dadurch wirkt die Welt weniger wie eine reine Abfolge von Kampfarenen. Besonders komplex ist die Erkundung zunächst trotzdem nicht. Whoa Adventure bleibt klar auf schnelle Mobile-RPG-Sessions ausgelegt.
Ob spätere Gebiete größere Freiheiten bieten oder stärker linear aufgebaut bleiben, wird erst mit weiterem Fortschritt interessant. Schon früh ist allerdings erkennbar, dass der Spielverlauf in zahlreiche kleinere Abschnitte und Herausforderungen unterteilt wurde.
Die Klassenentwicklung geht über normale Level hinaus
Ein weiterer Fortschrittsmechanismus wird über sogenannte Seelensteine eingeführt. Diese entstehen durch die Kräfte gesammelter beziehungsweise umherwandernder Seelen und werden für weitere Verbesserungen verwendet.
Über einen Altar lässt sich schließlich eine Art Heldenaufstieg beziehungsweise Klassenaufstieg durchführen. Dadurch werden neue Fähigkeiten verfügbar.
Nach einem solchen Aufstieg erscheinen beispielsweise stärkere Angriffe mit größerem Wirkungsbereich. Hier zeigt sich, dass die ersten Talente lediglich den Einstieg darstellen. Mit jeder weiteren Entwicklungsstufe soll der Charakter zusätzliche Möglichkeiten erhalten.
Damit besitzt Whoa Adventure mehrere parallel laufende Progressionssysteme. Der Held sammelt Erfahrung, verbessert Fähigkeiten, erhält Ausrüstung und entwickelt seine Klasse weiter. Für Mobile-RPGs ist diese Struktur nicht ungewöhnlich. Entscheidend wird langfristig sein, wie stark diese Systeme später voneinander abhängig werden.
Kämpfe funktionieren halbautomatisch
Das Kampfsystem von Whoa Adventure dürfte besonders für Spieler interessant sein, die weder ein vollständig automatisches Idle-RPG noch eine komplizierte Action-RPG-Steuerung suchen.
Normale Angriffe übernimmt der Charakter weitgehend selbst. Sobald die Spielfigur in Reichweite eines Gegners stehen bleibt, beginnt sie anzugreifen. Gleichzeitig kann der Spieler seine Position verändern und zusätzliche Fähigkeiten einsetzen.
Das reduziert den Aufwand bei normalen Gegnern deutlich. Gleichzeitig bleibt genug Kontrolle übrig, um Flächeneffekte gezielt einzusetzen oder zwischen Gegnergruppen zu wechseln.
Gerade Fähigkeiten, die mehrere Gegner rund um die Spielfigur treffen, profitieren davon, wenn der Charakter bewusst positioniert wird. Wer dagegen gegen einen einzelnen stärkeren Gegner kämpft, könnte stärker auf Blutung, konzentrierten Schaden oder andere Talente setzen.
Damit entsteht zumindest ein kleines taktisches Element, obwohl das grundlegende Kampfsystem bewusst einfach bleibt.
Whoa Adventure nimmt sich selbst nicht besonders ernst
Neben den RPG-Systemen fällt der Humor auf. Dialoge kommentieren teilweise direkt typische Genre-Konventionen. So beschwert sich der frisch beschworene Held beispielsweise darüber, dass er offenbar lediglich die Welt gewechselt hat, um dort weiterarbeiten zu müssen.
Auch andere Situationen werden eher locker kommentiert. Das verhindert zwar nicht die klassischen Aufgaben wie Monster besiegen, Truhen öffnen und Ausrüstung sammeln, gibt dem Spiel aber etwas mehr Persönlichkeit.
Gerade bei Mobile-RPGs, die ihre Spieler in den ersten Minuten mit Tutorialtexten und Menüs bombardieren, kann ein etwas entspannterer Ton angenehm sein. Whoa Adventure versucht zumindest, seine Tutorials nicht vollkommen trocken zu präsentieren.
Die ersten Minuten schalten ständig neue Systeme frei
Auffällig ist das hohe Tempo der frühen Progression. Innerhalb relativ kurzer Zeit werden normale Fähigkeiten, Talentverbesserungen, Ausrüstung, besondere Gegner, Seelensteine und Klassenaufstiege eingeführt.
Das hat zwei Seiten. Einerseits passiert ständig etwas Neues. Wer Mobile-RPGs wegen ihrer Progression spielt, bekommt früh viele kleine Ziele präsentiert.
Andererseits bleibt abzuwarten, wie übersichtlich das Spiel wird, wenn weitere Systeme hinzukommen. Schon die ersten Gebiete zeigen zahlreiche Menüs und Verbesserungsmöglichkeiten. Bei vergleichbaren RPGs wächst daraus später häufig eine ziemlich umfangreiche Sammlung unterschiedlicher Ressourcen und Upgrade-Systeme.
Ob Whoa Adventure diese Entwicklung übersichtlich hält oder irgendwann ebenfalls mit dutzenden parallelen Mechaniken arbeitet, lässt sich nach dem Einstieg noch nicht beurteilen.
Whoa Adventure macht beim Gameplay zunächst einen soliden Eindruck
Die ersten Spielabschnitte zeigen ein Mobile-RPG, das viele bekannte Elemente verwendet, diese aber durchaus sinnvoll miteinander kombiniert. Die halbautomatischen Kämpfe passen gut zum Smartphone, während Talententscheidungen und unterschiedliche Fähigkeiten zumindest etwas Einfluss auf den eigenen Spielstil ermöglichen.
Besonders das Talent-System könnte interessant werden. Fähigkeiten lassen sich nicht lediglich stärker machen, sondern erhalten zusätzliche Eigenschaften wie Tornados, größere Reichweite oder Blutungseffekte. Zusammen mit dem Klassenaufstieg entsteht daraus ein System, bei dem sich der Charakter während der Progression zunehmend spezialisieren lässt.
Bei der Ausrüstung und der grundlegenden Missionsstruktur bewegt sich Whoa Adventure dagegen auf vertrautem Terrain. Monster werden besiegt, bessere Gegenstände eingesammelt und neue Gebiete freigeschaltet. Wer bereits mehrere Mobile-RPGs gespielt hat, wird sich deshalb sehr schnell zurechtfinden.
Für eine endgültige Bewertung ist die frühe Spielphase noch zu kurz. Entscheidend wird sein, wie sich das RPG nach mehreren Stunden entwickelt, wie stark sich verschiedene Klassen und Builds tatsächlich unterscheiden und welche Rolle mögliche Automatisierungssysteme später spielen. Der Einstieg funktioniert jedenfalls schnell und zeigt bereits genügend Mechaniken, um erkennen zu können, wohin sich Whoa Adventure spielerisch entwickelt.



