4 Monaten .

Buchtipp für Interessierte und Ambitionierte – Fotoschule Makrofotografie

Geschrieben von:

Mit Fachbüchern ist das so eine Sache: Die eine Gruppe lässt sie im Buchladen (also bei amazon) links liegen und würdigt sie keines Blickes, weil sie als langweilig, nüchtern und fantasielos verschrien sind. Die andere Gruppe hat es wiederum nicht so mit Liebes- oder Abenteuerromanen, zu schnulzig oder zu unrealistisch. Dann wendet man sich vielleicht lieber an ein Fachbuch, da kennt man das Thema und weiß meistens, worauf man sich einlässt. Warum aber sollte man sich entscheiden müssen? Eigentlich gehöre ich eher zur ersten Fraktion, aber wenn das Thema einen lockt und die eigenen Vorkenntnisse verbesserungswürdig sind (was ja eigentlich meistens der Fall ist), dann riskiere ich schon gern mal einen Blick in die Werke der Kenner und Könner. Eine interessante und eben keinesfalls trockene Lektüre möchte ich euch heute präsentieren. Ganz frisch erst dieses Jahr vom Rheinwerk-Verlag herausgebracht handelt es sich um eine Fotoschule namens „Die Fotoschule in Bildern – Makrofotografie“. Kleine Dinge ganz groß zeigen, Technik und praxisnahe Tipps stehen hier im Vordergrund und werden zu einer kurzweiligen Lektüre verwoben. Wer eher Bilder als Buchstaben mag ist hier ebenfalls richtig, ganz ohne dass es um Häschen oder Zahlen von ein bis fünf geht.

Die Knopfdrücker und Stativhinsteller hinter der „Fotoschule in Bildern – Makrofotografie“

Ok, da gehört schon mehr dazu, wesentlich mehr sogar, also den Knopf zu drücken und das Stativ aufzustellen, aber das ist eben auch Teil des Spiels. Ohne dies kein Bild und ohne Autoren keine Fotoschule. An diesem Buch haben gleich drei Autoren mitgearbeitet. Von einem wechselnden Stil oder ruckeligem Lesegefühl kann man allerdings nichts merken. Mir gefällt das sehr gut. Entweder, die drei sind wirklich auf einer Wellenlänge oder hatten einen guten Lektor. Kann uns aber eigentlich egal sein, denn was herauskam, ist ein flüssiges und angenehmes Buch. Das heißt aber nicht, dass alle das gleiche schreiben. Mir hat gefallen, dass es auch unter den Autoren unterschiedliche Ansichten gibt. Möchte der eine zum Beispiel von nassgesprühten Objekten überhaupt nichts wissen und wartet lieber auf den gottgegebenen Regenguss, nutzt der andere die Sprühflasche als gern gesehenes Hilfsmittel, um den Effekt auf dem Foto zu verstärken. Entscheiden darf man letzten Endes ja selbst, was einem mehr liegt. Aber wer steckt denn jetzt hinter der künstlerisch inszenierten Krokuswiese oder den blitzenden Tautropfen auf dem Grashalm? Eileen Hafke widmet sich der Makrofotografie und schätzt dabei vor allem die Möglichkeit, sich künstlerisch austoben zu können. Das tut sie vor allem durch die Bilder selbst, aber auch anschließend durch kreative Bildbearbeitung. Sandra Malz ist in diesem Band vor allem für die tierischen Makromotive verantwortlich und beschreibt des öfteren, wie man sich so fühlt, wenn man bis zur Hüfte im Tümpel steht, um blaue Kröten abzulichten oder den durchsichtigen Schmetterling vor die Linse zu bekommen. Manfred Huszar ist der Dritte im Bunde und gibt Fotografie-Workshops. Hauptberuflich arbeitet er bei einem Weiterbildungsinstitut und teilt seine Kenntnisse im Bereich der Berufsfotografie. „Die Fotoschule in Bildern – Makrofotografie“ wurde vom Rheinwerkverlag herausgegeben und erschien in der ersten Auflage erst dieses Jahr. Dieses Exemplar wurde uns freundlicherweise zum Testen zur Verfügung gestellt.

Der Rheinwerkverlag

Der Rheinwerkverlag mit Sitz in Bonn wurde 1999 unter dem Namen „Galileo Press“ gegründet. Schwerpunkte des Programms waren neben den klassischen IT- und Design-Fachthemen auch Themen rund um SAP R/3. Durch stetige Weiterentwicklung und eine thematische Erweiterung kann er heute ein breites Publikum ansprechen.   Rheinwerk ist Deutschlands führender Verlag für Computing, Design und Fotografie. Hier findet man vor allem Bücher, E-Books und Videokurse für Einsteiger und Experten, für Entwickler, Anwender und eigentlich jeden, der mal seine Nase in eines der angebotenen Themen stecken möchte. Ach ja – und alles made in Germany. Wenn ihr, wie ich, gern so ziemlich jedes Buch hättet, das es auf der Welt gibt (fiese Fehltritte aus dem Jahre 2008 mal ausgenommen, wer hat hier Roche gesagt? Freiheit und alles…), dann solltet ihr hier erst klicken, wenn ihr etwas Zeit mitgebracht habt. Ihr Schlitzohren, habt ihr doch geguckt…und jetzt ist es draußen schon dunkel? Hab‘ euch gewarnt. Ob nun also wie hier eine der verfügbaren Fotoschulen, ein Buch über Webdesign oder das IT-Handbuch für Fachinformatiker? Die Kategorien sind

  • Fotografie
  • Grafik & Design
  • Web & Social Media
  • Programmierung
  • Netze und Betriebssysteme
  • SAP und
  • Video-Trainings.

Die Fotoschule in Bildern – Makrofotografie: Der Aufbau

Das Buch ist übersichtlich gegliedert, so dass sich zwei Lesarten ergeben: Entweder ihr lest es von vorn bis hinten durch oder ihr stöbert durch die Kapitel und informiert euch zuerst über die Inhalte, die euch am meisten interessieren. Variante 1 geht auch problemlos, was bei herkömmlichen Sachbüchern wohl eher die Ausnahme darstellt. Ich mag die Gestaltung und den Aufbau sehr. Jedes Kapitel stellt in erster Linie verschiedene Schauplätze vor, an denen dann verschiedene Motive abgelichtet wurden. Das könnt ihr beliebig kombinieren und wisst gleich, wo ihr euch wann zu welcher Tageszeit befinden werdet, wenn ihr euch der Makrofotografie widmen wollt. Dazu gehören:

  • Im eigenen Garten
  • Auf der Wiese
  • Im Wald
  • Am und im Wasser
  • Im Schmetterlingshaus
  • In den Morgenstunden
  • In den Abenddämmerung
  • Makromotive im Winter
  • Im Heimstudio
  • Exkurse

Das letzte Kapitel durchzieht das Buch von Anfang bis Ende durch die Behandlung besonderer theoretischer Themen, wie Bildkomposition oder Motivbestimmung. Unter der Überschrift „Altglas“ widmet sich Manfred Huszar beispielsweise der Frage, ob es wohl Sinn macht, alte, manuelle Makroobjektive aus dem Dachbodenschlaf zu holen, um sie an den Digitalkameras zu nutzen. Spoiler: Mal noch nicht wegschmeißen, denn Nachteile, wie die Tatsache, dass der Autofokus dann nicht funktioniert oder die Belichtungsmessung – je nach Kameramodell – bei der Arbeitsblende in der Zeitautomatik oder im manuellen Modus erfolgt, werden durch Vorteile wie dem günstigen Anschaffungspreis (gebraucht) oder die Möglichkeit des sehr präzisen Scharfstellens aufgewogen. Im Buch folgen dann konkrete Anschaffungstipps, für die besonders Interessierten. Sehr wichtig finde ich den Abschnitt über die Verhaltensregeln in der Natur. Ich finde es richtig und wichtig, dieses Thema aufzugreifen und da ist der leicht erhobene Zeigefinger auch ganz richtig platziert. Auch im Eifer des Gefechts muss Rücksicht auf die Natur und deren Bewohner (ob Flora oder Fauna) genommen werden.

Klar, eigentlich setzt man voraus, dass sich jeder von selbst daran hält. Dennoch wird der entsprechende Paragraph aus dem Bundesnaturschutzgesetz mitgeliefert, soll heißen: So verlockend das Motiv auch scheint, so hübsch der Falter auch ist oder so gern die Kreativität ausgelebt werden möchte: Das alles geht auch im Einklang mit der Natur, dauert vielleicht manchmal etwas länger, ist dafür aber dann moralisch vertretbar. Es sei also deutlich gesagt: Schlafende Tiere dürfen nicht gestört oder gar berührt werden, auch keine Falter oder Libellen auf die Hand genommen, weil der Winkel so besser wäre und der Pfad im Moor sollte dann eben auch nicht verlassen werden – da hat man ja auch schon seltsame Dinge gehört :-). Das bedeutet beispielsweise auch, dass man den Labrador eben mit auf dem Bild hat, wenn er die Plüschratte wegklauen will.

Auch kreative Köpfe werden bedient, wenn es etwa darum geht, das grelle Licht am Mittag zu nutzen oder stark entfremdende Bildbearbeitung zu ungewöhnlichen, aber tollen Kunstwerken zu machen. Jede Motivbeschreibung, jedes Unterkapitel wird genau erklärt. Wie wurde das Motiv gefunden? Gab es Besonderheiten bei der Suche? Welche Schwierigkeiten traten auf? Das alles untermalt mit kurzweiligen Anekdoten, aber auch mit technischen Daten und Fakten ergibt eine gelungene Mischung. Das Prinzip wird im gleich beschriebenen Abschnitt deutlich. Ich sag nur Ledyba, äh Ladybug, äh Marienkäfer.

Gepunktete Punktlandung

Als Punktlandung könnte man es schon bezeichnen, wenn man einen halbkugeligen, flugfähigen und freundlicherweise noch blattlausfressenden Vertreter vor sich hat. Sein Name ist Käfer, Marienkäfer. Im Buch taucht er an verschiedensten Stellen auf, er ist aber auch wirklich ein überaus dankbares Motiv. Ob ganz oben an der Spitze eines einzelnen Grashalms, das Motiv hat sich offenbar zufällig ergeben, war er einer der glücklichsten Motivzufälle der Fotografin und das direkt vor der Haustür auf einer Wiese. Auch beim Thema Führungslinien spielt er ganz vorne mit und führt den Blick der Betrachter in gewünschte Bahnen. Glücklicherweise verirrte sich einer der Exemplare in meine Küche und ließ sich auf der Gardine nieder. Samt Gardine trug ich ihn also in den Garten und zum Dank posierte er noch einige Minuten, damit ich ihn in Ruhe fotografieren konnte. Weil es schnell gehen musste und ich nicht wusste, wie eilig es der Käfer hat, habe ich das übrigens nicht mit der Systemkamera, sondern mit einem Makroobjektiv-Aufsatz für’s Smartphone  getan. Auch als unfreiwilliger Wassertropfenträger finden wir den Siebenpunkt auf einer Blüte wieder, nachdem er in einen Regenschauer gekommen war. Dieses komplette Kapitel widmet sich der Fotografie von taubedeckten Insekten und nennt sich daher „Wet Look“.

Fazit

„Die Fotoschule in Bildern – Makrofotografie“ von den drei Autoren Eileen Hafke, Manfred Huszar und Sandra Malz ist nur eines der zahlreichen Angebote aus dem Rheinwerk-Verlag. Es vereint auf unterhaltsame Weise die fundierten Informationen, die man von einem Sachbuch erwartet mit lustigen, informativen oder ergänzenden Hintergrundinformationen. Die Gliederung ist klar und die Bilder erwartungsgemäß oft besonders oder beeindruckend. Positiv hervorzuheben ist, dass die Autoren nicht davon ausgehen, dass sich jeder, noch bevor er das Vorwort zu Ende gelesen hat, eine komplette Profiausrüstung zulegen möche. Die Kapitel werden deswegen ergänzt durch praktische Tipps wie das „Recyclen“ alter analoger Objektive oder Kniffe, wie sich besondere Effekte erzielen lassen. Die Fotoschule ist gleichermaßen geeignet für blutige Anfänger, die in das Thema einsteigen wollen als auch für weiter Fortgeschrittene, die sich Techniken und Ideen genauer betrachten wollen. Hier könnt ihr die „Fotoschule in Bildern – Makrofotografie“ direkt beim Verlag für 34,90 € als Buch bestellen, für 30,90 € als E-Book oder für 39,90 € als Bundle. Ich habe das Buch mit Interesse durchstöbert, einzige Nebenwirkung: Es könnte passieren, dass Ihr auf einmal beginnt, Grashalme zu vergleichen oder euch ungewöhnlich nah an Spinnen wagt, obwohl ihr früher die Flucht ergriffen hättet.

Themen
· · ·

    Mein Name ist Freya und ich bin 27 Jahre alt. Am allerliebsten verbringe ich die Zeit mit meiner Familie und meinen zwei Hunden Lotta und Jamie. Darüber hinaus bin ich ein riesiger Frankreich-Fan und verbringe soviel Zeit wie möglich im Land des „savoir vivre“…oder träume zumindest bis zum nächsten Frankreich-Aufenthalt davon!

    Kommentar hinterlassen

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    Menu Title